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Bezahlsysteme im Onlineshop: Erfolgsfaktoren und Kosten

10 Dez
© Maksym Yemelyanov - Fotolia.com

(10.12.2014) Wenn Sie in Ihrem Onlineshop unterschiedliche Bezahlmöglichkeiten anbieten, entwickeln Ihre Kunden größeres Vertrauen in Ihr Unternehmen und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Kunden auf Ihrer Website kaufen. Die existierenden Bezahlsysteme werden von den Internetnutzern jedoch nicht nur mehr oder weniger gut angenommen, sondern unterscheiden sich auch hinsichtlich des Zahlungsausfallrisikos und der Kosten. Für Unternehmen stellt sich deshalb die wichtige Frage nach den Gesamtkosten der Zahlungsabwicklung über die direkten Kosten (z.B. Transaktionskosten) hinaus. Denn es können auch vor- und nachgelagerte indirekte Kosten entstehen, wie beispielsweise bei Zahlungsausfällen oder durch manuellen Bearbeitungsaufwand.

Dazu ist nun von ibi research an der Universität Regensburg eine Studie erschienen, die kostenfrei als Download angeboten wird. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Ergebnisse:

Vorkasse nicht ganz so günstig wie vermutet

Den Ergebnissen der Studie zufolge wird die Vorkassezahlung per Überweisung von den meisten Onlinehändlern als kostengünstigste Bezahlmethode eingeschätzt. Sie stellt auch die unter den befragten Unternehmen am Häufigsten eingesetzte Bezahlmethode dar. Doch der Schein trügt: Die Händler treffen ihre Einschätzung auf Grundlage der direkten Kosten des Zahlverfahrens, unterschätzen jedoch seine hohen indirekten Kosten. Dann sieht die Angelegenheit gleich ganz anders aus. 16% aller Vorkassezahlungen müssen von den Onlinehändlern manuell nachbearbeitet werden - das auch, weil die Zahlungsabwicklung in vielen Onlineshops  nicht automatisiert wurde. So steigen die Prozesskosten.

Günstigstes Zahlungsverfahren: SOFORT Überweisung

"Obwohl die indirekten Kostenfaktoren der Zahlungsverfahren von Händlern für deutlich weniger relevant gehalten werden als die direkten Kosten, können die indirekten Kosten aber ein Vielfaches der direkten Kosten betragen", so die Autoren. Nach Einbeziehung aller Kosten erweist sich das Verfahren SOFORT Überweisung für den der Studie zugrunde gelegten Basisfall als am Günstigsten. An zweiter Stelle folgt die abgesicherte Lastschriftzahlung; erst danach steht auf dem dritten Platz die Vorkasse.

Teuerstes Zahlungsverfahren: Kauf auf offene Rechnung

Die Möglichkeit eines Kaufs auf offene Rechnung erweist sich als für Onlinehändler "mit Abstand" als teuerstes Zahlungsverfahren; zudem lässt bei ihr der Zahlungseingang am Längsten auf sich warten, was die Planungssicherheit beeinträchtigt. Bei nahezu 9% der Zahlungen auf Rechnung kommt es bei der Abwicklung zu Zahlungsstörungen, so dass Mahn- und Inkassoverfahren notwendig werden; bei über 4% kommt es letztendlich zu Zahlungsausfällen - was umso stärker ins Gewicht fällt, da diese Methode von Kunden am Häufigsten genutzt wird. Danach folgt mit bereits deutlich geringeren Kosten die abgesicherte Rechnungszahlung über einen Dienstleister. Deshalb kann sich die Absicherung von Rechnungen oder Lastschriftzahlungen über einen externen Dienstleister trotz der oft hohen Direktkosten lohnen: Die indirekten Kosten sinken durch diese Absicherung erheblich.

Kontrollmechanismen senken Gesamtkosten

Nur die Hälfte der befragten Händler nutzt die Möglichkeit von internen oder externen Risikoprüfungen von Rechnungs- und Kreditkartenzahlungen; ein Drittel führt bei Zahlungsstörungen keine Mahn- oder Inkassomaßnahmen durch. Zudem wertet nur jeder fünfte Händler aus, welche Zahlungsverfahren zu höheren oder niedrigeren Retourenquoten führen. Ein weiteres Mittel der Absicherung stellt die Automatisierung von Bezahl- und Mahnprozessen dar, denn manuelle Bearbeitungen erzeugen erhebliche Prozesskosten. An diesen Stellen können Onlinehändler also ansetzen, um die Gesamtkosten der Bezahlabwicklung in ihrem Onlineshop zu senken! Auf Basis einer Beispielrechnung schätzen die Autoren der Studie die Gesamtkosten durch Zahlungsausfälle und -störungen im deutschen E-Commerce auf fast eine Milliarde Euro pro Jahr.

Das sollten Onlinehändler über Zahlungsverfahren wissen:

"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Kosten der eingesetzten Zahlungsverfahren einen wichtigen Erfolgsfaktor für Online-Shops darstellen. So beurteilen die befragten Händler sogar geringe Kosten als wichtigste Anforderung beim Einsatz eines Zahlungsverfahrens", so das Fazit der Autoren. Onlinehändler tendieren dazu, die indirekten Kosten von Zahlsystemen "systematisch" zu unterschätzen; der Blick auf die Gesamtkosten könnte ein wichtiges Mittel darstellen, ihre Gewinnmarge zu erhöhen. Konkret empfehlen die Autoren, Anreize wie Rabatte oder Versandkostennachlässe einzusetzen, um die kostengünstigsten Zahlungsmethoden für Kunden attraktiver zu gestalten.

Wichtig ist jedoch, dass Onlinehändler bei der Auswahl der Zahlmethoden für ihren Shop auch Kundenakzeptanz, Abbruchquoten und andere Faktoren im Auge behalten, denn die Kostensenkung stellt nur einen Erfolgsfaktor von vielen dar.

Was sagen Sie?

Was sind Ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Bezahlsystemen? Spiegelt die Studie Ihre Erfahrungen wieder? Schicken Sie uns doch Ihre Einschätzung auf Twitter, Facebook oder Google Plus!

Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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