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Digitalisierung jetzt! Wie meistern Unternehmen die Herausforderung?

30 Apr

Unsere Wirtschaft steht vor einer nie da gewesenen Herausforderung. Viele Unternehmen fragen sich, wie sie weiterhin bei ihren Kunden präsent bleiben, ihre Dienstleistungen und Produkte verkaufen sowie die finanziellen Folgen der Umsatzeinbrüche abmildern können.

Zwar wurden die Einschränkungen der Bundesregierung für Unternehmen am 15. April gelockert, so dürfen zum Beispiel Geschäfte bis 800 m² Verkaufsfläche unter Auflagen wieder öffnen. Viele andere Entscheidungen, wie das Verbot von Großveranstaltungen oder von Dienstleistungen, bei denen körperliche Nähe unabdingbar ist, werden uns aber noch eine Weile erhalten bleiben. Daher können wir davon ausgehen, dass „physical distancing“ oder Aktionen wie #WirBleibenZuhause unser Verhalten nachhaltig verändern. Immer mehr Menschen meiden den Kontakt zu anderen und ziehen sich zurück, weil sie Angst haben, sich oder Mitmenschen anzustecken. Andere verbringen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, weil der eigene Betrieb stillsteht oder sie auf Kurzarbeit gesetzt sind. Je mehr sich die Menschen in der physischen Welt zurückziehen, umso stärker gilt die Aufmerksamkeit dem Internet.

Bewusstsein für digitale Technik steigt

Es sind vor allem die digitalen Möglichkeiten, die unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben in der Corona-Zeit am Laufen halten und an Bedeutung gewinnen. Hier hat ein kleiner Virus geschafft, wozu vielerorts das Management nicht in der Lage war: Corona wirkt wie ein Digitalisierungsbeschleuniger. Unternehmen nutzen digitale Tools wie WhatsApp oder Videochat, und wo es möglich ist, Marktplätze oder Onlineshops, um nicht Ihre Kunden zu verlieren. Gearbeitet wird im Homeoffice, vorausgesetzt, die Mitarbeiter sind mit VPN-Rechnern ausgestattet und haben stabiles Internet. Die Menschen lernen die Vorteile des digitalen Lebens und Arbeitens zu schätzen und die Ausnahmesituation wird Normalität. Mittlerweile empfehlen neun von zehn Unternehmen Arbeit von zu Hause aus, zwei Drittel davon ordnen das sogar an. Die bisherige Devise „Wir möchten jemanden, der hier im Büro sitzt“ scheint obsolet. Was seit Jahren in den Führungsetagen mit vielen Bedenken behaftet war, wird nun Realität: Remote Working bzw. flexibles Arbeiten etabliert sich als Standard. Laut der Onlineplattform t3n entsteht gerade ein breites Bewusstsein in Deutschland für die Vorteile digitaler Technik.

Fehlende Digitalisierungsstrategie

Allerdings wird vielen Unternehmen der niedrige digitale Reifegrad zum Verhängnis. Corona deckt knallhart die Schwächen derjenigen auf, die sich der digitalen Transformation bislang verweigerten: Verstaubte Webseiten, fehlende Social Media-Kommunikation und keine Online-Verkaufsmöglichkeit. Das betrifft deutschlandweit etwa jedes fünfte Unternehmen, in denen es keine Digitalisierungsstrategie gibt. Viele Umsatzeinbußen könnten durch diese digitalen Angebote zumindest abgemildert werden. Weitere Verzögerungen bei der Digitalisierung kann sich niemand mehr leisten und Unternehmen sollten sich spätestens jetzt fragen, wie Sie zum Beispiel breiter digital sichtbar werden, um nicht von der Bildfläche Ihrer Kunden zu verschwinden. Auch E-Commerce kann durch das kontaktlose Einkaufen in Infektionszeiten eine stabilisierende Unternehmensstrategie sein.

