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Eine Welt ohne Suchschlitz? (Nachbericht unseres SEO-Seminars im März)

10 Apr

Full House in Frankfurt!

(10.04.2017) Rund 300 Teilnehmer tummelten sich am 21. März beim BIEG Hessen in der IHK Frankfurt, um sich über die neusten Entwicklungen in der Suchmaschinenoptimierung zu informieren. Im Lineup standen Giganten der deutschen SEO-Szene wie Karl Kratz, Markus Hövener (Bloofusion) und Daniel Dieckhoff von Buttlar (Searchmetrix). Gesprochen wurde über alternative Suchdienste, dem Perspektivenwechsel in der Keywordrecherche, über Storytelling, Linkaufbau, Rankingfaktoren und regionale Suchmaschinenoptimierung. Wenn Sie nicht dabei waren, haben Sie was verpasst! ;-) Aber keine Sorge: Nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung – wir werden diesen Event wiederholen, versprochen! Wenn Sie keinen Termin verpassen möchten, empfehle ich Ihnen, unseren Newsletter zu abonnieren. Darin enthalten sind immer unsere neuesten Veranstaltungshinweise.

Ökosystem Google

Doch zurück zur Veranstaltung. Karl Kratz widmete sich Google. Und wenn wir von Google sprechen, meinen wir in der Regel die Suchmaschine. Doch Google ist mehr. Dahinter steckt ein ganzes Ökosystem unterschiedlichster Dienste: Google Maps, Google Chrome, Google Kalender, Google Play, Google Drive, Google Android. Insgesamt sind es knapp 80 Anwendungen und Plattformen. Klar, da sind auch ein paar weniger bekannte dabei wie zum Beispiel Google Allo (Messenger), Google Waze (Navigation) oder Google Zagat (Restaurantführer). Doch Herzstück bleibt nach wie vor der Suchdienst. Schließlich verdient Google mit den angedockten Werbeanzeigen – den sog. Google AdWords – das meiste Geld. Kontextsensitive Werbeplätze, die ähnlich einer Auktion an den Meistbietenden verkauft werden – ein feines Geschäftsmodell und Googles Weg zum Erfolg. So lange der Suchschlitz genutzt wird, brummt das Geschäft. Doch bleibt das so?

 

Lange Zeit war Google der Platzhirsch in der Suche. Als Gatekeeper schleuste der Suchmaschinenprimus gut 90 Prozent des Traffics auf Webseiten. Mittlerweile scheint diese Position nicht mehr so eindeutig zu sein. Laut Karl ist Google die beste Suchmaschine für „Alles“. Aber die schlechteste für „Spezielles“. Für letztere Dinge gebe es mittlerweile allein für den deutschsprachigen Raum hunderte ernstzunehmende Suchsysteme. Nachfolgend ein paar Beispiele: Die Produktsuche verlagert sich auf Amazon und eBay. Restaurants werden auf Yelp gesucht, Hotels auf Booking.com, Ärzte auf jameda, Business-Kontakte auf XING, Erklärungen und Anleitungen auf YouTube. 

 

 

Das beste Userinterface

Noch ist es ein bisschen Zukunftsmusik, aber wir befinden uns am Vorabend der Sprachsteuerung. Dienste wie Alexa, Echo und Google Home zeigen uns, wohin die Reise geht: Digitale Assistenten in unseren Lebenswelten, die kontextabhängig auf uns reagieren, mit Sprache versteht sich. Dass sich Google schon seit Jahren darauf vorbereitet, lässt sich auch daran erkennen, dass der Konzern massiv in Technologien investiert und sein Portfolio streut. Google möchte in vielen Marktbereichen einen Fuß in die Tür bekommen. Zuletzt hat Google eine ganze Reihe an Innovationen auf den Markt gebracht.

