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Von Virtual Reality bis Influencer Marketing: Internet-Trends 2018

06 Feb
Bild: geralt - pixabay



(06.02.2018) Kennen Sie den Blockbuster Matrix mit Keanu Reeves? Ein Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1999. Dort leben die Menschen in einer virtuellen Ersatzrealität, die sich „echt“ anzufühlen scheint – dank modernster Verkabelung von Kopf und Körper...

Schauen wir uns die Entwicklungen der heutigen VR-Brillen an, könnte das ein erster Schritt in diese Richtung sein, oder?

Tatsächlich wird dieses Endzeitszenario als eine Vision im Silicon Valley formuliert. Dennoch sollten wir das Thema etwas bodenständiger betrachten, empfiehlt Matthias Bastian, Herausgeber des Online-Magazins VRODO.de. Bastian ist einer von sechs Referenten, die auf der Veranstaltung „Internet-Trends 2018“ über eben solche sprachen. Die Veranstaltung wurde vom BIEG organisiert und findet traditionell jeweils im Januar statt. Auch dieses Jahr war die Resonanz groß, die 70 Plätze der Schlossschenke Heusenstamm waren schnell vergeben.

1. Virtuelle Realität

Bild: Tannreuther

Erstes Thema des Abends war der besagte Ausflug in die Welten von Matrix & Co., alias Virtuelle Realität. Im Gegensatz zu dem Film ginge es aber erst einmal nicht darum, eine Ersatzrealität zu schaffen, sondern um ein neues Computer-Interface, das den Umgang mit digitalen Inhalten aufwertet. Denn laut Bastian wünscht sich der Mensch Computersysteme, die ihn als sinnlich wahrnehmendes Wesen ernstnehmen, die näher dran sind am Menschsein, an der Art und Weise, wie wir unsere Umwelt erfahren, die das Digitale als Ort erfahr- und verstehbar machen. Wenn ich 2025 aus dem Büro nach Hause komme, dann möchte ich mich nicht über Verspannungen beklagen, sondern mich so fühlen, als sei ich einen Tag lang durch meine Arbeit spaziert. Mit Virtual Reality verlassen Inhalte erstmals das Medium. Sie werden dreidimensional, räumlich und haptisch. Bastian erklärt: „Wir erleben die digitalen Inhalte dann mit allen Sinnen, ähnlich wie im echten Leben.“

Am Ende seines Vortrags wirft Bastian eine Timeline mit Prognose zur Entwicklung von Virtual Reality an die Wand. Ab 2040 heißt es dort: „Kein Unterschied mehr zwischen bekannter und digitaler Realität.“ Also doch Endzeitszenario á la Matrix?

2. Virtuelle Assistenten

Im nächsten Trend ging es um „Virtuelle Assistenten“ wie Siri, Alexa & Co, vorgetragen von Dr. Michael Klein, Direktor des Instituts für Neue Medien (INM). Noch stellen sie nur Wecker, spielen Musik ab oder lesen Wetterberichte vor. Doch das Potenzial von Sprachassistenten ist in aller Munde, erklärte Dr. Klein. Zwar hätten virtuelle Assistenten einen hohen Bekanntheitsgrad und es gebe viel Interesse, doch die Verbreitung sei bislang eher gering. Zukünftig gehe die Entwicklung vom One-Shot-Modell für einfache Fragen und Befehle jedoch hin zu einem mehrstufigen Dialog-Modell, das auch komplexere Aufgaben bewältige.

3. Blockchain

Was es mit der Blockchain-Technologie auf sich hat, erklärte Christian Breitung (Breitung IT) und identifiziert das Thema gleich zu Beginn als disruptive Technologie, die das Potenzial hat, unsere Welt zu verändern. Deren Möglichkeiten würden unsere Vorstellungskraft derzeit noch übersteigen. Blockchain, das ist ein dezentrales System, bestehend aus einer Datenbank, die sich aus Blöcken zusammensetzt und über mehrere Computer verteilt. Sie ist ein laufend aktualisiertes, chronologisch geordnetes und öffentlich einsehbares Register über Besitzverhältnisse und Transaktionen. Dabei gewähren kryptografische Prinzipien eine rückwirkende Unveränderbarkeit der Daten. Laut Breitung investierten bereits mehr als 24 Länder in diese Technologie und ca. 80 Prozent aller Banken haben vergangenes Jahr Projekte in diesem Bereich gestartet. Anwendungsszenarien gebe es eine ganze Reihe: von der Optimierung internationaler Zahlungen in der Finanzbranche über Mikrotransaktionen im Energiesektor bis hin zur Integritätsprüfung von Dokumenten im öffentlichen Sektor. Mit Sicherheit werden wir über dieses Thema in Zukunft noch viel hören.

