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Die Krise als Innovationstreiber – ein Interview mit Dr. Thomas Niemann, IHK Hessen Innovativ

15 Okt

In der Digitalisierung gibt es für Unternehmen noch einige Herausforderung zu meistern. Gut, dass es die Kollegen von Hessen Innovativ gibt. Mit persönlichen Beratungen, Netzwerkveranstaltungen und Weiterbildungslehrgängen unterstützt Thomas Niemann und sein Team aktiv die Innovationskultur hessischer Unternehmen. Im Interview gibt er einen Einblick in die aktuelle Situation und erklärt, wie Unternehmen mit Kreativität durch die Krise kommen. 

Die Unternehmen beschäftigen sich mit der Umstellung auf digitale Angebote und das in allen Branchen. Du berätst im Bereich Digitalisierung und sprichst somit mit vielen Entscheidern und Umsetzern in den Unternehmen. Was hat Corona mit den Unternehmen gemacht?

Corona hat alles auf den Kopf gestellt. Mitarbeiter blieben zu Hause. Projekte wurden kurzfristig mithilfe von Kollaborationstools aus dem Home-Office heraus bearbeitet. Auch die Team-Meetings funktionierten bei den meisten Unternehmen reibungslos. Sofern es die internen Abläufe im Unternehmen betraf, haben sich die Unternehmen sehr schnell an diese neuen Gegebenheiten gewöhnt. Digitale Tools wurden eingeführt und sehr professionell genutzt. All das wurde als Herausforderung angenommen.

Arbeiten On Remote –– was in der IT-Branche schon seit Jahrzehnten üblich ist –– haben die Mitarbeiter in den meisten Unternehmen professionell umgesetzt. Trotz aller Vorbehalte vor Homeoffice und der Technik.

 

Hat es Corona gebraucht, um die Umstellung zu finden?

Ja, hat es. Erst durch die Not haben wir uns umgestellt.

 

Welche Herausforderungen sind dir als Berater für Digitalisierungsprozesse bekannt?

Vor allem begegnet uns das Problem, dass die Menschen nicht zum Kunden kommen können. Wie sollen Dienstleistungen bei einem Unternehmen bspw. von Servicetechnikern aus dem Homeoffice erledigt werden? Bei diesen Problemen suchen Unternehmen nach Lösungen und wir versuchen diese Lösungsfindung durch Erfahrungsaustausch zu erleichtern. In Kreativ-Workshops und Webinaren diskutieren wir die Herausforderung und entwickeln gemeinsam Lösungsmöglichkeiten. Einer der Teilnehmer an unserem Workshop entwickelt aktuell einen digitalen After-Sale-Service.

 

Wichtig ist also die Flexibilität?

Absolut. Die Produktion von Viessmann z. B. hat in kürzester Zeit von Heizungsanlagen auf Beatmungsgeräte umgestellt und damit einen Bedarf gedeckt, der durch dieses Virus erst entstanden ist. Die Produkte eines großen Unternehmens in kürzester Zeit umzustellen, ist nicht trivial und geht mit großen digitalen Veränderungen einher.

Manche Unternehmen haben sehr starre Strukturen und sind sehr unflexibel in den Geschäftsmodellen und ihren Ausrichtungen. Diese Unternehmen können nicht auf Marktschwankungen und Veränderungen reagieren. Unternehmen, die „lean“ sind, also schlanke Prozesse haben, können in der aktuellen Krise profitieren.

 

Wie kann Hessen Innovativ Unternehmen helfen das Konzept in den Unternehmen zu implementieren?

Wir bieten seit kurzem den Zertifikationslehrgang zum Lean-Servicemanager an. Dieser beinhaltet das Thema Lean in der gesamten Wortschöpfungskette eines Unternehmens zu verstehen, einzuführen und zu begleiten Mit Corona hat Lean-Management eine völlig neue Bedeutung bekommen. Während es früher bei Lean den meisten darum ging, die Effizienz zu stiegern und Arbeitsplätze einzusparen, geht es in der Krise um Flexibilität, Erhöhung der Dynamik und so besser auf Krisen reagieren zu können.  Krisensicherheit = LEAN  – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in der aktuellen Zeit.

Ein weiterer Faktor ist das Thema Online-Vertriebskanäle. Wie funktioniert das in Corona-Zeiten?

