Sie sind hier:

Online-Marketing-Trends: Am Anfang war der Furz

12 Feb

Ja, Sie haben richtig gelesen, es begann mit einem Furz. Zumindest werden wir dies in 10 Jahren behaupten, wenn jedes elektronische Gerät einen eigenen Sprachassistenten besitzt. Denn aktuell steht der "Pups-Generator" mit fast 100.000 Bewertungen auf Platz eins der Top Skills von Amazons Alexa. Und wirft dabei kein gutes Licht auf das Thema Voice und dessen Relevanz fürs Business. Aber so war das auch am Anfang beim Thema Apps, erklärt Maik Metzen, Voice-Fachmann und Geschäftsführer der auf Voice und intelligente Assistenten spezialisierten Beyto GmbH. Die beliebtesten Apps waren zu Beginn ebenfalls solche, die Furzgeräusche machten, Luftpolsterfolie imitierten oder den Bildschirm in ein Bierglas verwandelten, in dem der Schaum hin und her schwappte. Das ist jetzt erst 10 bis 11 Jahre her.

Doch nochmal zwei Schritte zurück: In der wunderschönen Gutsschänke Neuhof bei Dreieich kamen am 30. Januar rund 60 Unternehmer zusammen, um sich über wichtige Trends im Online-Marketing zu informieren und auszutauschen. Auf dem Tablett standen dieses Jahr folgende Themen:

Bild: Bier / BIEG

Keine Emotion bleibt mehr verborgen

„Wir stehen heute vor einem dramatischen Wandel in der Kommunikation“, gab Gabriele Horcher, Kommunikationsexpertin und geschäftsführende Gesellschafterin der Möller Horcher Public Relations GmbH aus Offenbach zu bedenken. Schuld daran ist Horcher zufolge die künstliche Intelligenz. Es sei schon fast Normalität, dass wir mit unseren Programmen und Devices in natürlicher Sprache kommunizieren und sie damit steuern können. Doch schon bald könne künstliche Intelligenz nicht nur Sprache, sondern auch Stimme, Mimik und Gestik oder andere Körpersignale wie Herzschlag und Atmung analysieren. Und das schneller und treffsicherer, als wir Menschen es schaffen! Keine Emotion bleibt mehr verborgen. Je nach Gefühlslage ließen sich so passende Produkte oder Dienstleistungen anbieten.

Künstliche Intelligenz findet sich vor allem in digitalen Assistenten wieder. Zum Beispiel sei Google Duplex (Künstliche Intelligenz für Anrufe) in den USA bereits in 43 Bundesstaaten im Einsatz. Doch laut Horcher brauchen wir gar nicht über den großen Teich schauen: Alexa und auch Alexa for Business verändern auch bei uns schon das Einkaufsverhalten. In der Zukunft wird KI mit KI kommunizieren und benötige dabei keine schöne Website und kein psychologischen Tricks, sondern nur Daten, Zahlen und Fakten. Falls Sie diese Aussicht beunruhigt, rät Frau Horcher: „Beschäftigen Sie sich damit, was Ihnen Angst macht, dann verliert die Angst ihre Macht.“

Sind Sie schon instagrammable?

Nach welchen Kriterien planen junge Leute der Generation Z ihren Urlaub? Nach den Sehenswürdigkeiten? Danach, ob es günstigen Alkohol gibt? Beides richtig. Aber noch viel wichtiger ist, wie gut sich der Urlaubsort auf Instagram präsentieren lässt, inwieweit er „instagrammable“ ist, erklärt Lorenz Schlotter, Wirtschaftssoziologe und Business Trainer aus Augsburg. Influencer-Marketing ist ihm zufolge ein Weg, um einen Zugang zur GenZ zu finden. Denn Influencer, ob auf YouTube oder auf Instagram sehe man täglich und baue so eine Beziehung mit Vertrauen auf. In der Psychologie heißt dieser Effekt „mere exposure“ – die wiederholte Wahrnehmung hat eine positivere Bewertung zur Folge.

Doch wie sind die Jugendlichen von heute überhaupt geprägt? Die GenZ - also Ihre Kunden von morgen – sind stark moralisch, gerechtigkeitsorientiert, und Werte wie Nachhaltigkeit oder ökologische Verträglichkeit spielen eine große Rolle. Bei der Beurteilung von Produkten gehe es vordergründig nicht mehr um Nutzen und Emotionen, sondern um den Sinn für die Welt und die Gesellschaft. Der Vertrauensaufbau zu dieser Generation sei aufgrund der Reizüberflutung schwierig, schnell würden hinter Aussagen Fake News vermutet.

