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Social-Media-Kanäle - welcher passt zu Ihrer Zielgruppe?

14 Nov

Ich habe mich lange gegen Facebook gesträubt. Habe diese Mischung aus Informationsflut, Wunsch nach Aufmerksamkeit und individualisierter Werbung nicht verstanden. Bis ich ein Unternehmen gründete und über Facebook neue Kunden ansprechen wollte. Inzwischen habe ich viele wertvolle Kontakte geknüpft – mit Freunden, Geschäftspartnern und Bestandskunden. Aber neue Kunden habe ich nicht über Facebook gewonnen. Sondern über XING. Weil hier meine Zielgruppe ist. Es kommt bei der Auswahl passender Social Media Kanäle für Ihr Unternehmen also nicht darauf an, was gerade im Trend liegt, was Sie gerne privat nutzen oder wo die Konkurrenz postet. Es kommt darauf an, auf welchen Kanälen ihre Zielgruppe kommuniziert. 

Das sollten Sie bei der Auswahl beachten

1. Ziel – Was wollen Sie mit Social Media erreichen?

„Wir müssen Social Media machen, weil alle Social Media machen“ – das ist der falsche Ansatz. Dann wird sich Ihr Engagement auch bald im Sand verlaufen, weil Sie keine Social Media Strategie als Grundlage haben. Die wichtigste Frage vorab ist: Was wollen Sie mit Ihrem Social Media Marketing erreichen? Je konkreter Sie dieses Ziel formulieren, desto besser können Sie darauf hinarbeiten, die passenden Social Media Kanäle auswählen, den Aufwand kalkulieren und am Ende Ihren Erfolg einschätzen. Ziele könnten zum Beispiel sein:

  • mehr Produkte über Ihren Online-Shop verkaufen
  • mehr Bewerbungen auf Ihre Stellenausschreibungen erhalten
  • mehr Kunden in Ihren Laden, Ihr Hotel, Ihr Restaurant etc. holen
  • die Bewertungen Ihres Unternehmens im Internet verbessern
  • die Bekanntheit Ihres Produkts oder Ihres Unternehmens steigern

2. Zielgruppe – Wie kommunizieren Ihre Kunden?

Soziale Netzwerke sind letztendlich weitere Kanäle für Ihr Online Marketing, um mit Ihrer Zielgruppe zu kommunizieren. Deshalb sollten Sie herausfinden, welche Social-Media-Plattformen Ihre Zielgruppe nutzt. Sie können Ihre bestehenden Kunden fragen oder in Ihrer Zielgruppe etwas Marktforschung betreiben. Skizzieren Sie Ihren Wunschkunden und finden Sie heraus, wie er Social Media nutzt: Liest er eher passiv mit oder postet er aktiv? Wann ist er online? Wie viele Freunde bzw. Follower hat er? Welche anderen Unternehmen bzw. Seiten gefallen ihm? Auch hier gilt: Je besser Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto wirkungsvoller und effizienter können Sie mit ihr über Social Media kommunizieren.

3. Produkt – Was können Sie besser als alle anderen?

Das Produkt oder die Leistung Ihres Unternehmens hat ebenfalls Einfluss auf Ihre Social Media Kanäle. Einerseits bei den Möglichkeiten der Darstellung: So eignen sich Schuhe für Instagram, Gästezimmer für Facebook, Friseurtermine für WhatsApp und Beratungsleistungen eher für einen Blog, XING, LinkedIn und/oder YouTube. Andererseits sollten Sie auch das Alleinstellungsmerkmal Ihres Produkts kennen und hervorheben – das ist Ihre Botschaft! So kann ein Möbelhaus handgefertigte Einzelstücke auf Instagram präsentieren, sich als regionaler Anbieter mit großer Auswahl auf Facebook positionieren oder auf YouTube mit seinem Fachwissen Ratgeber-Videos veröffentlichen. Das sind mögliche Ausrichtungen für Ihr Social Media Marketing. 

4. Ressourcen – Wie viel können Sie in Social Media investieren?

Genau wie alle anderen Marketing-Maßnahmen kostet Social Media Arbeitszeit, Know-how und Geld. Und viele ehrgeizige Unternehmen schießen gleich zu Beginn ihrer Social Media Karriere übers Ziel hinaus und wollen alles auf einmal: Facebook, Instagram, Blog, Newsletter, YouTube, Twitter etc. Wenn sich der Erfolg dann nicht kurzfristig einstellt, werden die Ressourcen wieder abgezogen und die Social Media Kanäle verlaufen im Sand. Mein Tipp: Lieber klein anfangen, zunächst den wichtigsten Kanal aufbauen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten langfristig einteilen.

Die wichtigsten Social-Media-Kanäle

1. Facebook

Nicht jedes Unternehmen muss auf Facebook sein. Aber aufgrund von über 32 Millionen Nutzern in Deutschland tummeln sich hier viele verschiedene Zielgruppen. Allerdings sind Facebook-Nutzer inzwischen hochwertigen Content gewöhnt, ihre News-Feeds aktualisieren sich im Sekundentakt und die Facebook-Algorithmen übernehmen eine strenge Vorauswahl. Mit reiner Werbung haben Sie kaum noch eine Chance. Sie müssen regelmäßig Mehrwert für Ihre Zielgruppe liefern und kreative Wege finden, um Ihre Abonnenten aktiv zu beteiligen. Wenn Sie ein emotionales Produkt verkaufen, Ihre Zielgruppe sehr gut verstehen und keine Angst vor öffentlichem Feedback haben, dann hat Facebook viel Potenzial für Ihr Social-Media-Marketing. 

