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Wollen SEOs 2017 noch Backlinks? Aber ja! Aber nein?

15 Mär

(15.03.2017) Kürzlich durften auch wir – nochmals vielen Dank – einen BIEG-Leitfaden beisteuern: Linkaufbau heute – die andere Seite der Suchmaschinenoptimierung. Wir gaben uns alle Mühe, darin ohne SEO-Begriffsgeschwurbel die wichtigsten Aspekte rund um Backlinks zu erläutern. Eine zentrale Frage kam dabei allerdings etwas zu kurz. Hiermit möchten wir daher die Frage nebst dialektisch angehauchter Antwort nachliefern.

Die Frage lautet:

Was überhaupt hält die SEO-Branche aktuell von Backlinks und Backlinkaufbau?

Wohlgemerkt: die SEO-Branche. Nicht wir. Unsere ganz persönliche Meinung fiele unzweideutig und damit vorhersehbar aus: Wir lieben Offsite-SEO und wir lieben Links! In den unendlichen Weiten der SEO-Blogosphäre ist der Fall aber weniger klar…


Backlinks ja? Nein? Jein? Über die Uneinigkeit der SEO-Szene.

Bestimmt haben Sie bereits Positives über Backlinks gelesen.
Bestimmt haben Sie bereits Negatives über Backlinks gelesen.

Link-Befürworter und -Gegner streiten gern. Sobald es erneut von irgendwo her „Links sind tot!“ trompetet, schmettert es zuverlässig bald ein „Nie und nimmer!“ zurück – erst jüngst wieder unter cognitiveseo.com schön zu sehen. Eine Situation, die spannend zu beobachten und manchmal richtig unterhaltsam ist, speziell wenn sich in einer Debatte die Gemüter erhitzen und der Tonfall biestiger wird. Wie das Hin und Her auf Nicht-SEOs wirkt, steht derweil auf einem anderen Blatt.


Website-Besitzer, clever, erfolgreich, SEO-interessiert, sucht…

Für Außenstehende ist der Streit vor allem eines: verwirrend. Sie, liebe/r Leser/in, besitzen eine Website? Dann haben Sie unser volles Mitgefühl. Wenn Sie das Thema Linkaufbau in Angriff nehmen möchten und hierzu vorbereitend googeln, tja, dann… Erstens werden Sie sich bald fragen, ob Sie eigentlich der Ja- oder Nein-Partei folgen sollen. Zweitens dürfte es für Sie schwierig sein, seriöse von unseriösen SEO-Stimmen zu unterscheiden. Aus genau diesem Grund haben wir den vorliegenden Artikel verfasst.

Was hält die SEO-Branche aktuell von Backlinks und Backlinkaufbau?

Im Folgenden zeichnen wir für Sie nach, wie sich die Diskussion um Backlinks seit 2016 entwickelt hat. Abschließend fassen wir zusammen, welche Position man als die stärkere einschätzen darf und warum wir so denken. Sollten Sie es nicht abwarten können, gelangen Sie hier direkt zum Fazit; allen anderen Lesern wünschen wir nun viel Vergnügen mit unserem kleinen Ausflug ins Streithammelreich der Suchmaschinenoptimierung.

Searchmetrics-Studie 2016: Links nein, oder doch? Die unentschiedene Seite.

Bild: cartoonresource - Fotolia

Es handelt sich um eine der jüngsten Link-skeptischen Äußerungen, die man ernstnehmen muss:

"Vorbei sind die Zeiten, als Suchmaschinen-Rankings maßgeblich durch Backlinks entschieden wurden. Backlinks sind heute einfach ein Ranking-Faktor von vielen – vor allem vor dem Hintergrund der Zunahme von mobilen Suchanfragen. Schließlich wird eine URL auf Mobilgeräten geliked oder geshared, aber wohl kaum aktiv verlinkt. […] [Links] sind zwar weiterhin Teil des Algorithmus, aber nicht wie früher das Maß aller Dinge."

