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Digitale Trends im Mittelstand: Interview mit Dr. Michael Klein, Juror des Hessischen Website Awards 2015

02 Sep

(02.09.2015) Dr. Michael Klein ist langjähriger Leiter des Instituts für Neue Medien, Berater und Projektkoordinator großer Onlineportale und zahlreicher Forschungsprojekte, in denen er sich mit der Evolution digitaler Technologien befasst. Er war schon viele Male als Juror beim Hessischen Website Award dabei. Anlässlich des Awards 2015 beantwortet er heute unsere Fragen darüber, wie es mit der digitalen Entwicklung im hessischen Mittelstand vorangeht und wie die perfekte KMU-Website im Jahr 2020 aussehen wird. (an)

Portraibild von Dr. Michael Klein, Juror Hessischer Website Award 2015

BIEG: Sie befassen sich mit den digitalen Trends und der Frage, was als nächstes kommt. In der Vergangenheit waren Sie schon mehrfach Juror beim Hessischen Website Award. Sind denn die hessischen Unternehmen digital schon in der Zukunft angekommen? Oder leben sie mit ihren Websites noch in der Vergangenheit? Hält der hessische Mittelstand mit den Entwicklungen Schritt?

Michael Klein: „Digitalisierung“ ist das entscheidende Stichwort. Der Grad der Digitalisierung nicht nur im Marketing sondern in alle Dienstleistungs- und Produktionsprozessen innerhalb und außerhalb eines Unternehmens, kurz in allen Wertschöpfungsprozessen, ist das kritische Maß für die Zukunftsfähigkeit (nicht nur) des Mittelstands.

Hier fühle ich mich leider an die Mitte der 90er Jahre erinnert, als wir wohlmeinend berieten: „Beschäftigt euch mit dem Internet“ oder „Ihr müsst ins Internet“ und die ratlose Antwort „Warum?“ bekamen. Dass man eine zeitgemäße Internetpräsenz haben sollte, und wie man diese erstellt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch die Entwicklungstakte und die Änderungen des Nutzerverhaltens in der Online- respektive digitalen Welt sind sehr rasant. Präsenz und Onlineshop im Internet sind zukünftig nicht mehr alleine erfolgsentscheidend. Die Digitalisierung bietet Chancen, neben dem Vertrieb vor allem auch in der Produktion und Prozessoptimierung. Hier gilt es die eigene Trägheit zu überwinden, die eigenen Optionen auszuloten und sich natürlich der möglichen Risiken bewusst zu sein.

BIEG: Was können insbesondere kleine Unternehmen – mit ihren begrenzten Budgets und Ressourcen – tun, um online mit den Großen mitzuhalten? Wie kann eine Website aus der Masse hervorstechen?

Michael Klein: Man sollte zwar nicht jeden Trend unhinterfragt mitmachen, doch man sollte immer zum eigenen Nutzen aktiv entscheiden, ob man davon profitieren kann oder nicht. Und man darf,  muss manchmal auch, mutig sein, wenn man sich auf neue Technologien und Kanäle einlässt. Um aus der Masse hervorzustechen, reicht es nicht mehr, seine Außendarstellung nur gut zu gestalten. Es kommt darauf an, auf den online Kanälen aktiv zu sein, wo die eigenen Nutzer unterwegs sind. Die eigene Webseite ist Drehscheibe der Kommunikation und Interaktion mit den Kunden, Dienstleistern und dem Markt. Authentizität der Darstellung, Aktualität der Angebote, zeitnahe und intensive Betreuung der Kundenkommunikation verlangen einen wohl geplanten Ressourceneinsatz. 

BIEG: E-Commerce-Betreiber verkaufen nicht nur im eigenen Onlineshop, sondern auch auf Online-Marktplätzen. Unternehmen betreiben Facebook Pages, networken auf XING und schalten Landing Pages für ihre AdWords Kampagnen. Verliert die eigene Unternehmenswebsite also an Bedeutung für das Marketing?

Michael Klein: Die eigene Webseite ist der Anker und Knoten aller Online-Präsenzen. Sie hat die Vorteile, auch alle zukünftigen Online-Entwicklungen integrieren zu können und sie steht grundsätzlich unter eigener Kontrolle. Die eigene Webseite gibt jedem Anbieter die Möglichkeit, bei der Gestaltung, der Einbindung von Funktionalitäten und bei der Integration eigener Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse nach eigenen Schwerpunkten und Interessen zu entscheiden. Man sollte die Hoheit über seine eigene Außendarstellung und die zu betreibenden Kommunikations- und Transaktionswege nicht leichtfertig an globale Plattformen oder Player abtreten. Die haben eigene wirtschaftliche Interessen und fragen in der Regel ihre Nutzer nicht nach deren Interessen, bevor sie Änderungen umsetzen.

BIEG: Das Jahr ist 2020 und Sie sind erneut Juror beim Hessischen Website Award. Wie könnte die Website eines Siegers aussehen? Wie wird man in fünf Jahren online punkten?

Michael Klein: Responsiv, also „state of the art“ für alle Nutzeroberflächen vor allem für mobile Plattformen, sollte die eigene Webseite eigentlich heute schon sein, im Jahre 2020 erst recht. Sicherlich sollte sie bewegt oder bewegend sein und intensiven Gebrauch von Videos und Animationen, vielleicht auch Spielen machen. Wo es zum eigenen Produkt oder zum eigenen Service passt, wird sie Interaktionen zur „virtual reality“ (VR) oder „augmented reality“ (AR) anbieten. Auch im Jahr 2020 wird es für die Nutzer immer noch von entscheidender Bedeutung sein, dass die Inhalte aktuell und attraktiv aufbereitet sind und vor allem, dass auf jedem angebotenen Kontaktweg zeitnah reagiert und ergebnisorientiert beraten wird.

BIEG: Vielen Dank!

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Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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