 

Google Home, der persönliche Assistent als künstliche Intelligenz für zuhause, ist wohl mit die interessanteste. Google Chef Sundas Pichai erklärte dazu: „Unser Ziel ist es, ein persönliches Google für jeden zu bauen.“ Die kleine Smart Home-Box mit Rundum-Lautsprecher und intelligenter Spracherkennung begeistert die Tester: „Egal, ob man nach Supermärkten in der Nähe, Kinofilmen, Personen oder Musikalben fragt - Google Assistant hat fast immer eine passende Antwort parat. Besonders beeindruckend ist dabei die Kontexterkennung. Fragt man Google beispielsweise nach der Einwohnerzahl von München, gibt der Dienst nicht nur die richtige Antwort, sondern weiß auch, was mit anschließenden Fragen wie “Und wie groß ist die Stadt im Vergleich zu Berlin” gemeint ist.“. Die älteren von uns erinnert das an den Bordcomputer HAL9000 aus dem Film Odyssee im Weltraum, der wie ein weiteres Besatzungsmitglied kommunizierte. Allerdings brachte er bei seiner drohenden Abschaltung die restliche Crew um. Hoffen wir mal, dass die Smart Home-Boxen nicht so weit gehen werden! ;-) 

KI überrascht!

Eine funktionierende Künstliche Intelligenz (KI) ist die Voraussetzung dafür, dass Assistenten wie Google Home richtig funktionieren. Und gerade hier scheinen sich in den letzten Monaten die Erfolgsmeldungen über die Fortschritte zu überschlagen. Selbst Google-Gründer Sergey Brin sah das Thema nicht so explosionsartig kommen. So gewann beispielsweise Googles selbstlernender Supercomputer AlphaGo im März 2016 gegen den menschlichen Meisterspieler Lee Se Dol im Brettspiel Go. Das Spiel ist weitaus komplexer als Schach und gilt als besonders schwierig zu knacken. Im Dezember 2016 besiegte die KI Hiro von Arago im komplexen Computerstrategiespiel Civilization 80 Prozent der besten menschlichen Spieler. Und im Januar 2017 schlug die künstliche Intelligenz gar Pokerasse! Dass eine KI dieses Spiel jemals gegen Menschen gewinnen könne, hielten Experten bislang für unwahrscheinlich.

Alles bleibt anders...

Doch zurück zum Google Suchschlitz. Welche Konsequenzen haben die Entwicklungen in den Bereichen spezielle Suchdienste, Sprachsteuerung und Künstliche Intelligenz für Unternehmen und ihre Sichtbarkeitsstrategien? Antwort: Setzen Sie nicht nur auf Suchmaschinenoptimierung! Karl Kratz empfiehlt, das Risiko zu streuen. Wer nur auf die Google Suche setzt, macht sich abhängig von einem Dienst. Was, wenn Google uns nicht mehr mag, oder der Suchschlitz das Zeitliche segnet? Als Privatperson käme auch niemand auf die Idee, das gesamte Vermögen auf eine einzige Aktie zu setzen, erklärt Kratz. Deshalb sollten Unternehmen nicht einzig und alleine auf eine Trafficquelle setzen. Gehen Sie in die Suchsysteme, die von Ihrer Bedarfsgruppe genutzt werden!

 

Je breiter Sie Ihre Duftmarken setzen, desto niedriger das Risiko, dass Sie Ihre Sichtbarkeit von heute auf morgen verlieren. Echte Alternativen zur Suchmaschinenoptimierung für Google gibt es derzeit noch nicht. Aber eine Reihe weiterer Plattformen und Spezialsuchen, um von Kunden gefunden zu werden. Gehen Sie nicht mit der Gießkanne ran, sondern schauen Sie genau hin, welche Dienste Ihre Bedarfsgruppe im Internet nutzt. Ein gutes Verständnis der Customer Journey (Berührungspunkte Ihrer Kunden mit Ihrer Marke) ist die Voraussetzung, um Ihre Inhalte an den richtigen Touchpoints – seien es YouTube, Yelp oder XING - zu platzieren. Letztendlich, um gefunden zu werden. Auf der Kehrseite der Medaille steht der Aufwand, mit dem die Plattformen kontinuierlich betreut und gepflegt werden müssen.

 

Was die Zukunft von Google angeht, so wird uns der Internetgigant sicherlich noch über lange Strecken auf unserer digitalen Reise begleiten. Bei dem klassischen Suchschlitz hingegen bin ich mir nicht mehr so sicher.



Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit über 10 Jahren berate ich kleine und mittlere Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. In den bislang knapp 1.500 Beratungsfällen lag der thematische Schwerpunkt bei Onlinemarketing-Strategien und Website-Konzepten. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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