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Die wichtigsten digitalen Trends 2019

20 Feb
Bild: Alte Wagnerei

Nichtstun ist keine Alternative – so die Warnung von Jochen Breunig (Sitewards GmbH), unseres zweiten Speakers beim alljährlichen BIEG-Seminar „Digitale Trends“ Ende Januar. Im Stil eines traditionellen Neujahrsgespräch haben wir unsere achtzig Teilnehmer in die Alte Wagnerei in Mühlheim eingeladen, um bei Speis‘ und Wein darüber zu informieren, was die hessischen KMU 2019 im Online-Marketing erwartet. Übrigens eine besonders passende Location – das Motto des altehrwürdigen Restaurants ist nämlich Keine Innovation ohne Tradition


Realitätscheck: Künstliche Intelligenz

„Jetzt bitte Radfahrer umfahren.“ Diese zweideutige Aufforderung an ein fiktives „intelligentes Auto“ brachte nicht nur das Publikum zum Lachen, sondern illustrierte auch eines der ungelösten Probleme des Konzepts von künstlicher Intelligenz. Aber nicht nur mit dem Verständnis hapert es noch bei dem Thema KI. Speaker Thomas Winzer (Inosoft AG) warnt, dass intelligente künstliche Systeme, die dem Gehirn nahekommen, als solche noch lange nicht existieren. Dass sich das, was biologisch bereits funktioniert, auch irgendwann elektronisch nachbauen lässt, sei aber unangezweifelt. Seine Empfehlung an kleine Unternehmen: Für die langfristige Perspektive den Trend im Auge behalten, für die kurzfristige hintenanstellen. Sobald die Technologie bereit für den Einsatz in den Unternehmen ist, wird sie (Chat-)Bots und virtuelle Assistenten ebenso revolutionieren wie den Bereich Analytics & Prediction, Smart Objects und den Einsatz von Sensoren. 


Die Zukunft sprachbasierter Assistenten

Sprachassistenten ermöglichen die Interaktion von Mensch und Maschine im Voice User Interface (Voice UI), also im direkten Gespräch. Und wie der Entwickler gerne sagt: „The best UI is no UI.“ Wer mit dem Computer spricht, erlebt keinen Medienbruch. Er muss auch nicht erst lernen, wie es geht, denn nicht er stellt sich auf den Computer ein, sondern der Computer holt ihn ab. Logisch, dass die Zukunft den Sprachassistenten gehört. Experten schätzen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre bereits 85% (!) aller Kundenservice-Interaktionen via Chatbot stattfinden werden. Es hapert noch ein bisschen in Sachen Gesprächslogik, Daten & Systeme und Machine Learning, so Jochen Breunig. Aber die Technologie verbessert sich rasant.

Die Einsatzmöglichkeiten von Voice UI für Unternehmen sind schwindelerregend: von der Marketingreichweite zur Vertiefung der Kundenbindung, Umsatzsteigerung dank neuem Vertriebskanal, Erreichbarkeit und Kosteneinsparungen. Als mögliche Einsatzgebiete nennt Breunig unter anderem Produktberatungen und Upselling, Durchführung von Bestellungen und Reservierungen, die Suche nach lokalen Unternehmen… oder „nur“ die unternehmensinterne Dateneingabe ins Kundenmanagementsystem. Auf keinen Fall dürfe man diesen Trend links liegen lassen. 

Erfolgsfaktoren im Social-Media-Marketing

Bild: Tik Tok

Schon mal von Tik Tok gehört? Als Nemo Tronnier (Social DNA GmbH) diese Frage stellte, gab es im Publikum nur vereinzelte Nicker – von den jüngsten Veranstaltungsteilnehmern im Raum. „Vor sieben Jahren habe ich hier schon mal den gleichen Vortrag gehalten“, berichtet der Social-Media-Experte, „Und damals haben alle ganz genauso reagiert, als ich von Facebook sprach.“ Tik Tok war im ersten Quartal 2018 die am häufigsten heruntergeladene iPhone-App und hat bereits 8,5 Millionen deutsche Nutzer, die meisten im Teenageralter. „Die sind nicht auf Facebook“, so Tronnier weiter. „Da sind ja die Eltern, die können am Ende ja noch was liken.“ Klingt das nach Ihrer Zielgruppe? Dann befassen Sie sich umgehend mit dem neuen Netzwerk.

