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Recht im E-Mail-Marketing: Interview mit IT-Anwalt Martin Rätze

04 Okt

(04.10.2017) E-Mail-Marketing – trotz Social Media und Google immer noch einer der erfolgreichsten Kanäle, wenn es um Kundenkommunikation geht. Das BIEG im Interview mit Experten.

Dipl.-Wirtschaftsjurist Martin Rätze ist Teamleiter Legal Experts der Trusted Shops GmbH und für die Länder DE, AT und CH zuständig. Er ist Blogger und leitender Redakteur im www.shopbetreiber-blog.de und berichtet regelmäßig über die aktuelle Rechtsprechung zum E-Commerce in Fachzeitschriften und auf Vorträgen, so beispielsweise auf unserem E-Mail-Marketing Day.

 

 

BIEG: Herr Rätze, jeden Tag schreibe ich an Kunden, Kollegen und Interessenten zahlreiche E-Mails. Was genau fällt eigentlich dabei eigentlich alles unter „E-Mail-Marketing“?

MR: Jede Art der werblichen E-Mail zählt darunter. Werbung ist dabei jede Form der Kommunikation, die mittelbar oder unmittelbar der Förderung des Absatzes von Waren oder Dienstleistungen dient – und zwar sowohl eigenen Waren oder Dienstleistungen wie auch denen von anderen Unternehmen. Dazu gehört auch bloße Aufmerksamkeitswerbung, wie z.B. ein Gruß zu Ostern per Mail. Nicht zur Werbung dagegen gehört beispielsweise die Bestellbestätigung oder die Mitteilung, dass die Ware versandt wurde.

 

BIEG: Auf was sollten Unternehmen generell bei der Adress-Generierung achten? Beispielsweise beim bekannten „Visitenkartentausch“ am Ende eines Kennenlernens. Berechtigt mich die Visitenkarte automatisch zum Versand meines Newsletters?

MR: Wenn man beim Visitenkartentausch fragt, ob man zukünftig per Mail Kontakt aufnehmen kann, genügt dies ganz grundsätzlich. Da stellen sich aber zwei Probleme: Zum einen die Frage des Nachweises. Denn der Versender muss im Zweifel vor Gericht beweisen, dass der Empfänger der werblichen Mail auch eingewilligt hat.

Die zweite Frage ist: Was genau darf man nach einem solchen Visitienkartentausch versenden? Hier kommt es immer darauf an, was konkret abgesprochen wurde. Eine Aufnahme der Adresse in den wöchentlichen Newsletter dürfte wohl kaum davon erfasst sein. Eine persönliche Mail, in der man das Gespräch noch einmal kurz zusammenfasst, dagegen wohl schon.

 

BIEG: 2018 naht und damit auch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. Auf was sollten sich Unternehmen ab nächstem Jahr einstellen und wie können Sie sich darauf vorbereiten?

MR: Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bringt für alle Unternehmen große Änderungen mit sich. Unternehmen müssen all ihre Prozesse überprüfen, ob diese in Zukunft noch mit dem Recht übereinstimmen. Außerdem müssen Texte angepasst, Verfahrensverzeichnisse erstellt und Verträge mit Dienstleistern überarbeitet werden. Am besten fangen Unternehmen frühzeitig mit den Vorbereitungen an. Ab 25. Mai gilt die DSGVO. Wer da erst Anfang Mai anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist definitiv zu spät dran. Und man sollte vor Augen haben: Es drohen in Zukunft saftige Geldbußen: Die Behörden können Bußgelder in Höhe von bis zu 20 Mio. Euro oder 4 % des Weltjahresumsatzes festsetzen, je nachdem, welches der höhere Betrag ist.


BIEG: Vielen Dank!

 

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Autor

Corina Heinz
Referentin

Ich befasse mich seit 2011 mit Online-Marketing, E-Commerce und E-Mail-Marketing. Während meiner Tätigkeit als Social-Media-Account-Managerin betreute ich über 100 Projekte mit dem Schwerpunkt Facebook-Marketing und Content-Erstellung. Als Beraterin im BIEG bündele ich das Praxiswissen aus Social Media, Webdesign und zahlreichen anderen Internet-Marketing-Themen.

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