So ist es zu lesen auf Seite 7 der neuesten Searchmetrics-Studie Rebooting Ranking-Faktoren – Google.de, veröffentlicht im Dezember 2016. Die datengetriebene Studie des SEO-Tool-Anbieters Searchmetrics erscheint jedes Jahr und gilt zurecht als fundierte Quelle für seriöse Aussagen hinsichtlich SEO-Trends.

Hervorzuheben ist die Bemerkung, Links verlören aufgrund „der Zunahme von mobilen Suchanfragen“ an Bedeutung. Es klingt zweifellos plausibel, dass ‚klassische‘ Linksetzung auf mobilen Endgeräten nicht gerade üblich ist. Offenbar sind SEO-Experten jedoch keineswegs sicher, ob Google seinen Algorithmus in absehbarer Zeit auf alternative Aktivitätssignale wie Likes oder Shares einstellen kann (respektive will).

Dass das Ranking-Gewicht von Backlinks schon bald allein aufgrund der Mobile- und Social-Dominanz abnehmen wird, ist gemäß dem Mobile-Index-FAQ von searchengineland.com „nicht zu 100 Prozent klar” und wurde seitens Google bisher nur ausweichend kommentiert. In dieselbe Kerbe schlug vor kurzem ein Blogbeitrag von searchenginepeople.com, wo es hieß: „[S]ocial media is not a strong ranking signal to Google and it’s unlikely that will change in 2017.”

Sei’s drum, so akkurat hergeleitete Aussagen wie die von Searchmetrics haben natürlich stets ihre Berechtigung. Trotzdem: Es wurde unseres Erachtens der 2016er-Studie nicht unbedingt gerecht, dass danach Websites wie onlinesolutionsgroup.de das obige Zitat auf unilaterale Formeln wie „Backlinks sind jetzt einfach nur noch einer von vielen Faktoren“ verkürzten.

Wer die Searchmetrics-Studie nämlich aufmerksam studiert, findet darin auf Seite 60 (hey, besser spät als nie) genauso die Relativierung der oben zitierten Aussage:

"Backlinks sind (nur) noch einer von vielen Faktoren, aber sie müssen verdient werden. Als Webmaster selbst kann das Setzen von externen Links auf der eigenen Seite, wenn im Kontext für den User relevant, positive Effekte haben. Schließlich sind und bleiben Verlinkungen einer der Grundprinzipien des Web."

 

Ergo: Der vermeintliche Backlink-Abgesang seitens Searchmetrics ist eigentlich gar keiner. Links „sind und bleiben […] einer der Grundprinzipien des Web“? Links „müssen verdient werden“ und können „positive Effekte haben“? Das klingt durchaus anders als die Aussage, wonach sie „nicht wie früher das Maß aller Dinge“ seien. Die Searchmetrics-Studie spricht sich somit gar nicht allzu eindeutig gegen oder für Backlinks aus – ein Hinweis, den wir in vielen Nachberichten übrigens vermissten.

Das heißt, Searchmetrics ergreift gar nicht so radikal Partei, wie es auf den ersten Blick erscheint. Eher stellt Searchmetrics eine SEO-Partei der Mitte. Alles andere wäre aber wahrscheinlich auch unvorsichtig gewesen. Warum wir das denken? Weil sich im Jahr 2016 Google höchstselbst zu Wort meldete. Und sich wohlwollend gegenüber Backlinks zeigte.


Googles Position: Links sind so wichtig wie Content. Die Pro-Seite.

Wessen Wort wäre in SEO-Angelegenheiten gewichtiger als das des Suchmaschinenriesen selbst? Für Backlink-Fans war das Jahr 2016 in dieser Hinsicht geradezu ein Fest. Weshalb, dürfte sogleich deutlicher werden.

