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Voice Search: Game Changer oder nicht?

20 Sep

Suchanfragen per Spracheingabe - der neue Erfolgsfaktor der Suchmaschinenoptimierung? Wir haben SEO-Experte Markus Hövener (Bloofusion) gebeten, Ihnen einen Überblick zu geben! (an)

Ansammlung bunter Fragezeichen

(20.09.2017) Es gibt immer mehr sprachgesteuerte Geräte: Viele Smartphones und Desktop-Computer können dank Siri, Cortana & Co. Sprachanfragen entgegennehmen. Und auch immer mehr Voice-only-Devices wie Google Home und Amazon Echo finden ihren Weg in deutsche Wohnungen. Damit nimmt vor allem das Interesse am Thema „Voice Search“ zu. Unter SEO-Aspekten muss man sich also fragen: Ist Voice Search ein so genannter Game Changer? Eine Technologie, die erhebliche Bedeutung für die Optimierung von Websites hat?

Zunächst: Es ist unstrittig, dass der Anteil gesprochener Suchanfragen deutlich zunehmen wird. Es gibt hierzu – und z. B. auch zur erwarteten Anzahl von Voice-only-Devices – Schätzungen, die aber auch zum Teil recht weit auseinandergehen. Wie immer wird die Zukunft zeigen müssen, wie die neue Technologie angenommen wird.

Im Folgenden geht es also nicht um die Frage, wie wichtig Voice Search werden wird, sondern ob Unternehmen sich strategisch anders aufstellen müssen. Dieser Fragen kann man sich gut mit den folgenden fünf Aspekten nähern.

Frage 1: Sucht man per Voice Search anders?

Derzeit ist es mit den beliebten Analyse-Tools Google Analytics und Google Search Console noch nicht möglich, Suchanfragen nach Voice Search zu filtern. Es ist also nicht möglich, die Frage am realen Suchverhalten zu analysieren.

Unstrittig ist aber wohl, dass man per Voice Search eher in Satz- und vor allem in Frageform spricht. Wer also auf dem Desktop eher Stichworte wie „angela merkel alter“ eingibt, wird eher „wie alt ist angela merkel“ in das Google Home sprechen. Nun ist das zwar eine andere Suchanfrage, aber Google ist in den letzten Jahren immer besser darin geworden, nicht einfach nur nach den Wörtern „wie“, „alt“, „ist“, „angela“ und „merkel“ in Dokumenten zu suchen. Vielmehr kann Google immer besser die Bedeutung einer Suchanfrage verstehen. Das funktioniert nicht immer unbedingt optimal, aber grundsätzlich und perspektivisch sollte es egal sein, ob man stichwort- oder fragenbasiert sucht.

Frage 2: Sucht man andere Sachen per Voice Search?

Verschiedene Studien lege nahe, dass die mobile Sprachsuche auch und vor allem für mobile Aufgaben genutzt wird:

  • Routen einsprechen

  • jemanden anrufen

  • nach der Zeit fragen

  •  Musik abspielen

  • ...


Zum Teil handelt es sich dabei also um „Device Actions“ – also um Kommandos, die sich an das Mobilgerät richten und die auch keine Suchergebnisse liefern. Es werden also definitiv mehr Suchanfragen gesprochen, die aber nicht unbedingt über den Suchindex laufen. Diese Anfragen sind also absolut SEO-neutral.

So formuliert Seer Interactive in seiner Analyse ganz klar:

  • „No Major Change in Search Behavior for Those Who Are Using“

  • „Not Enough Data to Strategize Differently“

Frage 3: Ist Voice Search eine Bedrohung für klassische Suche?

Wenn man nun die „Device Actions“ herausnimmt, bleiben aber immer noch Suchanfragen übrig, die man in das Gerät reinspricht und die man „früher“ per Desktop eingegeben hätte. Wie sieht es damit aus?

Hier gibt es durchaus Konfliktpotenzial, denn Google liest bei einer Suchanfrage genau ein Suchergebnis vor. Es gibt keine 10 Suchergebnisse, sondern nur noch eine einzige Seite, die dann vorgelesen wird. Während man auf dem Desktop also z. B. auch mit einem Ranking in der zweiten Hälfte der ersten Suchergebnisseite durchaus noch Klicks generieren kann, gelingt das bei Voice Search nicht mehr.

Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass Google die Antwort vorliest: Kein Mensch besucht die Website, niemand meldet sich dort für einen Newsletter an, es findet kein echter Markenkontakt statt. Hier droht sicherlich noch reichlich Ungemach, weil man von einem Ranking dann nichts Messbares mehr hat.

Aber auch Google hat noch keinen Weg gefunden, die Suchanfragen zu monetarisieren. Die „sichtbaren“ Suchergebnisse sind ja in der Regel gut mit AdWords-Werbung durchzogen – Voice-Search-Ergebnisse sind hingegen noch eine werbefreie Zone.

Frage 4: Nehmen Voice-only-Devices wie Amazon Echo dem Markt E-Commerce-Volumen weg?

Beim Amazon Echo kann man über eine einfache Anfrage ein bestimmtes Produkt in den Einkaufskorb legen und kaufen. Das hat sicherlich ein gewisses Potenzial, noch mehr Geschäft für den E-Commerce-Riesen Amazon zu generieren.

Aber: Das funktioniert nur bei vordefinierten Produkten. Man kann sicherlich eine Packung Waschmittel oder vielleicht einen „GIRA 018803“ schnell bestellen. Aber bei allen Produkten, bei denen eine Auswahl zu treffen ist, wird das kaum funktioniert – auch, weil es weder visuelles Feedback, noch die Möglichkeit der Paginierung (durch Produktlisten blättern) gibt.

Also: Ein gewisses Potenzial haben diese Geräte, aber eben eher bei Low-Interest-Produkten.

Frage 5: Was soll ich in Bezug auf Voice Search und SEO nun machen?

Der Markt für Voice Search befindet sich noch ganz am Anfang. Wie so oft bei bestimmten Hype-Themen wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob diese Produkte auch vom Massenmarkt angenommen werden.

Meine Empfehlung:

  • Für gut 200 Euro kann man ein Google Home und ein Amazon Echo kaufen. Wer Interesse hat, sich mit solchen Geräten zu beschäftigen, sollte das machen. Denn: Diese Devices werden sich wahrscheinlich durchsetzen.

  • Ich glaube nicht, dass sich kurz- und mittelfristig in Bezug auf SEO irgendetwas ändert. Solange Google keine Möglichkeit bietet, die Suchanfragen über Voice Search zu filtern, geht es um „glauben“ und nicht um „wissen“ – und darauf sollte niemand eine Entscheidung basieren.

  • Häufig wird in Zusammenhang mit Voice Search die SEO-Implikation hergeleitet, dass man jetzt anfangen sollte, Fragen der Nutzer auf der eigenen Website zu beantworten. Das ist richtig – war aber auch schon vor der Voice Search richtig. Derartige Inhalte sind grundsätzlich sinnvoll, um Nutzer aller Geräte anzusprechen und später in Kunden zu verwandeln. Man sollte also W-Fragen-Tools nutzen, um das Frageverhalten potentieller Käufer zu analysieren und entsprechende Inhalte planen zu können.

Mehr Lesestoff

Wer sich noch stärker in das Thema einlesen möchte, sei auf die folgenden englischsprachigen Dokumente verwiesen:

 

Übrigens: Diesen Beitrag gibt es in etwas umfänglicherer Form auch als Podcast. Unter der URL http://bloo.link/sc29 findet sich die Folge 29 des Podcasts „Search Camp“, in dem die genannten fünf Fragen diskutiert werden.

Unglaublich, aber wahr - unseren Unternehmen ist SEO mittlerweile so wichtig, dass wir unsere Suchmaschinenseminare ein halbes Jahr im Voraus planen. Deshalb wissen wir auch schon, dass es das nächste große Live-Update bei uns am Donnerstag, den 26. April geben wird. Hier können Sie sich schon mal einen Platz reservieren. (an)

 

 

Gastautor

BIEG-Gastautor Markus Hövener
Markus Hövener

Der Gründer und Head of SEO der Online-Marketing-Agentur Bloofusion ist als geschäftsführender Gesellschafter verantwortlich für alle Aktivitäten der Agentur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA sowie Chefredakteur des Magazins suchradar (www.suchradar.de).

http://www.bloofusion.de

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