2. Instagram

Instagram besteht wie Pinterest zum größten Teil aus Bildern. Ähnlich wie ein Katalog, den die Nutzer durchblättern können. Interaktion ist zwar möglich, aber beschränkt. Haben Sie genug schönes Bildmaterial für einen Katalog? Dann sollten Sie sich diese bildlastigen Social-Media-Kanäle anschauen! Alle anderen lassen lieber die Finger davon. Es hat keinen Sinn, Fotos von Shutterstock, Fotolia und Co. zu kaufen, um sie dann bei Instagram zu veröffentlichen. Nur mit eigenem Bildmaterial können Sie die Zielgruppe ködern. Allerdings sollte Ihr Instagram-Account am Ende nicht wirklich aussehen wie ein Katalog – vollgestopft mit Produkten. Hier kommt es wieder auf eine emotionale Bindung an: Fotos mit Menschen, Orten, Ereignissen und Geschichten. 

3. Twitter

Twitter hat im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken ziemlich wenig Nutzer. Das liegt unter anderem an der spezifischen Nutzungsweise und Zielgruppe. Twitter funktioniert eher wie eine personalisierte Informationsplattform. Entsprechend sollten Sie diesen Kanal nur in Betracht ziehen, wenn Sie beispielsweise auf Ihrem Blog oder Ihrer Website regelmäßig relevante und aktuelle Informationen veröffentlichen, die Sie über Twitter verbreiten können. Gleichzeitig sollten Sie selbst sehr aktiv sein, sich über Twitter vernetzen, informieren und interagieren. Ihre Follower werden es Ihnen danken. 

4. XING & LinkedIn

Mit XING und LinkedIn sind wir endgültig im B2B-Bereich gelandet. Hier bewegen sich die Nutzer im beruflichen Umfeld, deshalb dürfen Sie hier auch über die Arbeit sprechen. Plumpe Werbung kommt hier allerdings nicht gut an. Bieten Sie mit Ihrem Produkt jedoch Mehrwert für Ihre Zielgruppe, sind Sie normalerweise gern gesehen. Follower für Ihr Unternehmen zu generieren ist relativ schwierig, denn die beruflichen Netzwerke funktionieren eher über den persönlichen Austausch. Versuchen Sie es stattdessen mit Gruppen, in denen Sie Ihre Zielgruppe antreffen. Auch hier sollten Sie eher mit relevanten Inhalten und hilfreichen Ratschlägen als mit Werbung punkten.  

5. YouTube

Ja, YouTube ist in erster Linie eine Videoplattform. Und die Ressourcen für regelmäßige und hochwertige Videos sollten Sie nicht unterschätzen. Mit einem Imagefilm allein kommen Sie da nicht weit. Aber wenn Sie Ihr Know-how als Fachmann durch Videos an Ihre Zielgruppe weitergeben können, ist es einen Versuch wert. Dafür sollten Sie auch Spaß an der Videoproduktion haben, gern vor der Kamera stehen und gut vermitteln können. Der andere Weg sind emotionale Geschichten, wie es zum Beispiel die Supermärkte jedes Jahr zu Weihnachten vormachen. Mit etwas Kreativität finden Sie auch einen emotionalen Zugang zu Ihrem Produkt oder Ihrem Unternehmen.

So finden Sie relevanten Content für Social Media

„Worüber soll ich posten?“ – das ist die große Frage bei Social Media. In einem Newsletter oder Blog haben Sie mehr Zeit und Platz, können die Themen demnach besser aufbereiten. Die Social-Media-Kanäle sind eher Anreißer, um Nutzer neugierig zu machen und per Link auf Ihre Website, Ihren Blog oder Ihren Online-Shop zu lotsen. Die kurzen Posts und aussagekräftigen Bilder müssen also Aufmerksamkeit schaffen. Je besser Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto besser können Sie ihre persönlichen Interessen als Einstieg nutzen. Schauen Sie sich die Profile und Posts Ihrer Zielgruppe an. Verfolgen Sie aktuelle Hashtags und YouTube-Trends. Treten Sie Gruppen bei, die für Ihre Zielgruppe interessant sind. Nutzen Sie Keywords und Google Trends, um die Relevanz von Themen zu überprüfen und sich inspirieren zu lassen. Einmal mit Social Media angefangen, bieten viele Plattformen detaillierte Auswertungen Ihrer Beiträge. So können Sie stetig optimieren und Ihre Reichweite erhöhen. 




Gastautor

Stani Tellow

Angefangen als Theaterautor, hat sich Stani Tellow nach einem Masterstudium und 2,5 Jahren Event- sowie Werbeagentur selbstständig gemacht. Heute unterstützt er Start-ups und KMUs als Berater, Konzeptioner und Texter bei ihrem Online-Marketing.

http://www.stani-tellow.de

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