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"Die Welt braucht Ihren Content nicht": Nachbericht des Social Media Days 2015

14 Jan
Foto: Jochen Müller / IHK Frankfurt am Main

(14.01.2016) Nach einer erfolgreichen Premiere in 2014 ging der Social Media Day am 2. Dezember in die zweite Runde. In spannenden Vorträgen präsentierten Experten die wichtigsten Trends und nützliche Tipps aus dem Bereich Social-Media-Marketing.

Er rührte Millionen Menschen zu Tränen - der einsame Opa im vorweihnachtlichen Edeka-Werbespot #heimkommen. Lebensmittel spielten in dem Clip wider Erwarten eine eher untergeordnete Rolle und dennoch gelang dem Lebensmittelhändler etwas, wovon viele Unternehmen nicht einmal zu träumen wagen: 45 Millionen Klicks auf YouTube. Damit toppt das Video sogar den einstigen Supergeil-Clip mit Friedrich Liechtenstein. Von den zahllosen Likes und Shares in den sozialen Netzwerken, aber auch den Kontroversen in der Offline-Welt einmal ganz abgesehen. Die Deutsche Bahn sprang auf die Erfolgswelle auf, montierte schlichtweg den einsamen Opa in ihren Speisewagen und versah das Bildmotiv mit dem Spruch „Lieber Opa, warte nicht, bis sie zu dir kommen“. Wie lässt sich dieser Erfolg erklären?

„Die Story verbindet die Marke mit der Lebenswirklichkeit des Kunden“, so der Content-Marketing-Experte Mirko Lange, Talkabout Consulting, München, beim Social Media Day in der IHK Frankfurt. Menschen wollen Geschichten, die sie berühren! Plumpes Verkaufen hat in einer Welt, in der alles im Überfluss verfügbar ist, scheinbar ausgedient. Vielmehr geht es um die Story rund um ein Produkt, hinter einem Unternehmen oder einfach nur um Geschichten, die emotionalisieren, und erst einmal gar nichts mit dem eigentlichen Produkt zu tun haben.

So wie der Werbespot von Edeka, der keine Aussagen zu Angebotsvielfalt, Qualität oder Beratungskompetenz des Lebensmittelhändlers macht, und dennoch etwas ganz anderes schafft: Er berührt, regt zur Diskussion an, stimmt nachdenklich. Das erzeugt Aufmerksamkeit und eine enorme Reichweite. Denn über soziale Netzwerke verbreitet sich diese Art von Botschaften wie ein Lauffeuer im Internet (auch virales Marketing genannt). Einzige Voraussetzung: eine gute Geschichte.

Foto: Jochen Müller / IHK Frankfurt am Main

Content Marketing ist derzeit das Buzzword im Online Marketing. Warum eigentlich? Bei der Vermarktung einer Website gibt es einen entscheidenden Flaschenhals und der lautet: Google. Die mit knapp 95 Prozent am häufigsten genutzte Suchmaschine in Deutschland möchte ihre Nutzer glücklich machen. Und weil die gute Inhalte auf Websites lieben, belohnt Google hochwertigen Content mit einem besseren Ranking. Ein weiterer wichtiger Faktor: Unternehmen, die in sozialen Netzwerken aktiv sein wollen, brauchen gute Inhalte, mit denen sie ihre Fans und Follower unterhalten beziehungsweise ihnen einen Mehrwert bieten.

„Wenn Sie nichts zu sagen haben, sollten Sie schweigen“, so die Message von Lange an die über 400 Teilnehmer. Zugegeben etwas provokativ, dafür aber auf den Punkt gebracht. Denn nicht nur die Zielgruppe bestimmt die Wahl der Social-Media-Kanäle, sondern auch die Inhalte, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen. Schließlich kostet das Schreiben von Blogartikeln, Erstellen von Videos oder Bearbeiten von Bildern Zeit und damit zusätzlich personelle Ressourcen.

