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Warum sich Instagram, Pinterest & Snapchat für Unternehmen lohnen

29 Mai

Fehlende Kunden, schwindende Umsätze, Mangel an Nachwuchskräften. Kleine und mittelständische Unternehmen treffen diese Probleme besonders hart. Rettende Marketingmaßnahmen werden oft impulsiv getroffen, ohne die nötige Strategie dafür festzulegen.

Nehmen wir ein Beispiel: In der Schreinerei „Holzklotz“ ist auf den ersten Blick alles prima, doch plötzlich stellt der Chef fest, dass das Geschäft nicht mehr so gut läuft wie früher, bisherige Marketingmaßnahmen wie die Annoncen in regionalen Zeitungen fehlschlagen und Neukunden ausbleiben. Der Betrieb steht auf dem Spiel.

Die vermeintlich einfache Lösung kommt vom Mitarbeiter Peter Sägespan, der für den Vertrieb und die Buchhaltung zuständig ist, und lautet: „Chef, lass doch mal was mit Social Media machen. Instagram, Pinterest und Co. sind gerade total angesagt. Da generieren wir bestimmt jede Menge Aufträge drüber. Beispielsweise können wir unsere neuen Einbauschränke anpreisen.“

Gesagt, getan und schon wird losgelegt. Es werden von den Mitarbeitern Selfies mit Schlappohren erstellt und Bilder der Einbauschränke werden wahllos auf Instagram und Pinterest gepostet. Und Snapchat? „Das brauchen wir nicht, das ist ja nur was für die ganz Jungen. Das bringt eh nix!“, so Herr Sägespan. Nach einigen munteren Wochen stellt der Chef der Schreinerei die entscheidende Frage: „Und Herr Sägespan, haben Instagram und Co. was gebracht? Wieviel Einbauschränke haben wir schon verkauft?“ Herr Sägespan muss zugeben, dass die Schreinerei immer noch keine neuen Kunden hat, dass die Selfies nicht geteilt werden und nicht ein einziger Einbauschrank verkauft wurde. Schnell wird bei der nächsten Besprechung also resümiert, dass Social Media wohl wirkungslos sei, und alle Bemühungen auf den neuen Kanälen werden eingestellt. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Hier machen wir mal gedanklich einen Cut.


Praxisworkshop für KMU – Heute keine Touristen: Mitmachen war angesagt

Warum Instagram, Pinterest und Snapchat für Unternehmen durchaus lohnenswert sein können und was man dabei allerdings beachten sollte, zeigte Thorsten Biedenkapp bei unserem Praxisworkshop am 17.5.17 in Fulda.

Unternehmen sollten begreifen, dass „Social Media zuallererst auch nur ein weiterer Kanal ist“, so Biedenkapp. Das bedeutet, dass der Einsatz verschiedener Social Media Kanäle nicht DIE Wunderwaffe gegen schwindenden Umsatz und wegbleibende Kunden darstellt. Allerdings ergeben sich aus den zusätzlichen Kanälen viele Chancen – wenn man es richtig macht.

Das Herzstück all Ihrer Aktivitäten, das können wir nicht oft genug wiederholen, ist Ihre Website. Wenn die steht, lautet der erste Tipp: Tanzen Sie nicht auf allen Hochzeiten! Konzentrieren Sie sich auf einen Social-Media-Kanal, legen Sie eine Strategie fest, klären Sie die Ressourcen ab (ja, Social Media kostet Zeit und Geld) und befolgen Sie drei einfache Regeln:

1)      Content dient immer zuerst dem Kunden. Stellen Sie sich immer die kritische Frage, ob der Inhalt NUTZWERT für Ihren Kunden bietet.

2)      Social Media ist keine Vertriebsmaschine. Sie werden nicht über Social Media direkt verkaufen. Das bedeutet nicht, dass Social Media wirkungslos ist. Im Gegenteil: Social Media dient dem Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen und ist somit der Nährboden für nachgelagerter Vertriebsaktivitäten. Auch potenzielle Arbeitnehmer sind dort unterwegs. Geduld ist hier nicht nur eine Tugend, sondern ein wichtiger Erfolgsfaktor.

3)      Nur regelmäßiger Content ist guter Content. Soziale Kanäle leben davon, dass etwas auf Ihnen passiert. Inhalte können lustig sein, unterhalten, informieren – Hauptsache, der Fan oder Follower sieht, dass Ihre Kanäle „leben“.


Instagram, Pinterest & Snapchat im Überblick

Abbildung 1: Screenshot Instagram „Kuchenstilmanufaktur“, Stand 19.5.17

Zurück zu den „neuen“ sozialen Kanälen, wobei sie gar nicht mehr so neu sind. Im Folgenden ein paar Facts, die Sie vor dem Einstieg kennen sollten.

