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Muss ich auch noch auf LinkedIn sein? Vier Fragen und keine einfachen Antworten

10 Sep

(10.09.2015) Die internationale Business-Plattform LinkedIn kann genau das Richtige für Ihr Geschäftsmodell, aber auch verschwendete Mühe sein. Ob sie „wirklich sein muss“ und was Sie auf LinkedIn erwartet, verrät Ihnen heute unser Gastautor Bernd Pitz. Der Online-Marketing-Berater und XING-Trainer betreut seit 2007 Unternehmen bei ihrer Onlinestrategie. Am 2. Dezember spricht er auf dem Social Media Day. (an)

Facebook? Klar! XING? Na ja, muss ja wohl sein. LinkedIn – auch das noch?

Social Media Marketing LinkedIn
(c) Julien Eichinger - Fotolia.com

Während XING unter Vorstandschef Vollmoeller den Fokus klar auf Recruiting und die neue Arbeitswelt gerichtet hat und sich auf den deutschsprachigen Raum konzentriert, hat LinkedIn weltumspannend viel weitergehende Pläne. Es positioniert sich weit über das Businessnetzwerk hinaus als zentrale Plattform für die Arbeitswelt schlechthin. Übernahmen wie die Präsentationsplattform Slideshare, vor allem aber des E-Learning-Anbieters Lynda.com für 1,5 Mrd. US-Dollar zeigen, wohin’s gehen soll. Beide Netzwerke wachsen sehr schnell, LinkedIn hat auch in Deutschland sehr stark zugelegt. Während XING im deutschsprachigen Raum über 8 Mio. Mitglieder hat, kommt LinkedIn dort auf über 6 Mio. Mitglieder, und weltweit auf über 350 Mio. Nur logisch, dass dort auch mehr Mitarbeiter der in Deutschland sitzenden, aber international tätigen DAX-Konzerne vertreten sind. Bis jetzt gibt es aber keinerlei Anzeichen dafür, dass das kleinere XING von LinkedIn ähnlich aufgesogen wird, wie vor ein paar Jahren StudiVz von Facebook regelrecht überrollt wurde.

Damit sind wir schon bei der entscheidenden Frage: muss ich da dabei sein? Ist LinkedIn was für mich? Auf einfache Fragen gibt’s nicht immer einfache Antworten. Deshalb stelle ich da immer ein paar Gegenfragen:

Wer hat Ihnen gesagt, dass sie bei XING, LinkedIn usw. dabei sein „müssen“? Was hat „er“ für eigene Interessen?

Jeder „Berater“ hat auch eigene Interessen. Ob’s der ehemalige Studienfreund ist, der mit guten Tipps kommt, um Aufmerksamkeit zu erregen, oder ein professioneller Berater, der natürlich mit jedem neuen Thema auch neue Chancen wittert, mit Ihnen ins Geschäft zu kommen. Hören Sie gut zu und achten Sie darauf, wer schon die Lösung für Sie hat, bevor er Ihnen auch nur eine Frage gestellt hat. Und ja: Man „muss“ weder bei XING noch bei LinkedIn sein. Aber vielen helfen (Online-)Business-Netzwerke, ihr Geschäft heute einfacher und/oder besser zu erledigen. Auch bei LinkedIn ist die Basis-Mitgliedschaft kostenlos, also probieren Sie es ruhig aus. Erstellen Sie ein Profil und beobachten Sie, was passiert. Sie können nur in LinkedIn angesprochen werden, wenn Sie auch dabei sein. Schauen Sie sich auch in den deutschsprachigen und englischen Branchengruppen um. Werden interessante Themen diskutiert? Ein weiteres Signal für Ihr stärkeres Engagement in LinkedIn.

Haben Sie in letzter Zeit häufiger Einladungen zu LinkedIn bekommen? Von wem? Warum? Was ist deren Interesse?

Sie bekommen auch von Freunden, Kollegen usw. ständig Einladungen zu LinkedIn? Das liegt oft daran, dass sie einfach ihr Adressbuch LinkedIn zur Verfügung gestellt haben und jetzt die Leute aus dem Adressbuch um Kontaktbestätigung gebeten werden. Und wer das nicht getan hat, der versucht als Neuling natürlich trotzdem, sein Netzwerk in LinkedIn abzubilden. Schauen Sie sich an, ob diese Bekannten nur Kontakte sammeln und auch LinkedIn nur wie eine weitere virtuelle Visitenkartensammlung nutzen. Nutzen immer mehr aus Ihrem Kreis LinkedIn professioneller, spätestens dann sollten Sie sich auch damit auseinandersetzen.

Wenn Sie den Absender der Kontaktanfrage nicht kennen, dann lehnen Sie lieber ab. Bauen Sie Ihr Netzwerk mit Menschen aus, die Sie kennen oder über LinkedIn kennengelernt haben. Ausnahmen: potentielle neue Kunden, Lieferanten, Arbeitgeber… Für alle anderen gilt: Wer wirklich Interesse an einem Kontakt mit Ihnen hat, der wird auch in sogenannte InMails investieren. Ja, Mails an Nicht-Kontakte in LinkedIn kosten - ganz vereinfach gesagt – den Absender Geld. Oftmals gut investiertes Geld.

