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E-Commerce für kleine Händler: Unser Nachbericht zum Seminar am 17. März

20 Mär
© dashadima - Fotolia.com

(20.03.2015) Haben kleine Händler im E-Commerce noch eine Chance? Das fragten wir unsere E-Commerce-Experten auf der gleichlautenden Veranstaltung am 17. März in der IHK Frankfurt. Die Antwort war nicht ganz eindeutig, denn unsere drei Speaker meinten: ja, nein, ja.

Dr. Carsten Takac, Geschäftsführer des Frankfurter E-Commerce-Dienstleisters Sitewards zog als Fazit "Ja, kleine Händler haben eine Chance. Aber sie müssen planvoll angreifen, statt abzuwarten". Immerhin stünde der traditionelle stationäre Handel unter Druck. Gründe dafür seien eine hohe Preistransparenz, viele Online-Vergleichsmöglichkeiten und die Bequemlichkeit der Käufer (Convenience). Dr. Takac warnte davor, E-Commerce zu behandeln wie eine Onlinefiliale. Schließlich gebe es online andere Prozesse, Kunden und Wettbewerber als im stationären Handel. Wer im Onlinehandel Aussicht auf Erfolg haben möchte, sollte eine Vision samt Strategie mit messbaren Zielen formulieren. Auch rät der Experte, schlank zu starten (Lean Launch). Vielleicht mit einem Shop-Prototypen, der noch nicht alle Funktionalitäten inne hat.

Alexander Graf, Herausgeber des Blogs Kassenzone und Gründer des Beratungsunternehmens eTribes aus Hamburg zeichnete ein düsteres Bild: Die Marktplätze sind übermächtig geworden und kaum mehr von normalen Händlern zu bezwingen. Der Löwenanteil im E-Commerce-Umsatz verteile sich auf Amazon und eBay. Wettbewerber wie Rakuten und Hitmeister kann Graf nicht mehr empfehlen und verweist auf eine Live-Statistik von Google-Trends: Dort liegen Amazon und eBay unangefochten an der Spitze der Suchbegriffe. Die restlichen Plattformen tauchen numerisch gar nicht auf. Graf sieht die einzige Chance von Händlern im Aufbau von Eigenmarken, um wenigstens auf Amazon gefunden zu werden. Denn auch dort finde vor allem die Produktsuche statt.

Marc Fischer hat fünf Jahre Blut, Schweiß und Tränen investiert, um seinen Grillshop Grillfuerst.de als einen der führenden Anbieter von Grills und Grillzubehör zu platzieren. Gestartet ist er mit einem reinen Onlineshop. Erst seit etwas über einem Jahr gibt es auch einen 2.000 qm großen Megastore in Bad Hersfeld (dem Ort, in dem Amazon seine Logistikzentrale betreibt :-). Es sei vor allem auf eins angekommen, betont Fischer: auf Leidenschaft! "Wenn Sie nicht mit Herzblut dabei sind, werden Sie nicht erfolgreich sein". Eine weitere Herausforderung sieht Fischer in dem Aufbau einer Marke. Dazu sei es notwendig, in der Vermarktung des Shops auf sämtlichen Hochzeiten zu tanzen. Fischer zählte viele Maßnahmen auf, bei denen er in der Einzelbetrachtung ein Minus mache: Videomarketing auf Youtube, Online-PR und Tests, Facebook etc. Am Ende lüftete er sein Geheimnis: Zehnmal Minus ergab ein Plus. Und zwar weil die Summe der Maßnahmen eine gute Sichtbarkeit bei Google und bei den Kunden ergibt.

Sollten Sie nicht auf der Angstwelle von Amazon reiten wollen - und für die gibt es (sage ich nur ungern) leider viele gute Gründe -, sollten Sie planvoll angreifen und nicht abwarten. Und zwar mit Leidenschaft und einem langen Atem!

 

Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit über 10 Jahren berate ich kleine und mittlere Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. In den bislang knapp 1.500 Beratungsfällen lag der thematische Schwerpunkt bei Onlinemarketing-Strategien und Website-Konzepten. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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