Instagram: Gegründet 2010, mauserte es sich zu der aktuell am Visuellsten geprägten Plattform. Rund 500 Millionen Menschen weltweit und etwa 9 Millionen Deutsche nutzen aktuell die App.

Davon sind 90% jünger als 35 und jeden Tag werden etwa 80 Millionen Fotos gepostet. Der Fokus liegt ganz klar auf sehr ästhetischen Bildern, die oft bis zur Perfektion bearbeitet werden. Durch Funktionen wie Instagram Stories und zahlreiche Bearbeitungsmöglichkeiten können nun auch kurze Videos und Bilder zu Geschichten „aneinander gereiht“ werden.

Unternehmen haben die Möglichkeit sich ein Business-Profil anzulegen und mehreren Mitarbeitern Zugriff auf den Account zu geben. Zudem haben Sie Zugriff auf Instagram-Statistiken, um den Erfolg Ihrer Aktivitäten zu messen.

Pinterest: Seit 2010 gibt es diese Plattform, die ähnlich wie Instagram von Bildern lebt, aber ansonsten grundsätzlich anders funktioniert. 150 Millionen User weltweit und etwa 4 Millionen Deutsche nutzen diese App, davon 80% Frauen. Die Funktion von Pinterest basiert auf der Idee, „virtuelle Pinnboards“ anzulegen. Auf diese Weise können Nutzer Bilder von ihrem eigenen PC oder Links von Webseiten/Shops z.B. von tollen Sneakers „pinnen“, um sich diese zu merken oder sich (auch beruflich) inspirieren zu lassen. Im Gegensatz zu Instagram und Snapchat profitieren Unternehmen davon, dass eine direkte Verlinkung von Pinterest zum eigenen Shop möglich ist (Link-Out-Funktion).Für Unternehmen interessant: Ein Profil kann von mehreren Nutzern genutzt werden und auch das Verwalten über einen Desktop-Rechner ist möglich.

Snapchat: Tatsächlich gibt es den Kanal mit dem Geist schon seit 2013 und dieser ist mit über 300 Millionen Nutzer weltweit und etwa 4 Millionen Nutzer in Deutschland, die aktuell am schnellsten wachsende soziale Plattform. Die User sind zwischen 18-24 Jahren alt und pro Tag werden etwa 2,2 Milliarden Snaps (so heißen dort die geposteten Inhalte) veröffentlicht. Der Clou ist, dass gepostete Inhalte (Videos und Bildstrecken) maximal 10 Sekunden lang sein dürfen und nach spätestens 24 Stunden wieder verschwinden. Dies geschieht automatisch und erzielt im besten Fall einen „Suchtfaktor“ bei den Fans, den man bis dato nur von Daily Soaps kannte. Die Nutzung ist aktuell Telefonnummer-basiert, sodass nur ein Nutzer die App verwalten kann. Unternehmen, die Snapchat nutzen möchten, sollten als Lösung ein geschäftliches Smartphone dafür verwenden, sodass mehrere Mitarbeiter dieses Gerät nutzen können.


Welche Plattform ist nun die richtige für Ihr Unternehmen?

Abbildung 2: Screenshot Pinterest zur Suche "Online" und "Marketing", Stand 19.5.17

Die Basis ist immer Ihre Zielgruppe! Definieren Sie sie so genau wie möglich. Legen Sie Personas an (z.B. mit personapp.io/), definieren Sie typische Hobbies, Eigenschaften und Vorlieben. Das macht es Ihnen leichter später zu entscheiden, welche Plattformen, Marketingkanäle und Werbebotschaften am besten funktionieren. Die meisten Unternehmen umgehen diesen wichtigen Schritt und definieren ihre Zielgruppe so: alle Frauen von 40-100 Jahren. „Das ist allerdings keine  Zielgruppe, sondern eine Zustandsbeschreibung“, so Biedenkapp.

Schließen Sie Kanäle, die im ersten Schritt „unpassend“ wirken, nicht rigoros aus. Die User auf Snapchat sind jetzt vielleicht noch zu jung. Aber in 4-5 Jahren fallen sie eventuell exakt in Ihre Zielgruppe. Hier und jetzt haben Sie die Chance, potenzielle Kunden ganz früh abzufangen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.


Social Media – der Plan zum Erfolg

  • Definieren Sie Ihre Zielgruppe und die Strategie, um sie zu erreichen

  • Tanzen Sie nicht auf allen Hochzeiten. Wie eingangs schon erwähnt ist es besser, einen Kanal zu 100% zu meisten, bevor man den nächsten Schritt geht.

  • Ressourcen abklären: Haben Ihre Mitarbeiter tatsächlich Zeit sich voll und ganz dem Thema Social Media zu widmen? Social Media ein bisschen nebenher zu betreiben, wird Sie nicht voranbringen.