4. Growth Hacking

Bild: BIEG Hessen

Ein weiteres Buzzword erobert den Online-Marketing-Sprech: Growth Hacking. Was steckt dahinter? Zuerst einmal geht es dabei vor allem um eins: um Wachstum! Von Website-Besuchern über Follower bis hin zu Käufern. Um Wachstum zu erzielen, gebe es laut Tomas Herzberger, Digital Marketing Consultant aus Frankfurt, eine Reihe sogenannter psychologischen Hacks. Als Beispiel nennt er seine letzte Hotelbuchung und untersucht all diejenigen Elemente, die den Besucher zu einer Buchung „treiben“: 44 Prozent der Besucher haben gebucht, von 470 Unterkünften sind 125 Schnäppchen, weltweiter Bestseller, für Sie empfohlen, Bewertung 5.8, in den letzten 24 Stunden 319-mal gebucht. Angesprochen werde durch solche „Tricks“ vor allem der Herdentrieb der Menschen: 100 Schafe können nicht irren. Zudem nutze der Betreiber dieser Buchungsseite das ökonomische Prinzip „Ein knappes Gut ist wertvoll“. Also doch eher alter Wein in neuen Schläuchen?

5. Influencer Marketing

Bild: BIEG Hessen

Werbung ist out – Influencer sind in, könnte ich den Vortrag von Patrick Meier, Inhaber von Meiersonline Publishing, zusammenfassen. Schließlich genießen Influencer Reichweiten, von den so manch klassische Werbekampagne träumt. Auch ist die Glaubwürdigkeit eine andere: Ein Influencer ist erst einmal ein Konsument wie du und ich. Das Unternehmen hingegen hat das ultimative Ziel, seine Ware unbedingt verkaufen zu wollen. Influencer sind Menschen, die viele Follower haben, denen Menschen vertrauen und deren Meinungen geachten werden. Und die Leute kaufen, was Influencer empfehlen, weil sie glauben, sie werden dann so wie der Influencer, erklärt Meier. Wie wichtig Influencer Marketing im Marketing-Mix sein kann, zeigt das Beispiel des Kamera-Herstellers Olympus. Fast 100 Prozent des Marketing-Budgets werden von ihm in Influencer-Marketing gesteckt! Dabei bewegen sich die Kosten für ein Posting auf Blogs oder Instagram je nach Bekanntheitsgrad des Influencers zwischen 250 und 5.000 Euro. Meier rät den Unternehmen, bei der Wahl des Influencers genau zu schauen, wie glaubwürdig er in der jeweiligen Zielgruppe ist. Auch sei es wichtig zu überprüfen, wie viele seiner Postings werblich seien und welche Themen der Blogger/Youtuber etc. insgesamt abdecke.

6. Messenger Marketing

Wie Sie „in die Hose Ihrer Kunden“ gelangen, zeigte am späten Abend Dennis Tröger, Digital Marketing Strategist aus Mainz. Ok, er stellte erst einmal klar, dass er dies nicht so meinte, wie Sie glauben. ;-) Vielmehr bezog er es auf die Smartphones, von denen sich 95 Prozent der Menschen nie weiter als 5 Meter entfernten und die sich in der Regel in der Hosentasche befinden. Ziel eines jeden Marketers sei es, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Dafür sei die 1:1 Kommunikation im Messenger Marketing ideal. Schließlich habe so gut wie jeder mindestens eine Instant-Messenger-App installiert und sei damit gut erreichbar. Umfragen zufolge hätten Messenger bereits anderen Social-Media-Plattformen den Rang abzulaufen: Die Nutzerzahlen dieser Dienste überflügeln locker diejenigen der klassischen Social Media-Plattformen. Die Communities ziehen zu WhatsApp, Instagram, Snapchat & Co. Es gebe also gute Gründe, Messenger Marketing zukünftig in den eigenen Marketing-Mix zu integrieren.

Dank an unsere Referenten! (Bild: BIEG Hessen)


Das war unsere Veranstaltung "Internettrends 2018"! Als nächstes geht es bei uns weiter mit den Themen Onlinerecht (21. Februar 2018 in Frankfurt), digitale Sichtbarkeit (26. April in Frankfurt) und Facebook Marketing (17. Mai in Hanau). Bis dann!



Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit über 10 Jahren berate ich kleine und mittlere Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. In den bislang knapp 1.500 Beratungsfällen lag der thematische Schwerpunkt bei Onlinemarketing-Strategien und Website-Konzepten. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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