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Lokal ist Trumpf! Mehr Sichtbarkeit mit standortbezogenen Online-Diensten

18 Sep

(18.09.2014) Die Marketingexpertin Ulrike Katz, justZARGES, sprach mit uns im Interview über die Chancen von standortbezogenen Online-Diensten: ein Trend, der mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones weiter an Bedeutung gewinnen wird. Damit verlagert sich die Mund-zu-Mund-Propaganda zunehmend ins Social Web.

BIEG Hessen: Wo sehen Sie die Vorteile von standortbezogenen Diensten und warum gewinnen diese Dienste zunehmend an Bedeutung?

Ulrike Katz: Standortbezogene Dienste - auch Location-based Services genannt - wie zum Beispiel Facebook Places oder Yelp sind in der Tourismusbranche, aber auch im Einzelhandel, ein interessantes Marketinginstrument. Da sie noch nicht häufig von Unternehmen in Deutschland eingesetzt und genutzt werden, ist die Chance, sich von seinen lokalen Wettbewerbern abzuheben, momentan noch sehr groß.

Standortbezogene Plattformen wie z.B. die App Foursquare helfen potentiellen Kunden, Orte und Geschäfte zu entdecken und sie kennenzulernen. Mittels Smartphone und dem eingebauten GPS-Signal kann ein Kunde seinen Standort der App mitteilen und bekommt auf Basis verschiedener Kriterien die zu ihm passenden Orte angezeigt. So merkt sich die App zum Beispiel, welche Orte demjenigen gefallen haben und gut bewertet wurden oder schlägt Orte vor, die den eigenen Freunden gefallen haben. Hier spielt der soziale Faktor eine große Rolle. Als Nutzer sieht man, was Freunden und Familie gefällt, und das wiederum vermittelt Vertrauen. Es findet also vermehrt eine Verlagerung von der offline „Mund-zu-Mund-Propaganda“ ins Social Web statt.

Für Unternehmen bieten standortbezogene Plattformen die Möglichkeit, sich mit geringem Aufwand und oftmals kostenfrei einer großen Anzahl von Menschen zu präsentieren. So können stationäre Einzelhändler sich und ihr Angebot oder ihre Dienstleistung vorstellen, wenn ein potentieller Kunde in der Nähe ist und über sein Smartphone danach sucht. Diese Möglichkeit hätten Kunden ohne Location-based Services nicht. Da die Nutzung von Smartphones in den letzten Jahren stark gestiegen und damit die Informationsbeschaffung auch von unterwegs bequem möglich ist, werden standortbezogene Dienste weiter stark wachsen. Unternehmen müssen also reagieren.

BIEG Hessen: Facebook Places, Google Local, Yelp oder regionale Apps - standortbezogene Dienste gibt es inzwischen so einige im Netz. Welche Plattformen eignen sich besonders für Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel? Und was sollten Unternehmen bei der Ausgestaltung ihrer Profile beachten?  

Facebook ist die Plattform mit der größten Reichweite in Deutschland. Dort gibt es die sogenannten Facebook Places, in die ein Kunde virtuell einchecken kann. Er teilt dann seinem sozialen Umfeld mit, wo er sich aufhält, eventuell auch wie es ihm dort gefällt und lädt vielleicht auch ein Foto dazu hoch - das ist kostenfreies „Word-of-mouth“-Marketing für ein Unternehmen! Mein Tipp ist: Die Facebook-Seite sollte als Place (Ort) angelegt werden, um Gästen und Kunden die Chance zu geben, dort einzuchecken. Unternehmen sollten ihre Kunden vor Ort bitten, bei ihrem "Place" einzuchecken. Das wiederum erhöht die Sichtbarkeit eines Unternehmens im Freundeskreis des Eincheckenden und könnte dann im Idealfall zu neuen Kunden führen. Ein Facebook-Nutzer hat durchschnittlich 340 Freunde – da gibt es also ein großes Potential!