In der Corona-Zeit sichtbar bleiben

Der wichtigste Vertriebsmitarbeiter in der Corona-Zeit, Aushängeschild des Unternehmens und zentrale Anlaufstelle für Interessenten, Kunden und Partner ist die Unternehmenswebseite. Als Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Prozesse wird auf ihr kommuniziert, gekauft, abonniert und gestaunt. Längst sind Webseiten mehr als nur „ein weiterer Kanal“. Kurzum: Die Webseite ist jetzt mehr denn je das Herzstück Ihrer Digitalstrategie. Doch nutzt die beste Webseite wenig, wenn sie nicht gefunden wird. Sorgen Sie dafür, dass Sie in der Corona-Zeit sichtbar bleiben! Hierfür gibt es viele Plattformen und Möglichkeiten, allen voran der Suchdienst von Google, dicht gefolgt von der Videoplattform YouTube und dem Social Web. Erstere schleust nach wie vor den Großteil der Besucher auf Webseiten.

Die Qualität und Quantität Ihres Contents skaliert das Ranking in der Google-Trefferliste. Zum einen bekommt Ihre Webseite damit ein inhaltliches Gewicht, was den Besucher freut, der sich über seine Themen informieren will, aber ebenfalls Google, das Daten so gerne aufsaugt, wie ein trockener Schwamm. Zum anderen erhalten Sie so natürliche Backlinks, das sind Verlinkungen anderer Webseiten auf Ihre Seite. Doch sind in Zeiten des „Contentschocks“ viele Inhalte nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Daher gilt es sich zu differenzieren: Setzen Sie auf Qualität und beschränken Sie sich nicht nur auf Texte, sondern gehen Sie mit der Zeit und bieten Sie Ihre Themen in Bildwelten und in Videos an.

Duftmarken jenseits von Google setzen

Neben Google gibt es noch eine Reihe weiterer Suchdienste, die je nach Produkt, Dienstleistung oder Zielgruppe an Bedeutung gewinnen. Eine Plattform für „visuelle Entdeckungen“ ist Pinterest. Viele kennen die Plattform als Social Media-Dienst, streng genommen ist es aber eine nutzergenerierte Suchmaschine, mit der Inhalte gespeichert werden können. Die überwiegend jungen und weiblichen Nutzer suchen dort nach Themen, anstelle einzelner Keywords und sammeln die gefundenen Inhalte auf entsprechenden „Pinboards“. In Deutschland hat die Plattform sechs bis sieben Millionen aktive Nutzer, bietet Unternehmen also enormes Potenzial zum Setzen ihrer Duftmarken. Das Superkaufhaus Amazon ist die erste Adresse, wenn Produkte gesucht werden. Praktisch für den Kunden bei seiner Recherche sind die vielen Rezensionen, die ihm Sicherheit bei einer Kaufentscheidung geben, sowie die ausgeklügelten Crossselling-Mechaniken wie „Mit ähnlichen Produkten vergleichen“ oder „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“. YouTube ist neben dem Suchdienst von Google die zweitgrößte Suchmaschine und die am häufigsten besuchte Seite nach Google. 77 Prozent der deutschen Internetnutzer sehen sich monatlich Videos auf YouTube an, zur Unterhaltung, um etwas zu lernen oder zur Inspiration. Über 17 Millionen Menschen schauten beispielsweise die „Zerstörung der CDU“. Ein knapp einstündiges, gut gemachtes Video des YouTubers Rezo, der damit offenbar einen Nerv getroffen hat. Dieser Fall zeigte eindrucksvoll, wie der digitale Wandel unsere Welt verändert. Marken und Meinungen werden heutzutage online gebildet. TV, Print und Radio sind die Zombies von gestern, zumindest für die Generation Z, den nach 1995 zur Welt gekommenen Usern. Sie nutzen Plattformen wie YouTube, Instagram und Twitter, über die Geschichten schneller, reichweitenstärker, aber auch unkontrollierter transportiert werden, als über klassische Medien. Hier haben Unternehmen die Chance, mit Ihren Geschichten, Themen oder Produkten sichtbar zu werden und sich neue Zielgruppen zu erschließen.

Diese Liste alternativer Suchdienste lässt sich beliebig fortsetzen: Wenn ein passender Arzt benötigt wird, steht der Dienst jameda an erster Stelle. Auf XING und LinkedIn lassen sich Arbeitnehmer finden, auf MyHammer Handwerksdienstleistungen und auf Bewertungsplattformen wie Check24, Trustpilot oder Yelp Produkte, Geschäfte oder Finanzen. Trotz all dieser Angebote ist Google nach wie vor der Platzhirsch unter den Suchdiensten und hier sollten Unternehmen ansetzen, um sich eine bessere digitale Sichtbarkeit zu erarbeiten.