Wurden Sie von Geschäftspartnern im Ausland gefragt, warum sie Ihr Unternehmen nicht auf LinkedIn gefunden haben? Hatten Sie dadurch schon mal geschäftliche Nachteile?

LinkedIn hat den klaren Fokus auf das weltweite Geschäftsleben. Mischen Sie da mit? Oder haben Sie nur Kunden, Lieferanten, Dienstleister im deutschsprachigen Raum?

Ein Händler oder ein Handwerker mit Kundschaft in der Region „braucht“ eigentlich kein LinkedIn-Profil. Aber: Hat der Händler Lieferanten außerhalb von Österreich oder der Schweiz, dann sieht’s schon wieder ganz anders aus. Da zahlt sich das Engagement bei LinkedIn aus, um z.B. weitere Lieferanten zu finden. Drei Beispiele aus meinem Bekannten- und Kundenkreis: Ein Sanitär- und Heizungsbauer in einer deutschen Großstadt bekommt plötzlich vermehrt Aufträge von derzeit in den USA lebenden Deutschen, in deren deutschen Häusern und Wohnungen die Heizung zu warten usw. Ausgangspunkt: Er hatte vermutlich als einziger seiner Branche in dieser Stadt ein LinkedIn-Profil. Oder ein deutscher Haushaltswarenhersteller, der im Zuge seiner Expansion den USA seine Produkte verkaufen will. Offizielle Vertreter taten sich schwer, ihm geeignete Kontakte zu vermitteln. Drittes Beispiel: Nach einem Wechsel in der Eigentümerstruktur seines größten Kunden bekam ein deutscher HR-Dienstleister von der neuen asiatischen Muttergesellschaft plötzlich unangenehme Nachfragen. Denn auf LinkedIn habe man ja gleich gar nichts gefunden. Und das erregte erhebliches Misstrauen in Fernost.

LinkedIn ist „das internationale“ Business-Netzwerk. Erstellen Sie dann auch Ihr Profil gleich in Deutsch und mindestens Englisch. Das geht auch schon in der kostenlosen Version.
 

Haben Sie bei XING schon ein Profil und wundern sich, warum schon da nichts passiert? Oder sind Sie in XING wirklich aktiv, gewinnen darüber neue Mitarbeiter, halten Kontakt zu Kunden und gewinnen neue Geschäftspartner?

...und wollen jetzt mit LinkedIn den nächsten Schritt gehen?

Vertriebsprofis in Deutschland nutzen auch heute noch kaum die Möglichkeiten, die ihnen Business-Netzwerke wie LinkedIn und XING geben: Schlechte Bilder, nichtssagende Beschreibungen, kaum Vernetzung und schon gar keine Sales-Aktivitäten: die Hamburger Beratung fällte nach einer umfangreichen Untersuchung vor ein paar Tagen ein vernichtendes Urteil (Networking Benchmark 2015; Download nach kostenloser Registrierung). Sie sind also nicht allein. Egal, welches Netzwerk Sie bevorzugen, kümmern Sie sich erst um die Grundlagen, bevor Sie sich verzetteln – ansprechendes Business-Bild, aussagekräftige Beschreibungen. Was biete ich, was bietet mein Unternehmen? Was suchen wir? Was können wir? Und noch viel wichtiger: Erarbeiten Sie sich eine Netzwerk-Strategie: Was veröffentlichen wir als Status-Updates oder als Gruppenbeitrag? Wer recherchiert wen, wer kontaktiert wen? In welcher Sales- oder Recruiting-Phase? Wie sieht der Workflow aus? Wie kann Business-Netzwerken in das Kontaktmanagement- oder CRM integriert werden? So arbeiten Sie von Anfang an mit einem Plan.

BIEG-Leitfaden: LinkedIn

Wie sieht das optimale LinkedIn-Profil aus? Wie arbeitet man richtig mit LinkedIn? Diese Fragen wird ein neuer BIEG-Leitfaden rund um die Business-Plattform beantworten, der in Kooperation mit Autor Bernd Pitz entsteht. Der Leitfaden erscheint in den kommenden Wochen. Behalten Sie ein Auge auf unseren Blog, folgenden Sie uns via RSS-Feed, Twitter, Facebook oder Google Plus, um ihn nicht zu verpassen!

Bernd Pitz spricht am 2. Dezember beim großen Social Media Day 2015 des BIEG über den strategischen Umgang mit sozialen Netzwerken. Hier geht es zur Anmeldung!

Gastautor

Bernd Pitz
Selbstverständlich - Rat & Tat für Medien und Marketing

Bernd Pitz unterstützt seit 2007 Unternehmen und Verlage bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Online-Marketing-Strategie. Schwerpunkte sind B2B-Online-Marketing und die Businessnetzwerke LinkedIn und XING. Er ist offizieller XING-Trainer und Lead Management Consultant (TÜV Hessen).

http://www.selbstverstaendlich.de

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