Viele Nutzer informieren sich mithilfe von Diensten wie Yelp über Restaurants, Cafés oder Bars. Hier steht die Bewertung im Vordergrund. Wenn ein Nutzer ein schlecht und ein gut bewertetes Unternehmen nebeneinander sieht, wird er sich für das gut Bewertete entscheiden. Ein Unternehmen muss regelmäßig die eingehenden Bewertungen checken und beantworten. Denn die meisten Unternehmen sind bereits ein Teil von standortbezogene Diensten, ohne es zu wissen. Daher mein Tipp: Unternehmen sollten schauen, was bereits über sie gesprochen wurde und darauf eingehen. Zudem sollten Kunden und Gäste animiert werden, authentische Fotos hochzuladen. Diese Fotos vermitteln Vertrauen gegenüber „Neu-Suchern“.

Wichtig, um im Netz überhaupt gefunden zu werden, ist Google Plus Local. Das sind die ehemaligen Google Places, die nun in Google Plus, aber auch weiterhin in der normalen Google-Suche angezeigt werden. Da Google oftmals die erste Anlaufstelle ist, wenn jemand etwas sucht, muss ein Unternehmen hier präsent sein. Mein Tipp: Das Profil sollte mit allen relevanten Daten wie Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten usw. gepflegt und immer auf dem aktuellen Stand sein. Versuchen Sie, Bewertungen auf Google zu generieren, da sie Ihren Eintrag „sichtbarer“ in der Google Suche machen.

BIEG Hessen: Standortbezogene Dienste sorgen mit ihren Kundenbewertungen für mehr Transparenz im Netz. Allerdings sind diese Bewertungen nicht immer objektiv. Wie sollten Unternehmen auf negative Kundenbewertungen reagieren? Und wie lassen sich generell Kundenbewertungen generieren?

Wichtig ist, dass ein Unternehmen weiß, was über es gesprochen wird. Daher sollten die relevanten Plattformen für das Unternehmen mindestens einmal wöchentlich überprüft werden. Erhält ein Unternehmen eine negative Bewertung, sollte es diese neutral bewerten, um nachzuvollziehen, ob die Kritik berechtigt ist. In vielen Fällen sind Bewertungen gar nicht so kritisch wie häufig von Unternehmen wahrgenommen, und zu einem Bewertungsprofil gehören vereinzelt auch ein paar kritischere Stimmen, da Menschen eine unterschiedliche Wahrnehmung haben.

Sollte dennoch eine nicht gerechtfertigte Bewertung online sein, kann über manche Plattformen Kontakt zum Schreibenden aufgenommen werden. Es sollte das Gespräch gesucht werden, um die Situation zu klären. Sollte es sich um eine Fake-Bewertung handeln, kann auf vielen Plattformen der Betreiber der Seite informiert werden.

Bewertungen lassen sich am besten zuerst von Stammgästen und -kunden generieren. Diese Kunden sollten aktiv angesprochen werden. Weitere Möglichkeiten sind Hinweise auf Speisekarten, Flyern, bei der Verabschiedung an der Kassen, auf Rechnungen etc.

 

Das Interview führte Uta Nübl.

Ulrike Katz ist stellvertretende Geschäftsführerin der Marketing- und Kommunikationsagentur justZARGES in Neu-Isenburg. Am 17. Oktober 2014 spricht sie zum Thema "Lokal ist Trumpf! Standortbezogene Online-Dienste für Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel" in der IHK Frankfurt am Main. Mehr erfahren!

Autor

Uta Nübl
Referentin

Uta Nübl ist seit 2013 als Referentin beim BIEG Hessen tätig und berät Unternehmen insbesondere in den Bereichen Website-Konzeption und Social-Media-Marketing. Zuvor war die gelernte Diplom-Betriebswirtin mehrere Jahre im Tourismusmarketing tätig.

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