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Recht im internationalen Online-Handel – Die Checkliste für Händler

16 Feb
Bild von vernetzten Punkten auf einer Europakarte
Bild: TheAndrasBarta - Pixabay.com

(16.02.17) Immer wieder stellen uns Online-Händler Fragen zum Verkauf ins Ausland. Es beginnt meist mit der Schweiz und Österreich, dann kommt noch eine englische Sprachvariante hinzu, weil die Shopsoftware es anbietet, und schon spricht man theoretisch einen guten Teil des internationalen Marktes an. Aber ist es wirklich so einfach? Welche Fragen sollte man vor der Internationalisierung beantwortet haben?


1. Versandinformationen für alle Länder nennen

Ein Link zu diesen wichtigen Informationen sollte auf jeder Seite vorhanden sein – gerade wenn sich die Versandinformationen im FAQ- oder Hilfe-Bereich befinden. Als Versandinformationen sollten genannt werden:

  • Widerrufsbelehrung, angepasst an das jeweilige Landesrecht und die Sprache
  • Erreichbarkeit Ihres Kundenservice in der jeweiligen lokalen Zeitzone
  • Lieferzeit (beachten Sie dabei mögliche Abweichungen je nach Lieferland)
  • Ggf. Link zur Sendungsverfolgung / Tracking
  • Ggf. Garantiebedingungen und länderspezifische Besonderheiten

2. Internationale Verfügbarkeit anzeigen

Nicht alle Produkte eignen sich für den internationalen Versand. Andere sind völlig unproblematisch. Informieren Sie Ihre Besucher hierüber rechtzeitig, also bevor der Kunde ein Produkt in den Warenkorb legt.

3. Währungswechsel auf Produktseiten einbinden

Wenn Sie in ein Land verkaufen, in dem nicht in Euro gezahlt wird, wie z.B. in der Schweiz oder in Polen, sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, die Produktpreise in der Landeswährung zu nennen. Hierzu können Sie einen Währungswechsler auf der Produktseite einbauen, sodass auch ausländische Verbraucher die richtigen Preise angezeigt bekommen.

4. Gewichts- und Größenumwandlung anbieten

Nichts ist frustrierender für Ihre Besucher, als wenn Sie sich interessante Produkte gesucht und ausgewählt haben, vielleicht sogar schon ein Konto angelegt haben und erst dann erfahren müssen, dass der zunächst attraktive Preis durch zusätzliche Preisbestandteile für Lieferung, Zoll etc. plötzlich anders aussieht. Das ist nicht nur frustrierend für den Kunden, sondern verstößt auch gegen das Gesetz. Auf allen Seiten mit Warenkorb-Button muss ein Hinweis erfolgen, ob zu dem angegebenen Preis noch Versandkosten hinzukommen. Außerdem ist deren Höhe anzugeben, evtl. durch Verlinkung einer Versandkostenübersicht. Zölle und Steuern sind bereits in den angegebenen Gesamtpreis mit einzuberechnen.

Natürlich müssen die Versandkosten der Versandkostenübersicht mit den angegebenen Kosten auf der letzten Bestellseite übereinstimmen. Übrigens: Geben Sie keine Versandkosten für die Lieferung an, muss der Verbraucher auch keine bezahlen.

6. Liefergebiet einschränken

Länderauswahl-Dropdown mit zu vielen Optionen

Wenn Sie Ihre Website auch in englischer Sprache anbieten und das Liefergebiet nicht explizit beschränken, müssen Sie damit rechnen, Bestellungen aus der ganzen Welt zu erhalten. Ähnlich liegt der Fall, wenn Sie in deutscher Sprache eine unbegrenzte Länderauswahl haben bzw. Versandkosten für verschiedene Länder nennen. Ein EU-weites oder weltweites Angebot kann zu Problemen führen, denn in anderen Ländern gelten andere Rechtsordnungen, die Sie beachten müssen.

Wenn Sie sich nicht mit ausländischem Wettbewerbsrecht oder abweichendem Verbrauchervertragsrecht beschäftigen wollen, sollten Sie das Liefergebiet klar begrenzen. Auch sollte die Länderauswahl bei der Kundendatenerhebung nicht alle möglichen Länder enthalten. Wichtig: Lieferbeschränkungen, wozu auch ein begrenztes Liefergebiet gehört, müssen spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs genannt werden.

Folgende Risiken und Besonderheiten sind mit einem gezielten Vertrieb in andere Länder (sog. „aktive Website“) verbunden:

  • Wenn Sie keine Rechtswahl treffen, gilt das Recht des Landes, in dem der bestellende Verbraucher seinen Wohnsitz hat, das Sie in vielen Fällen nicht genau kennen. Dem Verbraucher kann aber auch durch eine Rechtswahl i.d.R. ein höherer nationaler Verbraucherschutzstandard nicht entzogen werden, er kann sich die jeweils günstigsten Rechte heraussuchen.
  • Der Verbraucher kann Sie bei einem gezielten Vertrieb in andere Länder immer an seinem Heimatort verklagen, denn nach Art. 17 Abs. 1 EuGVVO gilt ein besonderer Gerichtsstand für Verbraucher.

Sie sollten also entweder das Liefergebiet begrenzen oder sich von einem Fachmann über Risiken beraten lassen und das Geschäftsmodell entsprechend gestalten.

Fazit

Sie sehen, welche Fragen bei einer Internationalisierung berührt sind. Wir wollen Sie mit diesen Informationen nicht abschrecken, sondern sensibilisieren. Gerade die Verbraucherschutz-Regelungen der jeweiligen Länder sind weitgehend und im Detail sehr unterschiedlich.




Wir bedanken uns bei Martin Rätze für den Beitrag!

Weitere Rechtsinformationen finden Sie in unseren Leitfäden


Gastautor

Martin Rätze

Dipl.-Wirtschaftsjurist Martin Rätze ist Teamleiter Legal Experts der Trusted Shops GmbH und für die Länder DE, AT und CH zuständig. Er ist Blogger und leitender Redakteur im www.shopbetreiber-blog.de und berichtet regelmäßig über die aktuelle Rechtsprechung zum E-Commerce in Fachzeitschriften und auf Vorträgen.

http://www.trustedshops.de

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