  • Mitarbeiter: Social Media lebt von Authentizität und soll Spaß machen. Umso wichtiger ist es, dass der verantwortliche Mitarbeiter mit Herzblut dabei ist. Fragen Sie vorab nach, wer z.B. Instagram oder Pinterest schon privat betreibt und wer Lust hätte, Sie zu unterstützen.

  • Verantwortlichkeiten klären: Lange Freigabeprozesse und zu viele Verantwortliche töten die Flexibilität, die Social Media zu so einem lebendigen Instrument macht. Wenn die Strategie steht und gewisse Regeln fixiert sind (Tonalität, Notfallplan bei Problemen…), sollten Sie Ihre Mitarbeiter auch „alleine“ laufen lassen.

  • Regelmäßigkeit: Planen Sie voraus (Thema Redaktionsplan) und sammeln Sie vorab Themen und Ideen. Einiges steht sicher vorab fest (saisonale Themen wie Ostern, Firmenjubiläen, Produkteinführungen etc.), sodass Sie eine gute Basis für Content haben. Und zwischendurch ist dann noch Platz für spontane Themen und Einblicke.

  • Budget: Erfolg im Social Media Marketing ist nie umsonst. So wie alle Offline-Maßnahmen Geld kosten – sei es Radio oder Print –, kostet auch Social Media Geld. Planen Sie also ein Werbebudget ein!

  • Keine Angst: Niemand macht von Anfang alles richtig! Durch genaues Hinhören und die Analyse Ihrer Posts/Snaps und Pins erkennen Sie aber, was Ihre Fans mögen, welche Themen gut ankommen. So können Sie sich kontinuierlich verbessern.


Der Kanal steht, aber wie erhöhen Sie nun Ihre Reichweite?

  • Instagram: Verwenden Sie reichweitenstarke Hashtags. Diese können Sie vorab direkt über Instagram recherchieren. Gut ausgewählte Hashtags wirken sich positiv auf das Engagement aus und sprechen die richtige Zielgruppe an. Hier gilt Quantität vor Qualität! Die Hashtags sollten auch etwas mit dem Inhalt des Beitrages zu tun haben. Als lokales Unternehmen haben Sie durch die „Geofilter-Funktion“ zusätzlich die Möglichkeit, lokale Hashtags zu nutzen. Eine andere Möglichkeit, Ihre Reichweite zu erhöhen, sind Werbeanzeigen. Wie das geht, finden Sie hier heraus: https://business.instagram.com/advertising?locale=de_DE

  • Pinterest: Auf Pinterest findet leider sehr wenig Interaktion statt. Trotzdem suchen Millionen Nutzer hier nach Inspiration und Produkten. Damit Ihre Pins geteilt und gepinnt werden, ist es sehr wichtig, dass Sie auf Bildqualität, Beschreibung und die richtige Verlinkung achten. Der Nutzwert Ihres Pins sollte klar erkenntlich sein. Die Schaltung von Werbeanzeigen ist ebenfalls möglich. Infos dazu finden Sie unter https://ads.pinterest.com/

  • Snapchat: Auf Snapchat haben Sie die Möglichkeit, einen eigenen Snapcode (Geist mit Ihrem Logo) Ihres Profils zu erstellen. Streuen Sie diesen in Ihrem Newsletter, auf Ihrem Facebook-Profil, auf Ihren Print-Werbemitteln, etc. Informationen über die Möglichkeit Werbung zu schalten finden Sie unter https://www.snapchat.com/l/de-de/ads.


Der letzte Tipp von unserem Experten lautet: Streuen Sie Ihre Inhalte! Nutzen Sie beispielsweise Ihren eigenen Newsletter, um Ihre Social-Media-Inhalte zu streuen. Der Vorteil: Hier kontrollieren Sie zu 100%, was reinkommt, und Ihre Zielgruppe (Ihre Abonnenten) ist schon an Ihrem Unternehmen interessiert.


Online-Marketing-Tag 2017

Wie Sie den richtigen Content finden und einsetzen, präsentieren Ihnen unsere Experten beim diesjährigen Online-Marketing-Tag am 21.6.17 in der IHK Frankfurt.


Autor

Corina Heinz
Referentin

Ich befasse mich seit 2011 mit Online-Marketing, E-Commerce und E-Mail-Marketing. Während meiner Tätigkeit als Social-Media-Account-Managerin betreute ich über 100 Projekte mit dem Schwerpunkt Facebook-Marketing und Content-Erstellung. Als Beraterin im BIEG bündele ich das Praxiswissen aus Social Media, Webdesign und zahlreichen anderen Internet-Marketing-Themen.

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