Und jetzt? Einfach los legen und möglichst viel Content produzieren? „Wenn die Welt irgendetwas nicht braucht, dann ist das Ihr Content“, warnte Lange. Und tatsächlich gibt es etwa eine Milliarde Websites weltweit, täglich werden mehrere Millionen Blogposts veröffentlicht, Bilder auf Instagram hochgeladen und Milliarden Videos auf YouTube angesehen. Ein Blick auf die Seite www.internetlivestats.com liefert Zahlen in Echtzeit und vermittelt ein Gefühl für den gigantischen Content-Rausch im Web. Einen Nachteil hat der Hype um Content Marketing allerdings: Die organische Reichweite bricht massiv ein. Je mehr Inhalte, desto schwieriger wird es für Unternehmen, Sichtbarkeit im Web zu erlangen. Das trifft auf den Newsfeed sozialer Netzwerke genauso zu wie auf Google.

Foto: Jochen Müller / IHK Frankfurt am Main

Wie schaffen es Unternehmen dennoch ihre Zielgruppen zu erreichen? „Unternehmen müssen Content als eine Art Produkt verstehen, dass sich im Markt bewähren muss,“ riet Lange. Um finanzielle und personelle Ressourcen effizient zu nutzen, ist ein strategisches Vorgehen unerlässlich. „Content Marketing muss als ein Unternehmensbereich verstanden werden, dessen Aufgabe es ist, Informationen und Botschaften so zu vermarkten, dass Nutzer dieses Angebot als wünschenswert wahrnehmen“, so der Content-Marketing-Experte weiter. Schwarzkopf ist das beispielsweise gelungen. Der Haarpflegeexperte hat einen ganz neuen Weg beschritten und zeigt auf seiner Website bis zur vierten Navigationsebene keinerlei Produkte, sondern liefert ausschließlich nützliche Inhalte von Frisurentrends über Haarpflegetipps bis hin zu How-To Videos.

Apropos Video. Auch der Trend zu Bewegtbild wurde beim Social Media Day aufgegriffen. Klaus Schwope, Geschäftsführer, Nutcracker – Webvideo Communication, Frankfurt, verriet den Teilnehmern die zehn Geheimnisse erfolgreicher Erklärvideos. Als Bestandteil des Content Marketings erleben Videos bereits seit geraumer Zeit einen Boom im Web. Kein Wunder, sind sie doch gerade auf mobilen Endgeräten wie Tablets und Smartphones bequem konsumierbar. Die Video-Plattform YouTube ist inzwischen die zweitgrößte Suchmaschine nach Google. Videos sagen eben mehr als tausend Worte.

So lassen sich vor allem auch komplexe oder trockene Themen komprimieren und erklärbar machen. Aber der Erfolg von Erklärvideos hat sich inzwischen herumgesprochen und so begegnen uns immer häufiger die gleichen Schwarz-Weiß-Scribble-Videos, welche mit dem immer gleichen Satz beginnen „Das ist Paul, Paul hat ein Problem“. Mit dem Resultat, dass Wiedererkennungswert und Aufmerksamkeitsspanne gegen Null gehen. „Differenzierung ist das A und O. Ohne Differenzierung und Individualität kann man sich die Mühen und Kosten eines Erklärvideos eigentlich sparen“, so Schwope. Ausschlaggebend für den Erfolg ist eine spannende Storyline und deren einzigartige visuelle Umsetzung. Am Ende eines jeden Erklärvideos empfiehlt der Experte das Setzen einer klaren Handlungsaufforderung.

Ein professionell und vor allem individuell gemachtes Erklärvideo kann so schnell ein Budget im oberen vierstelligen Bereich verschlingen. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihr Video auf sämtlichen Kanälen vermarkten. Hochgeladen in YouTube lässt es sich leicht in die eigene Website einbetten und kann zusätzlich auf Facebook, Twitter und Co. gepostet werden und dort wiederum geteilt, geliked und kommentiert werden. Und mit etwas Glück verbreitet es sich wie ein Lauffeuer im Web.

Social Media Day 2016 am 30. November 2016

Sie finden das Thema spannend? Auch in diesem Jahr findet unser Social Media Day wieder statt! Am 30. November gibt es wieder einen Nachmittag lang geballtes Social-Media-Wissen für über 400 erwartete Teilnehmer in der IHK Frankfurt am Main. Melden Sie sich jetzt schon an!


Autor

Uta Nübl
Referentin

Uta Nübl ist seit 2013 als Referentin beim BIEG Hessen tätig und berät Unternehmen insbesondere in den Bereichen Website-Konzeption und Social-Media-Marketing. Zuvor war die gelernte Diplom-Betriebswirtin mehrere Jahre im Tourismusmarketing tätig.

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