Bild: Bier / BIEG
Bild: Bier / BIEG

Automatisierung in der Werbung

Programmatic Advertising ist kein Hype, sondern Realität, erklärt Boris Meixner, Berater für Digitale Transformation und Digital Marketing aus Frankfurt. Immerhin werden rund 80 Prozent der Werbefläche in Deutschland programmatisch gehandelt – d.h. digitale Werbefläche in Echtzeit automatisch eingekauft. In Deutschland entspricht das rund 3 Milliarden Euro Werbeausgaben für Programmatic Advertising.

Wie es funktioniert?

1. Der User besucht eine Website
2. Der Webseitenbetreiber bietet den Werbeplatz zum Verkauf an via (meistens) Versteigerung
3. Die Werbetreibenden bewerten den Werbeplatz (Daten) und bieten ggf. darauf
4. Auktionierung aller Angebote und Zuschlag an einen Werbetreibenden
5. Ad Server liefert die geeignete Anzeige aus

Zwar sei Programmatic ein Marketinginstrument, das dauerhaft genutzt werden sollte. Aber kleine Unternehmen könnten durchaus mit 200 Euro starten und testen. Ein Dorn im Auge der Vermarkter ist laut Meixner ist die drohende „Abschaffung der Cookies“ durch die Browserhersteller. So könne die Zielgruppe nicht mehr auf Cookie-Basis eingekauft werden. Und auch die (geschlossenen) Ökosysteme wie Facebook, Amazon und Google seien eine Herausforderung, da der User nur innerhalb dieser Plattformen identifiziert und angesprochen werden kann. Im Ausblick sieht Meixner eine noch weiter steigende Relevanz, gerade auch deswegen, weil neue Kanäle wie Connected TV, Streaming-Formate und Außenwerbung dazu kämen. Meixners Empfehlung: Machen und Lernen.

 

Sprachsteuerung in jedem Gerät

„In 10 Jahren, das garantiere ich Ihnen, werden Sprachassistenten in jedem elektronischen Gerät integriert sein“, prophezeit Voice-Experte Maik Metzen, der vierte Speaker des Abends. Aktuell sei das Thema Voice in vielen Unternehmen noch sehr weit weg, weil sie erst einmal andere Hausaufgaben machen müssten. Aber wir befinden uns auch erst noch am Anfang. Der Smartspeaker-Umsatz soll in den nächsten Jahren von 4,4 Milliarden Dollar (2017) auf 17,4 Milliarden Dollar (2022) anwachsen. Das Potenzial sei riesig und laut Peter Altmaier handle es sich um „die größte Basisinnovation seit Erfindung der Dampfmaschine“. Nicht zu unterschätzen seien die hohen Reichweiten der am Markt verfügbaren Systeme:

  • Alexa (Amazon): 100 Millionen (Echos)
  • Google Assistant: 1 Milliarde (Android-Geräte)
  • Siri (Apple): 500 Millionen
  • Cortana (Microsoft): 500 Millionen
  • Bixby (Samsung): 500 Millionen


Was „früher“ die Apps auf den Smartphones waren, sind jetzt die sprachgesteuerten Actions bzw. Skills der Smartspeaker. Das sind die Voice-Applikationen, die Unternehmen für die Plattformen bauen können. Derzeit würden Smart Speaker vor allem mit ganz einfachen Befehlen genutzt, um beispielsweise Streaming Sevices zu benutzen („Alexa, spiele Musik von…“), zur Smart-Home-Steuerung („Alexa, mach mal das Licht an!“) oder um Fragen zu stellen („Alexa, wie wird das Wetter morgen?“).

Was erwartet uns in der Zukunft? Das Thema Shopping wird nur mit Sprache allein nicht mehr funktionieren. Hier müsse mit weiteren technischen Iterationen und Innovationen gerechnet werden. Am Ende des Tages wird es laut Maik Matzen darauf hinauslaufen, dass wir eine Uhr, einen kleinen Beamer oder irgendeinen anderen Second Screen haben, über den wir mit Sprachsteuerung einkaufen.


Wenn Sie unser Nachbericht auf weitere Suchmaschinentrends neugierig gemacht hat, melden Sie sich zu unserem großen SEO-Wissens-Update am 14. Mai in der IHK Offenbach an, solange noch Plätze frei sind!


Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit 15 Jahren berate ich Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. Meine thematischen Schwerpunkte sind Online-Marketing, E-Commerce und Social Media. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Archiv

Der BIEG Newsletter

Immer auf dem Laufenden bleiben Sie mit unserem monatlichen Newsletter. Wir informieren Sie über aktuelle Veranstaltungen und unsere neuesten Leitfäden!