Digitales Verkaufen ist sicherlich schwieriger und langfristiger zu denken als das digitale Miteinander im Büro oder im Homeoffice.

Der digitale Vertrieb ist im B2B-Business möglich, aber da hilft sehr viel Kundenbindung  und Treue zu den Lieferanten und das ist im deutschen Mittelstand schon immer sehr gut betrieben worden. Dennoch – wer von globalen Lieferketten abhängig ist, sehnt sich nach der guten alten Zeit und regionalen Partnerschaften.

Vertrieb in der Social-Business-Umgebung sind in Corona-Zeit nicht mehr wegzudenken. Wie Sie mit XING und LinkedIn digitalen Vertrieb betreiben, lesen Sie im Blogbeitrag: VerLinkedIn und zugeXINGt - Neukundengewinnung über die B2B-Plattformen

Die Krise kam für alle plötzlich und viele Unternehmen waren von Ihren Digitalisierungsstrukturen noch nicht soweit. Welche Voraussetzungen sind nötig, um in kurzer Zeit einen Wandel vollziehen zu können, der ein Unternehmen marktfähig macht?

Aktuell zeigt sich, dass innovative Unternehmen – also Unternehmen in denen Kreativität im Bereich Forschung und Entwicklung, im Produktmanagement und in der gesamten Kultur verankert ist – besser auf den Markt reagieren können. Kreativität ist ein großer Bestandteil von Innovationsmanagement. Das betrifft nicht nur neue Produkterfindung, wie die Erfindung des iPhones. Unternehmen müssen heute innovativ in ihren Marktzugangsstrategien sein. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Innovation, Lean und die digitale Kompetenz mit der entsprechenden Ausstattung  nach meiner Erfahrung die drei Voraussetzungen für das Meistern der Krise sind.

 

Wie könnt ihr als IHK-Einrichtung dabei helfen?

Das sind Themen, die wir im Rahmen von Produkten anbieten. Alle drei Themen, Lean-Management, Innovationsmanagement und Digitalisierungsmanagement gibt es als etablierte Zertifikatslehrgänge in unserem Portfolio. Plötzlich erfahren diese eine viel größere Aufmerksamkeit als zu einem Zeitpunkt, an denen die Auftragsbücher voll waren und die Mitarbeiter keine Zeit hatten zu Fortbildungen zu gehen. Jetzt kommt der Trend die „Krise als Chance zu nutzen“. In der Krise nicht in die Schockstarre zu verfallen, sondern ihr mit Impulsen zu begegnen und in die Zukunft zu blicken. Die IHK ist vorbereitet und kann die Fortbildungen digital anbieten oder wie beim „Innovationsmanager“ in großen Räumen mit viel Abstand zwischen den Teilnehmern. 

Welche Methoden helfen dabei, die Krise zu bewältigen?

Design Thinking ist eine kundenzentrierte und iterative Methode für die Lösung von komplexen Problemen und die Entwicklung neuer Ideen. Mit der Design Thinking Methode gelingt es, unter Abwägung von Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und Erwünschtheit eine aus Kundensicht überlegene Lösung zu entwickeln

Kreativität ist ein schwierig zu fassendes Thema. Viele sehen darin mehr einen künstlerischen Prozess. Das ist so aber nicht richtig. Kreativität braucht Struktur, Rahmenbedingungen, Freiheiten – aber auch Regeln. Entwickeln Sie kreative Ideen, um aus der Krise eine Chance zu machen.

 

Dieses Interview führte Lisa Bier.

Lesen Sie hier nach, wie Sie die Innovationsmethode Design-Thinking einsetzen, um für Ihre Kunden relevante Inhalte zu generieren: Design Thinking meets Content Marketing

 

Weitere Informationen zu Beratungsmöglichkeiten über  Themen wie, Innovationsmanagement, CE-Kennzeichnung, gewerbliche Schutzrechte wie Patente, Design- und Markenschutz gibt es auf www.ihk-hessen-innovativ.de.

Autor

Lisa Bier

Die Welt der kleinen und mittleren Unternehmen lernte ich bereits im Studium der Betriebswirtschaft kennen, bevor ich praktische Erfahrung im Marketing von KMU gesammelt habe. Im Masterstudium der Sozial- und Kommunikationswissenschaften habe ich mich im Anschluss intensiv mit Unternehmenskommunikation beschäftigt.

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