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Corona-Camouflage: Drehbuch mit Happy-End

07 Apr

Die Welt wird eine andere sein nach dieser Krise. Marketing wird etwas anders sein nach dieser Krise. Zum Glück sind Marketing-Leute überdurchschnittlich kreativ. Daher bietet diese Zeit der „Entschleunigung“ eine Chance für sie alle, ihre Fantasie zum Tragen zu bringen. Wie gestalten wir die Zukunft? Hier einige Impulse.

1. Perspektivwechsel

Ging es bisher darum, andere über mein aktuelles Angebot zu informieren und es ihnen nahe zu bringen, hat sich das Bild inzwischen gewandelt.  

  • Es gibt Unternehmen, die in dieser Krise überlebenswichtige Produkte, wie zum Beispiel Beatmungsgeräte, Desinfektion, Schutzmasken und -kleidung, COVID‑19‑Testkits, Reagenzien und Laborzubehör, Produkte des Krankenhausbedarfs bis hin zum Toilettenpapier und so weiter bieten. Hier übersteigt die Nachfrage das Angebot, oft sogar dramatisch. Welche Rolle sollte Marketing hier spielen?

  • Die wirtschaftliche Lage führt sowohl in einer Reihe von Unternehmen als auch bei Privatpersonen zu Liquiditätsengpässen. In dieser Situation auf das tatsächlich Überlebens-WICHTIGE zu fokussieren, erscheint sinnvoll. Aber wer legt liebgewordene Gewohnheiten und „Anhaftungen“ von heute auf morgen ab? Viele von uns sind daher noch immer leicht zu „verführen“, impulsiv zu reagieren statt bewusst zu agieren. Längst ist im Marketing bekannt, wie das gelingt. Aber ist oder wäre dieses Vorgehen verantwortungsvoll?

2. Verantwortung

Von Harry S. Truman erzählt man, dass auf seinem Schreibtisch ein Schild stand mit der Aufschrift „The buck stops here“. Diese idiomatische Redewendung bedeutet auf Deutsch: Von hier wird niemandem der „Schwarze Peter“ zugeschoben. Oder mit anderen Worten: Für alles, was an diesem Schreibtisch passiert, trage ich die volle Verantwortung. Wer von Ihnen würde einen solchen Spruch auf an seinem Arbeitsplatz anbringen? Wer von Ihnen ist bereit, „Schuld sind immer die anderen“ zu ersetzen durch: „Für alles, was in meinem Leben passiert, trage ich die volle Verantwortung.“?
  
Bis auf die (noch) wenigen, die auf SARS-CoV2-Antikörper getestet wurden und denen der Test Immunglobulin-G „bescheinigt“ hat, ist jeder von uns – wissentlich oder nicht – potenzieller Virusträger. Mit „viraler Verbreitung“ kennen Marketer sich schon lange bestens aus. Da das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, Vorsorge dafür zu treffen, niemanden der Gefahr auszusetzen, angesteckt zu werden. Verfügen Sie über praktikablen „Alltags“-Lösungen, die bisher noch nicht publiziert wurden? Wie würde das ankommen?

Solange ein Impfstoff fehlt, ist die Stärkung unseres Immunsystems das Beste, was jeder Einzelne tun kann. Schließlich ist genau das für unseren Organismus „systemrelevant“. Jeder mit einem starken Immunsystem ist diesem Virus, anderen Viren und Krankheitserregern generell gegenüber weit besser gewappnet als ängstliche Menschen oder solche mit Sorgen. Angst schwächt definitiv unser Immunsystem. Lebensfreude stärkt es. Was können Sie im Marketing tun, um diese – trotz aller widriger Umstände – bei anderen hervorzubringen?

