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Online-Marketing: Olaf Kolbrück im Interview über Pflicht und Kür für Händler

10 Jun

(10.06.2015) Beim Online-Marketing-Tag am 14. Juli in der IHK Frankfurt am Main wird sich wieder alles um die neuesten Entwicklungen im Online-Marketing drehen, die speziell für kleine und mittlere Unternehmen interessant sind. Einer der Speaker ist Olaf Kolbrück, Gründer und Inhaber von etailment.de. Der E-Commerce-Experte beantwortete für uns im Interview wichtige Fragen zum Online-Marketing.

BIEG:  Online-Marketing-Maßnahmen gibt es wie Sand am Meer: Von Google-Adwords über Conversion-Optimierung bis hin zu Social-Media-Marketing, um nur einige zu nennen. Viele, vor allem kleine Unternehmen sind schlichtweg überfordert, für sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Gibt es denn so etwas wie ein branchenübergreifendes Pflicht- und Kür-Programm speziell für kleine Unternehmen?

Olaf Kolbrück: Allen Social-Media-Aktivitäten zum Trotz: E-Mail-Marketing ist immer noch einer der sinnigsten und kostengünstigsten Wege, um Kunden anzusprechen. Kunden nutzen Newsletter immer noch gerne, um über Angebote und neue Produkte auf dem Laufenden zu bleiben. Für Händler sind sie zudem ein recht kostengünstiger Kommunikationsweg. Wenn einige zentrale Regeln und Basics beachtet werden, Einsatz und Gestaltung stimmen und die Wünsche der Kunden berücksichtigt werden, können sie erheblich zum Mehrumsatz beitragen und Kunden reaktivieren.  Studien zeigen zudem, das Kunden gerade binnen der ersten Wochen nach dem Kauf, beispielsweise wenn sie einen Ergänzungskauf planen, gut auf Newsletter-Werbung reagieren. Wird das Mailing dann mit einem Rabatt oder Gutschein garniert, kann das oft ein finaler Anstoß zum Kauf sein.

Gerade Händler mit einem Laden in Mittelzentren übersehen zudem oft die Bedeutung der lokalen Suche, weil sie glauben, mit ihrem Schaufenster bereits genug Sichtbarkeit zu erzeugen. Ein Irrtum. Denn viele Kunden im Einzugsgebiet nutzen vor dem Einkauf erst einmal die Google-Suche. Es gilt also, die eigene Website so zu bauen und zu betexten, dass Google alle relevanten Informationen erkennt. Gut zu wissen: 40 Prozent aller mobilen Suchanfragen, die bei Google eingehen, haben einen lokalen Bezug. Deshalb gilt auch: Eine mobil gut lesbare Website ist fast schon keine Kür mehr, sondern Pflicht. Erst recht, seitdem Google mobil nicht optimierte Websites abstraft. Übrigens: Der Kunde macht das auch.

BIEG: Die Online-Uhr tickt schneller - Experten sprechen von vier Monaten für ein Internetjahr. Die hohe Taktrate an Veränderungen überfordert so manches Unternehmen. Welche Online-Marketing-Themen verändern sich Ihrer Meinung nach 2015 am stärksten?

Olaf Kolbrück: Das Smartphone ist das wichtigste Werkzeug im Internet-Zeitalter. Die Verweildauer in klassischen Medien sinkt, selbst in der Desktop-Welt geht sie zurück. Die mobile Nutzung legt dagegen unaufhaltsam zu. Was also tun? Mehr mobile Werbung? Schwierig und kostspielig - zumal Nutzer mobile Werbung gerne ignorieren oder immer öfter blocken. Besser wäre es, mit Bilderdiensten wie Instagram zu experimentieren, die mobil gerade den Siegeszug antreten. Die Optionen: Dort seine Produkte und Einkaufsmöglichkeiten zeigen und Kunden animieren, ihr Einkaufserlebnis über solche Netzwerke mitzuteilen. Der Bau dieser Brücke zum Kunden braucht Zeit und Mühe (von beidem reichlich), belastet die Werbekasse  aber nicht sonderlich. Gerade kleine Händler mit schmalen Budget können angesichts der rasanten technischen Entwicklung nur noch mithalten, wenn sie auf ihre Reputation, eine Nische und ihre Stammkunden bauen. Auch neue Kommunikationswege können sich lohnen. Erst recht, seit es auch bei Facebook immer komplexer (und teurer) wird, seine Fans zu erreichen. Mutig wäre es, jetzt WhatsApp auszuprobieren und Kunden dort beispielsweise über eine spezielle Rufnummer einmal in der Woche - quasi ganz persönlich - ein Top-Angebot zu bieten. Nur was für junge Leute? Nein. Immerhin gibt es in Deutschland rund 35 Millionen WhatsApp-Nutzer. Und "nur" 19,3 Millionen Einwohner, die unter 24 Jahre sind.

BIEG: Ein Blick in die Zukunft: Wie sieht Online-Marketing im Jahr 2020 aus?

Olaf Kolbrück: Schauen wir dann tatsächlich alle auf die Werbung auf unserer Apple Watch? Ich glaube nicht. Wahrscheinlicher ist es da noch, dass wir uns über einen intelligent gemachten Hinweis via Beacon freuen, der per Bluetooth auf unserem Handy landet, während wir gerade eigentlich achtlos an dem Laden vorbeigehen, der das Produkt, das wir schon so lange haben wollen, heute im Angebot hat. Ob sich Beacon-Sender tatsächlich durchsetzen? Unklar. Durchsetzen wird sich aber die Idee, die auch hinter den kleinen Sendern steckt: Online-Werbung wird 2020 in Echtzeit stattfinden, individueller und persönlicher und vor allem mobil sein.

 

Das Interview führte: Daniel Weichert

Online-Marketing-Tag 2016

Der nächste Online-Marketing-Tag findet am 5. Juli 2016 statt. Sie können sich  jetzt schon anmelden!

 

 

Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit über 10 Jahren berate ich kleine und mittlere Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. In den bislang knapp 1.500 Beratungsfällen lag der thematische Schwerpunkt bei Onlinemarketing-Strategien und Website-Konzepten. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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