Einstieg in den E-Commerce

Das sichere, kontaktlose Einkaufen im Internet stellt für viele Menschen eine weitere, persönliche Schutzmaßnahme gegen den Corona-Virus dar. Aufgrund von Kurzarbeit, Quarantäne und anderen Vorsichtsmaßnahmen existiert auch viel Zeit, um in den Weiten der digitalen Welt unbegrenzt zu shoppen. Es ist absehbar, dass der E-Commerce dauerhaft von der Corona-Krise profitieren wird. Hier wirkt der Virus ebenfalls als Digitalisierungsbeschleuniger. Diejenigen Menschen, die jetzt gezwungen sind, online einzukaufen, werden die Vorzüge und Bequemlichkeiten nach der Corona-Zeit nicht aufgeben wollen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der E-Commerce laut Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) im März 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 20 Prozent eingebrochen ist. Die durch die Krise getrübte Konsumstimmung macht auch vor der digitalen Ladentheke nicht halt. Besonders hart erwischt hat es Dienstleistungen rund um die Themen Buchungen für Reisen, Veranstaltungen oder Flugtickets. Sie stürzten laut bevh im März um mehr als 75 Prozent im Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Dennoch ist möglicherweise jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Geschäft auf den Onlinevertrieb zu verlagern oder sogar ein komplett neues Business im E-Commerce aufzuziehen, um neue Kundengruppen anzusprechen.

Marktplatz oder eigener Online-Shop?

Für den Einstieg in den digitalen Handel gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die sich nicht ausschließen: Teilnahme an einem Onlinemarktplatz und/oder ein eigener Online-Shop. Für die große Mehrheit der kleinen Händler ist der eigene Shop meiner Einschätzung nach keine realistische Option. Zwar bietet der eigene Shop deutlich mehr Möglichkeiten als ein Marktplatz, ist aber auch mit hohen Investments verbunden, insbesondere wenn der Launch schnell über die Bühne gehen soll. Zudem tummeln sich im deutschen E-Commerce ca. 500.000 Shops - die Mehrheit davon kleine Garagenshops. Viele dieser Shops, die sich kaum voneinander unterscheiden, werden den Angebotsüberschuss des Internets in den nächsten Jahren nicht überleben. Zu groß ist der Druck von Vergleichbarkeit, Preisen, Verfügbarkeit und Liefergeschwindigkeit. Die Überlebenschancen eines Onlineshops steigen massiv an, wenn eine klare Nischenstrategie, eine digitale Führungsmannschaft und exzellente Prozesse vorhanden und etabliert sind.

Marktplätze hingegen gewinnen weiterhin an Bedeutung und machen den Löwenanteil des Umsatzes im E-Commerce aus: Allein 70 Prozent werden bei Amazon erwirtschaftet. Superkaufhäuser wie dieses bieten die technologischen Voraussetzungen, damit der Kunde bequem suchen und einkaufen kann. Im Grunde vollzieht sich im E-Commerce eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Handel: zunehmende Konzentration auf Einkaufsstraßen und Shopping-Malls. Marktplätze sind der schnellste Einstieg in den Online-Verkauf, bieten mehr Rechtssicherheit und einfache Fullfillment-Prozesse. Damit sind sie speziell für kleine Händler in der Corona-Zeit eine interessante Option.

Jetzt Chancen nutzen!

Egal für welchen Weg Sie sich entscheiden, nutzen Sie die Chance, jetzt Ihre Digitalisierungsstrategie voranzutreiben. Befreien Sie sich von der Einstellung „wir haben das schon immer so gemacht“ und prüfen Sie Ihre digitalen Optionen: Vom Homeoffice für Ihre Mannschaft, über digitale Kommunikations- und Verkaufskanäle bis hin zur Digitalisierung weiterer Wertschöpfungsstufen und Prozesse. Digitalisierung wird jetzt zum neuen Standard!

In jedem Fall helfen Ihnen unsere kostenfreien Seminare und Leitfäden beim Umstieg.

Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit 15 Jahren berate ich Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. Meine thematischen Schwerpunkte sind Online-Marketing, E-Commerce und Social Media. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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