Wenn schon die äußeren Umstände widrig sind, so sollte doch zumindest in unserem Körper alles harmonisch sein und ablaufen. Darüber hat jeder persönlich die totale Hoheit. Niemand ist in der Lage, uns zu verärgern, uns klein zu reden oder uns Angst einzuflößen, solange wir es nicht zulassen. Wir erleben und beobachten jedoch aktuell „lehrbuchreif“, wie das Gefühlsleben einiger Zeitgenossen aus dem Ruder läuft: Da sind die, die

  • bisher zu viel Arbeit beklagten; im Lockdown beklagen sie Langeweile;

  • bisher jammerten, wie wenig Zeit ihnen für ihre Kinder und die Familie bleibt; im Lockdown halten sie den ganzen Tag zusammen mit Kindern und Partner kaum aus oder sogar für eine Zumutung.

Aber es gibt auch das Gegenteil: Da sind die, die während des Lockdowns entdecken, wie gut ihnen ein Frühlingsspaziergang tut, ein Lauf durch Wald und Feld, die durch weniger Verkehr ausgelöste Ruhe, der stahlblaue Himmel und die klare Luft. Sie schätzen diese Aspekte inzwischen mehr als ein weiteres Shopping Erlebnis oder einen Kleiderschrank der locker für drei Menschenleben ausreichen würde.

Fazit: Sehen wir ab von sämtlichen Szenarien, Bildern und Argumentationen, die Angst oder eine „Opferhaltung“ induzieren. Verdeutlichen wir stattdessen den vielen vitalen Menschen, wie stark sie sein können, wenn sie das in ihnen – oft verborgene – Potenzial zum Tragen bringen. Das setzt Arbeit an sich selbst voraus. Inspirieren Sie andere dazu. Tun Sie dies voller Offenheit, auf Ihre ganz persönliche, individuelle Art, frei von jeglicher Maskerade, von Floskeln und „0815“-Formulierungen.

3. Metamorphose

Haben bisher diejenigen, die Ihre Waren oder Dienstleistungen einkauften, dazu beigetragen, Sie und Ihr Unternehmen wirtschaftlich am Leben zu erhalten, bietet die Krise Ihnen nun die Option, sich zu revanchieren. Haben Sie jetzt den Mut, das Leben und die Gesundheit anderer zu schützen. Tun Sie alles, um deren Vitalität zu stärken. Ihnen gelingt damit ein stabiles Fundament des Vertrauens, auf dem Sie nach überwundener Krise, optimal bauen können.

Das Fitnessstudio zum Beispiel, indem ich seit Jahren Mitglied bin, bietet uns Mitgliedern seit der (offiziell veranlassten) Schließung am 17. März fast täglich auf YouTube neue, TOP-motivierende Videos, die ausfallende Kurse ersetzen und uns zuhause – auch individuell zugeschnitten - unterstützen, fit zu bleiben. Bravo!

  • Initiieren wir gemeinsam eine neue Art des Umgangs miteinander. Stehen wir – wie von Stan Ridgway in seinem Lied „Camouflage“ von 1986 beschrieben – anderen bei, wie auch immer das aussehen mag.

  • Geben wir, auch ohne, dass wir an einem Wettrennen teilnehmen oder - von wem auch immer - unter Druck gesetzt werden – stets Vollgas und unser Bestes.

  • Das schließt auch ein, Begriffe wie „Verbraucher“, „Kunde“ oder „Human Ressource“ zu hinterfragen. Wie wäre es, den anderen als einen Menschen wahrzunehmen, der unseren Respekt und unsere Wertschätzung verdient hat statt in ihm eine Ressource oder ein Mittel zum Zweck zu sehen?


Wie heißt es im Lied „Under Pressure“ von David Bowie?

Liebe verlangt von uns den Mut, uns um die zu kümmern, die am Rande der Nacht leben.
Und Liebe verlangt von uns den Mut, uns auf eine andere Art umeinander zu kümmern.
Dies ist unser letzter Tanz.
Das hier sind wir.

Gastautor

Dr. Martina Dressel

Dr.-Ing. Martina Dressel ist Expertin für zielführende Kommunikation. Als Unternehmerin, vierfache Fachbuchautorin und Rednerin inspiriert sie dazu, Produktivität mit Lebensqualität im Alltag zu verbinden. Im Umgang miteinander und der Technik sollen wir ebenso glücklich sein wie effizient.

http://www.martina-dressel.de

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