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iBeacons - Wunderwaffe oder mobiler Hype? Interview mit Alexander Süßel

11 Nov

(11.11.2014) iBeacons sind das aktuell heißeste Mobile-Business-Thema. Die kleinen Funksender sollen Smartphone-Besitzern den Weg weisen, ihnen Coupons schicken oder Zahlungen abwickeln. Welche Chancen, aber auch Risiken bietet die Technik? Der Mobile-Couponing-Experte Alexander Süßel, AS auf Zeit, sprach im Interview mit uns darüber.

BIEG: iBeacons sind 2014 das Mobile Marketing Buzzword. Sie sollen den stationären Handel revolutionieren. Wie beurteilen Sie diese neuartige Technologie: Wunderwaffe oder doch eher mobiler Hype?

Alexander Süßel: Aktuell ist diese Frage noch nicht eindeutig zu beantworten. Was wir aber sehen, ist, mit iBeacon startet die neue Welt des Internets der Dinge. Devices (engl.  Geräte) werden mit anderen Devices vernetzt und unterstützen den Smartphone-Besitzer oder Wearable-User (engl.  Benutzer tragbarer Datenverarbeitung) an seinem aktuellen Standort. Bei dieser innovativen Thematik stehen wir noch ganz am Anfang der Evolutionsstufe. Wird iBeacon richtig eingesetzt, dann ist es sicherlich eine neue Wunderwaffe. Endlich können relevante Mehrwertinformationen personalisiert an den Nutzer vor Ort gebracht werden und nicht nur Outdoor sondern auch an jedem Indoor-Standort. Diese letzte Lücke zwischen On- und Offline kann mittels iBeacon geschlossen werden.

Betrachten wir uns aktuell die Benutzerlandschaft, so ist festzustellen, dass das Smartphone immer und überall dabei ist. Es hat viel Kontext über seinen Nutzer gespeichert. Nur leider ist das Smartphone oftmals blind, d.h. es weiß nicht, welche relevanten Informationen aktuell in den Kontext passen. Fehlende exakte Ortung ist hierbei die größte Barriere. Diese Hürde kann nun mittels iBeacon kostengünstig und effizient übersprungen werden.

BIEG: Welche Einsatzmöglichkeiten ergeben sich für Unternehmen in der Praxis?

Alexander Süßel: Meistens wird als erste Einsatzmöglichkeit an Werbebotschaften gedacht. Also eine Coupon-Benachrichtigung hier, ein Angebot dort. Aber hat der User darauf gewartet, einen weiteren Werbekanal anzuzapfen? Ein ganz klares Nein. Wichtiger ist es, dem Benutzer Service zu bieten, und hier fängt die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten für iBeacon an: Neben relevanten Mehrwertinformationen vor Ort und der Navigation am Standort (auch Indoor),  liefern iBeacons Erkenntnisse für das Besucherstrom-Management sowie weitere Analysedaten zur Optimierung von Produktionsprozessen.

Aktuell werden in vielen Branchen Einsatzszenarien bzw. Pilotprojekte entwickelt und umgesetzt. Weit vorn sind hierbei der Handel, der Messe- und Eventsektor, Personenbeförderungsunternehmen sowie Museen. Zunehmend setzen Unternehmen diese Technologie ein für Inhouse-Prozesse, wie z.B. Arbeitszeiterfassung, Raumbuchung oder Besuchermanagement.

BIEG: Die Technik bietet großes Potential für Werber und Shops. Wo sehen Sie die Risiken, die die neue iBeacon-Technologie mit sich bringen könnte?

Alexander Süßel: Wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten. Das größte Risiko liegt in fehlenden Konzepten zum richtigen und Mehrwert stiftenden Einsatz aus Nutzersicht. Was meine ich damit? Viele Erstkonzepte sind auf inflationär zu versendende Werbenachrichten ausgerichtet. Somit können sie auch als Spam-Konzepte eingestuft werden.  Bereits bei der Konzepterstellung werden die Weichen für den Erfolg von iBeacon Maßnahmen gestellt. Und der Kunde liebt es, wenn er im Fokus der Konzepte steht. Also fragen Sie sich immer zuerst: Was für einen Nutzen kann ich meinem Kunden vor Ort bieten? Wo kann ich meinen Kunden unterstützen bzw. mittels Serviceangebot ein verbessertes Einkaufserlebnis bieten?

Eine weitere Herausforderung ist die fehlende Aufklärung dieser Technik. Aktuell muss das Thema zunächst in den Köpfen der Marketingstrategen ankommen. Ich schätze, dass wir in den kommenden Jahren eine explosionsartige Ausbreitung der iBeacon-Installationen auch in Deutschland sehen werden. Aber Innovationen brauchen ihre Zeit, um wahrgenommen und akzeptiert zu werden.

Über Alexander Süßel

Alexander Süßel ist als Consultant im Bereich Neue Medien tätig. Vor allem die Themen Mobile Business und Social Business gehören zu seiner Kernkompetenz.  Am 4. Dezember 2014 spricht er bei der Veranstaltung Regionales Online-Marketing in der IHK Frankfurt am Main über das Thema "iBeacons".

 

Das Interview führte Uta Nübl.

Autor

Uta Nübl
Referentin

Uta Nübl ist seit 2013 als Referentin beim BIEG Hessen tätig und berät Unternehmen insbesondere in den Bereichen Website-Konzeption und Social-Media-Marketing. Zuvor war die gelernte Diplom-Betriebswirtin mehrere Jahre im Tourismusmarketing tätig.

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