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Social Media Day 2019: Mach es selbst!

02 Dez

Trotz geringer Budgets und wenigen Mitarbeitern können kleine Unternehmen im Social Web sehr erfolgreich sein. Welche Trends Sie kennen sollten und wie Sie die Performance Ihres Social-Media-Marketings verbessern, verrieten sechs Experten in der IHK Wiesbaden.

Bild: Niklas Grom

Die 7 Todsünden – Booster für Ihr Marketing

Von Zorn über Neid bis Maßlosigkeit – was normalerweise im christlichen Glauben als Todsünde gilt, ist laut Jan Bechler, Keynotespeaker des diesjährigen Social Media Days, ein gut funktionierender Marketing-Ansatz, um im Wust von Marken und Inhalten überhaupt noch in das überreizte Hirn des Kunden vorzudringen. Zwar brauchen Unternehmen einiges an Mut, um sich mit provokanten Botschaften an den Kunden zu wenden, aber genau das führe dazu, dass Kunden sich wieder mit einer Marke oder einem Unternehmen auseinandersetzen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Marken, die ganz anders sind, als man selbst, erhöhe die Reichweite, da man sich schlichtweg seine Zielgruppe um eine ganz andere erweitert. Trauen Sie sich also für etwas einzustehen, Ihre Nische zu finden und durch die Verknappung Ihrer Produkte, durch den konsequenten Einsatz von authentischem Content (z.B. über Instagram Storys) oder durch die Kooperation mit anderen Marken aus dem Nest von Marken und Botschaften auszubrechen!

Bild: Niklas Grom

Content-Marketing in der Praxis

Content lasse sich generell in drei Kategorien einteilen, so Nico Bierke, Marketing Lions Wiesbaden, bei seinem Vortrag. Owned Media, z.B. Ihre eigene Website oder Blog, Earned Media (Social Media oder PR auf anderen Webseiten) und Paid Media (alles wofür Sie bezahlen, wie z.B. Facebook-Werbung). Im Mittelpunk Ihrer Strategie stehe immer das Erlebnis für den Leser, nicht das Produkt an sich. Überlegen Sie sich also, wo die Schmerzen Ihrer Kunden liegen und wo der Nutzen liegt, den Sie bieten (Pain and Gain-Analyse). Stellen Sie dafür Inhalte bereit. Das können Artikel auf Ihrer Website, Infografiken, Fallstudien oder White Papers sein, die Sie zum Download anbieten. Überlegen Sie sich im nächsten Schritt, wie Sie die Inhalte verbreiten. Visuelle Inhalte wie Infografiken eignen sich hervorragend für Pinterest, Präsentationen sind gut auf Slideshare aufgehoben und Blogartikel können sie über Ihren Newsletter streuen. Wertvoller Content hat nicht nur Einfluss auf die direkte Meinung Ihres Interessenten, sondern beeinflusst auch Ihr Google-Ranking, Ihre Reputation und festigt die Kundenbindung.

B2B-Geschäftskontakte digital gewinnen

Neue Kunden zu gewinnen ist harte Arbeit. Denken sie an Messebesuche oder Kaltakquise am Telefon, tritt vielen Unternehmern schon kalter Schweiß auf die Stirn. Was wäre, wenn Neukunden gut erreichbar, filterbar nach Position oder der Region und eventuell sogar dankbar wären für den Erstkontakt? Die Lösung: digitale Kaltakquise mit XING und LinkedIn. Die Vorteile liegen klar auf der Hand, so Joachim Rumohr, XING-Experte Nummer 1 in Deutschland. Die Zielgruppe sei in den Business-Plattformen verfügbar und dort aktiv, um zu netzwerken. Aber wie nun überzeugen? Das Wichtigste sind Profile mit Aussagekraft. Pflegen Sie Ihr Profil mit Bild und Text. Wichtig: Es muss schnell erkennbar sein, was Sie eigentlich tun! Mit XING und LinkedIn haben Sie die Möglichkeit Ihre Zielgruppe zu definieren (zu filtern), beispielsweise nach Position im Unternehmen, Branche oder Region. Das verschafft Ihnen den Vorteil direkt die richtigen Ansprechpartner, z.B. den Einkäufer, zu identifizieren. Schicken Sie Ihrer definierten Zielgruppe aber keine „Wischiwaschi“-Kontaktanfragen. Wichtig sei es verbindlich zu sein, den Nutzen einer möglichen Zusammenarbeit herauszustellen und den Angesprochenen über den weiteren Verlauf zu informieren („Ich freue mich über Ihre Kontaktbestätigung. Gerne nehme ich im Anschluss Kontakt zu Ihnen auf.“).