Das Social-Media-Umfeld befindet sich jedoch nicht nur in Sachen Plattformen im stetigen Wandel. Als wichtigste Entwicklung benennt Tronnier den Trend weg vom öffentlichen Post mit Breitenwirkung und hin zur persönlichen, individuellen Kommunikation. Sich in diese Art von Interaktion einzuklinken, stellt für Unternehmen eine erhebliche Herausforderung dar. Während Social Ads definitiv Erfolg versprechen, liegen die größten Potentiale zweifellos in Influencer Marketing und Employee Advocacy – also dem Einsatz von Mitarbeitern als Marketingbotschafter. Beide Ansätze erfordern, dass individuelle Menschen davon überzeugt werden, sich als Privatperson für das Produkt, die Dienstleistung oder den Brand einzusetzen. Und daran sollten natürlich alle Unternehmen arbeiten – nicht nur die mit Interesse an Tik Tok. 

Digitale Trends erfolgreich umsetzen

Der Weg vom großen Trend, der in den Zeitungsschlagzeilen besungen wird, zum Backoffice des kleinen Unternehmens erscheint lang. Wie können Sie herausfinden, welcher dieser vielen Trends für Sie relevant ist? Mit dieser Frage befasst sich Michael Kirmes (Zukunftsinstitut Workshop GmbH). Er empfiehlt, sich zunächst mit den Megatrends auseinanderzusetzen. Das sind die ganz großen Entwicklungen unserer Epoche – zum Beispiel Gender Shift, Globalisierung, Individualisierung. Wer weiß, was davon in Beziehung zum eigenen Unternehmen gesetzt werden kann, erhält dadurch schon einmal eine Richtung. Welche Gegentrends sind zu erwarten und wie kann ich sie wiederum auf meinen Betrieb beziehen? Welche Probleme sehe ich am Horizont und für welche davon kann ich Lösungen bieten? Kirmes zitiert Science-Fiction-Autor Frederik Pohl, wenn er darauf hinweist, dass Sie nicht das Automobil vorhersagen müssen, sondern den Stau.

Zuletzt: „Jede Innovation ist eine Kombination davon, was technisch machbar ist, von den Menschen gewünscht wird und wirtschaftliche Erträge erzielt.“ Das muss nicht die Entwicklung eines neuen Elektromotors sein. Vielleicht produziert ihr Unternehmen ja die Verkehrshütchen, die im Stau nicht so schnell umfallen, oder das Spiel, das der Fahrer beim Warten mit dem Sprachassistenten spielt. 

Chancen nutzen und weiterdenken

Wenige Tage nach dem Seminar erschien die Studie Digital-Marketing-Trends 2019 von Absolit, die untersuchte, mit welchen Trends die deutschen Unternehmen sich im Laufe des Jahres befassen wollen. Darin zeigt sich, dass KI und Sprachassistenten bislang kaum im Mittelstand wahrgenommen werden. Für die ganz Gewitzten besteht also gerade eine große Chance, mit ihren Ideen voranzumarschieren. Ganz oben auf der Agenda der Unternehmer stehen derweil Content-Marketing und Social Media. Also Achtung – hier wird die Luft bereits dünn. 

Weiter geht’s mit SEO und Social

Wer erst einmal in Sachen Sichtbarkeit und Social weitermachen will, dem seien unsere neuen Veranstaltungsreihen anempfohlen. Am 21. März geht es los mit dem ersten Seminar SEO 2019 in der IHK Frankfurt. Den Auftakt zum Thema Social gibt unser Facebook-Seminar am 8. Mai in IHK Fulda. Bis dann!

Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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