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E-Commerce in Corona-Zeiten

11 Aug

Es sah am Anfang der Pandemie danach aus, dass der Onlinehandel ähnlich dem stationären Handel unter der Corona-Krise einbricht. Doch das Gegenteil ist der Fall: Corona hat dem Onlinehandel einen kräftigen Wachstumsschub beschert. Vor allem Güter des täglichen Bedarfs werden seit der Krise verstärkt im Internet gekauft. Dazu zählen unter anderem Lebensmittel, Drogerie-Produkte und Tierbedarf. Und das, obwohl Drogerie- und Supermärkte, Delikatessenhändler und Haus- und Heimtierbedarfsgeschäfte in der Corona-Krise geöffnet blieben. Experten gehen von einer dauerhaften Entwicklung aus: „E-Commerce hat sich im zweiten Quartal nachhaltig als zusätzliche Versorgungs-Infrastruktur etabliert“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.

Das Wachstum in Zahlen

Insgesamt stiegen die E-Commerce-Umsätze von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um satte 16,5 Prozent gesteigert auf über 20 Milliarden Euro. Die großen Gewinner sind Onlinemarktplätze wie Amazon und eBay. So schoss der Umsatz von Amazon im zweiten Quartal um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich gar auf 5,2 Milliarden – dem Höchstwert seit dem 26-jährigen Bestehen. eBay legte mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Dollar ebenfalls kräftig zu (plus 18 Prozent). Der Gewinn erhöhte sich um 85 Prozent auf 740 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Gute Nachrichten für kleine Händler

Aber nicht nur die Superkaufhäuser profitieren von der Entwicklung. Laut einer Umfrage der französischen Online-Werbeplattform Criteo hat fast jeder dritte Konsument einen neuen Onlineshop für sich entdeckt. Bei den jüngeren Leuten der Generation Z sogar jeder zweite. 77 Prozent dieser Konsumenten werden auch zukünftig in ihren neu entdeckten Onlineshops einkaufen. Das sind gute Nachrichten, vor allem für kleine Händler, die den Einstieg in den E-Commerce bisher scheuten. Der Virus funktioniert als Digitalisierungsbeschleuniger und für viele Händler ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ihr Geschäft auf den Onlinevertrieb zu verlagern oder ein komplett neues Business im E-Commerce aufzuziehen, um neue Kundengruppen anzusprechen.

Einstieg in den E-Commerce

Der Einstieg in den E-Commerce ist kein Kinderspiel, auch wenn einem dies durch die Vielzahl an kostengünstigen Fertig-Shop-Systemen suggeriert wird. Allein in Deutschland buhlen rund 500.000 Onlineshops um die Gunst der Kunden. Darunter etliche „Garagenshops“, die sich kaum voneinander unterscheiden und die nächsten Jahre von der Bildfläche verschwinden. Zu groß ist der Druck von Vergleichbarkeit, Preisen, Verfügbarkeit und Liefergeschwindigkeit. Die Überlebenschancen eines Onlineshops steigen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: eine klare Nischenstrategie, eine digitale Führungsmannschaft und exzellente Prozesse. Im transparenten Internet ist es selbst für den Zweitbesten in einem Segment bzw. einer Nische schwer, den Kunden vom Kauf zu überzeugen. Der Konkurrent ist nur einen Mausklick entfernt und so lassen sich Angebote, Preise und Liefergeschwindigkeiten schnell vergleichen. Sich alleine über ein Produkt vom Wettbewerb zu differenzieren, ist wenig erfolgsversprechend – es sei denn, der Händler ist zugleich Hersteller. Vielmehr kommt es darauf an, sich der Vergleichbarkeit mit anderen Händlern zu entziehen. Beispielsweise durch Spezialisierungen wie „Wir sind die Zeitfahrrad-Experten“ oder ergänzenden Service-, Reparatur oder Lieferoptionen á la „Wir besorgen dir jedes Bauteil“ oder „Wir bauen dir dein Fahrrad zusammen“.

Für den Einstieg in den digitalen Handel gibt es zwei grundsätzliche Optionen: Teilnahme an einem Onlinemarktplatz oder (und) ein eigener Onlineshop. Zwar bietet der eigene Shop deutlich mehr Möglichkeiten in der Ausgestaltung als ein Marktplatz, ist aber auch mit deutlich höheren Investments verbunden, vor allem dann, wenn der Launch schnell über die Bühne gehen soll. Ist der eigene Onlineshop eingerichtet, muss er ordentlich vermarktet werden. Häufig wird dieses Thema in seiner Herausforderung nicht erkannt und die Kosten werden falsch kalkuliert. Die Sonnenplätze bei Google sind stark umkämpft und Sichtbarkeit im Social Web kommt nicht gratis. Kostenfreie Viralität ist eine Illusion.

Marktplätze weiter auf dem Vormarsch

Marktplätze gewinnen weiterhin an Bedeutung und machen den Löwenanteil des E-Commerce-Umsatzes aus: Allein 70 Prozent erwirtschaftet Amazon. Derartige Superkaufhäuser bieten die technologischen Voraussetzungen, damit der Kunde bequem suchen und einkaufen kann. Die Entwicklung ähnelt den Konzentrationsprozessen im stationären Handel. Marktplätze sind der schnellste Einstieg in den Online-Verkauf, bieten Rechtssicherheit und einfache Fulfillment-Prozesse. Damit sind sie speziell für kleine Händler in der Corona-Zeit eine interessante Option. Händler können hier Waren verkaufen, ohne einen eigenen Shop aufbauen zu müssen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich der Verkauf nicht für das ganze Sortiment lohnt, da die Provision an die Marktplätze die sowieso schon geringen Margen auffrisst.

Egal, für welches Modell sich der Händler entscheidet: Wichtig ist eine durchdachte Strategie, um sich vom Wettbewerb zu unterscheiden. Es braucht zudem ein nachhaltiges Konzept in der Vermarktung sowie einen langen Atem: Ist der Onlineshop live, dauert es mitunter Jahre, bis sich das Investment amortisiert.

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Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit 15 Jahren berate ich Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. Meine thematischen Schwerpunkte sind Online-Marketing, E-Commerce und Social Media. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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