Bild: Niklas Grom

Machen Sie Ihr Unternehmen zur Marke

Influencer-Marketing ist in aller Munde, aber das eigene Unternehmen als Meinungsführer zu etablieren, ist ebenfalls eine gute Möglichkeit für mehr Reichweite im Netz. Wie das geht und was zu beachten ist, zeigte Sarah Kübler von der Mainzer Agentur HitchOn bei ihrem Vortrag. Zuerst sei es wichtig zu wissen, dass es verschiedene Arten von Influencern gäbe:

Microinfluencer: Dieser hat zwar keine riesen Followerschaft, aber durch die Spezialisierung auf ein Thema oder eine Nische ist die Qualität der Fans sehr hoch.

Up'n'Coming-Influencer: Diese Influencer sind kaum außerhalb ihrer Zielgruppe bekannt, wachsen extrem schnell und sind noch bezahlbar

Big Player: Bibis Beauty Palace, Dagi Bee oder Gronkh. Diese Influencer sind fest etabliert und extrem teuer. Für KMU definitiv nicht geeignet.

Aber keine Angst! Nicht immer sind externe Influencer nötig, um Ihre Bekanntheit und Reichweite im Internet zu steigern. Vielmehr gebe es tolle Beispiele kleiner Unternehmen, die auf Instagram oder YouTube einen hervorragenden Job machen. Schauen Sie sich doch einmal das Cafe Buur aus Köln, Fitvia aus Wiesbaden oder die Schmerztherapeuten von Liebscher und Bracht an. Alle drei überzeugen durch relevanten Content für ihre Zielgruppe und haben es geschafft, ihre eigene Community aufzubauen.

Werben auf Facebook & Instagram

„Ich find Zahlen geil“ – mit der Aussage von Sven-Olaf Peeck wussten die Teilnehmer schon, was auf sie zukommt. Letzten Endes sei es auch im Social Web wichtig, was hinten rauskommt und welche Maßnahmen tatsächlich etwas bringen, so Peeck und legte im gewohnt zackigen Redetempo auch gleich los. Zuerst die schlechte Nachricht: Die organische Reichweite (Gratisreichweite) geht immer stärker zurück. Das bedeutet für Unternehmen, dass Social Media nur noch mit dem Einsatz eines festen Werbebudgets sinnvoll ist. Ansonsten verpuffe der Content im Nirwana. Um sein Werbebudget auf Instagram und Facebook gezielt einzusetzen, sei der Einsatz des „Facebook Business Managers“ Voraussetzung. Hier können Unternehmen alle Werbeanzeigen, die Dauer und das Budget von Kampagnen verwalten. Essentiell sei aber wie bei allen Maßnahmen im Marketing die Definition Ihrer Zielgruppe. Und hier kennt niemand Ihre potentiellen Kunden so genau wie Facebook. Alter, Interessen, Wohnort oder Arbeitgeber – all diese Informationen geben User Facebook freiwillig, so dass Sie Ihre Werbung passgenau aussteuern können. Aber nicht vergessen: messen, analysieren und anpassen. ;)

Recht: Chancen und Risiken bei Facebook, YouTube & Co.

Fünft Vorträge voller Möglichkeiten und dann ein Jurist! Was darf man denn nun noch? Was ist mit Cookies, Audiences und Targeting – alles verboten oder was? Dr. Carsten Ulbricht konnte bei vielen Themen Entwarnung geben. Klar ist aber, dass das Social Web kein rechtsfreier Raum ist und Unternehmen auch hier die Gesetze zu befolgen haben haben. Die Schonzeit bezüglich DSGVO-Verstößen seien seines Erachtens langsam vorbei und die ersten Bußgelder, auch an kleine und mittlere Unternehmen, sind verhängt worden (Beispiel Knuddels: Strafe 20.000€, N26: Strafe 50.000€). Grundlagen, die immens wichtig sind, aber immer noch vernachlässigt werden: Impressum, Urheberrechte, Rechte am eigenen Bild und Datenschutz. Unternehmen sollten zuallererst hier prüfen, ab soweit alles im grünen Bereich ist. Ob eine Fanpage auf Facebook überhaupt datenschutzrechtlich korrekt betrieben werden kann, ist allerdings nach wie vor unklar. Das entsprechende Urteil des Landesgerichtes stehe noch aus (mehr hier). 

Online-Trends 2020

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Autor

Corina Heinz
Referentin

Ich befasse mich seit 2011 mit Online-Marketing, E-Commerce und E-Mail-Marketing. Während meiner Tätigkeit als Social-Media-Account-Managerin betreute ich über 100 Projekte mit dem Schwerpunkt Facebook-Marketing und Content-Erstellung. Als Beraterin im BIEG bündele ich das Praxiswissen aus Social Media, Webdesign und zahlreichen anderen Online-Marketing-Themen.

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