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Contentbrocken der Woche: Ist Ihre Website faul?

10 Jul
Bild: psdesign1 - Fotolia.com

(10.07.2014) Die Interaktion zwischen Mensch und Website unterscheidet sich im Prinzip nicht von der Interaktion zwischen Mensch und Mensch. Bitte ich einen Freund um einen Rat, aber der Freund ist zu faul, mir die nötigen Informationen zu schicken, dann ärgere ich mich - und der Freund reagiert entweder auf meinen Ärger, indem er mich rasch wieder besänftigt, oder er bleibt faul und steigert meinen Ärger. Auf einer Website nennen wir das nicht Faulheit, sondern Usability, aber das Prinzip bleibt dasselbe: Klicke ich mich auf der Suche nach hilfreichen Informationen durch die Seite und erhalte sie nicht, dann ärgert mich das auch. Eine gute Website bietet mir in dieser Situation bspw. Ersatzinformationen an: "Zu diesem Thema bieten wir leider zurzeit keine Veranstaltungen an. Aber Sie können sich für unseren Newsletter anmelden, der Sie über neue Angebote informiert. Oder vielleicht interessiert Sie ja diese andere Veranstaltung zu einem ähnlichen Thema." Oder sie lässt mich im Regen stehen, und ich ärgere mich mehr. Vielleicht erhalten wir den Eindruck, dass die Websitebetreiber sich einfach nicht genug Mühe gegeben haben, unsere Bedürfnisse zu verstehen - dann ist die Website also faul. Oder die Information ist irgendwo versteckt, aber wir können sie nicht finden - dann ist die Website unorganisiert, schusselig oder zerstreut. Das thematisierte Professor Andrea Krajewski von der Hochschule Darmstadt in ihrem Vortrag gestern auf unserem Online-Marketing-Tag.

Wie hilft das beim Erstellen einer Unternehmenswebsite? Menschen und ihre Persönlichkeiten verstehen wir besser als Maschinen. Stellen Sie sich Ihre Website als Person vor. Geben Sie ihr einen Namen - dann fällt es leichter -, und machen Sie sich Notizen darüber, welche Persönlichkeit Ihr Unternehmen hätte, wäre sie ein Mensch. Bietet Ihre Website Fachinformationen an und hilft dem Nutzer, sich weiterzubilden? Dann denken Sie mal über die Lehrer nach, die Sie in Ihrem Leben getroffen haben: Manche sind strikt und diszipliniert und stellen hohe Ansprüche an ihre Schüler. Andere gehen ein eher kameradschaftliches Verhältnis mit ihren Schülern ein und verzeihen auch mal kleine Fehler, solange das Ergebnis insgesamt ungefähr stimmt. Entsprechend gibt es Schüler, die von ihren Lehrern erwarten, gefordert zu werden, weil sie ihr Ziel schnell erreichen wollen und mit Lob nichts anfangen können. Anderen ist wichtiger, dass sie sich gut aufgehoben fühlen.

Das heißt, Ihre Website und die typische Persönlichkeit Ihrer Nutzer ergänzen sich. Sie verkaufen auf Ihrer Website Gartenzubehör? Ihre Nutzer haben kein Interesse an komplizierten Aufbauarbeiten, sondern möchten möglichst schnell einen ästhetisch schönen Garten einrichten, in dem sie sich zurücklehnen und in der Sonne entspannen können. Dann wollen Ihre Nutzer wahrscheinlich auch möglichst wenige komplizierte Entscheidungen darüber treffen, aus welchem wasserresistenten Material die Gartenstühle bestehen sollen und mit welcher Technik das Rosengitter an der Hauswand befestigt werden sollte. Sie wünschen sich Komplettlösungen. Diese Nutzer möchten auch auf der Website bei der Produktauswahl, dass die Website sie an die Hand nimmt und ihnen Entscheidungen abnimmt. Sie möchten freundliche, einfache Erklärungen und viele Ratschläge und Empfehlungen erhalten. Wären Ihre Kunden hingegen begeisterte Heimwerker, die sich ganz besonders darauf freuen, den neuen Pavillon höchstpersönlich zusammenzunageln, dann empfänden sie diese Website als bevormundend und irritierend. Sie würden sich fühlen, als enthalte ihnen die Website Informationen vor und nehme sie nicht fachlich ernst. (Aber vielleicht möchten Sie ja auch beide Nutzergruppen auf Ihre Website ziehen. In diesem Fall müssten Sie ihnen zwei verschiedene Einstiegsmöglichkeiten anbieten und eine "Persönlichkeit" für Ihre Website auswählen, die mit beiden Menschentypen gut zurechtkommt.)

Unser Gehirn ist nicht dazu gedacht, Websites zu verstehen. Das heißt, es ist auch nicht dazu gedacht, Sympathie für Websites zu entwickeln oder sich an sie zu erinnern. Deshalb benutzt es dafür seine Fähigkeit, Menschen zu verstehen, und nimmt Websites genauso wie Menschen wahr. Desto genauer Sie die "Persönlichkeit" Ihrer Website herausarbeiten, umso leichter wird es Ihnen also fallen, genau die Kunden auf Ihre Website zu ziehen, die Sie sich schon immer gewünscht haben. Idealerweise schließen die Nutzer dann mit Ihrer Website Freundschaft und kehren immer wieder zurück.

Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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