Die angedeutete Backlink-Euphorie hängt mit dem Namen Anredy Lipattsev zusammen. Selbiger hat in der SEO-Branche inzwischen einige Berühmtheit erlangt. Der Grund: Lipattsev (Search Quality Senior Strategist bei Google Ireland) erläuterte am 23. März 2016 bei einer Talkrunde von WebPromo Expert, dass er Backlinks zu den drei wichtigsten Ranking-Faktoren zähle, neben Onsite-Content und der selbstlernenden K.I. RankBrain.

 

Wörtlich sagte Lipattsev: „It’s content, and links pointing to your site.“ Die Rückverweise seien „still as important as they were“, hob er zusätzlich hervor. Das dabei aus heutiger Sicht Entscheidende: Uns wäre nicht bekannt, dass Google dieses bald ein Jahr alte Statement irgendwann dementiert hätte – stattdessen folgten sogar weitere Äußerungen (fürs Sammeln danke an Christoph C. Cemper von den Linkresearchtools), die Google als Backlink-Fürsprecher auswiesen.

Diese Google-Meldungen waren im Übrigen nicht alles. Daneben wurden im Laufe des Jahres 2016 diverse Analysen und Kommentare veröffentlicht, worin man die ungebrochene Wichtigkeit von Backlinks ebenfalls schlussfolgerte. Einer der spannendsten Beiträge stammt dabei von stonetemple.com, aber auch honorable Portale wie t3n.de oder searchengineland.com ließen es sich nicht nehmen, die Bedeutung von Links für Platzierungen, Markenbekanntheit und Besucherzahlen hervorzuheben (wie sich Links im Einzelnen positiv auswirken können, dürfen Sie gerne in unserem BIEG-Leitfaden nachlesen).

Da affirmative Beiträge im noch jungen Jahr 2017 nicht weniger häufig auftauch(t)en, lässt sich sagen: Der Backlink genießt in letzter Zeit recht viel Rückhalt in der SEO-Branche. Sieht es da nicht schlecht aus für die Link-Gegenseite? Schauen wir mal.


 

Wer 2016 gegen Backlinks trommelte und dafür vertrommelt wurde. Die Contra-Seite.

Ein intensiver Schlagabtausch zwischen den Link-Lagern begann am 12. April 2016 im Blog von seokratie.de. Hier wurde sie gestellt, die Frage aller Fragen: „Brauche ich überhaupt noch Linkbuilding?“ – „Von mir gibt es hier ein klares Nein“, gab sich Autor Julian Dziki umgehend selbst die Antwort. Linkbuilding lohne sich schließlich nicht mehr, sei inzwischen zu anstrengend geworden und basiere ohnehin meist auf anrüchigen Methoden.

Diese Art der Argumentation gefiel nicht jedem in der Szene.

Nur einen Tag später reagierte man darauf im Blog von sistrix.de. Ziemlich emotional sogar.

Bereits die Überschrift des Sistrix-Posts lautete unmissverständlich: „Nur Dummköpfe ignorieren Linkbuilding!“ Dem ließ Autor Johannes Beus die Invektive „[w]er Linkaufbau ignoriert, handelt töricht“ folgen und beurteilte Julian Dzikis Ansichten als „sehr subjektiv“ und „so verallgemeinert auch falsch“. Klar, das wäre zweifellos diplomatischer gegangen, aber was an dieser Stelle zählen soll, ist Beus’ Beweisführung.

Wie verlieh Beus seiner eigenen Gegen-Meinung fachliches Gewicht? Er führte als der vielleicht Erste in Deutschland Lipattsevs „It’s content, and links“-Statement ins Feld, womit er freilich punktete. Beus entkräftete Dzikis Beschwerde über die fragwürdigen Linkaufbau-Methoden der SEO-Branche, indem er darauf verwies, dass nurmehr die letzten schwarzen Schafe Link-Spam verbreiten. Ein wichtiger Hinweis, doch als am triftigsten empfinden wir, dass Beus auf eine echte argumentative Schwäche Dzikis aufmerksam machte. Nämlich das Ächzen und Stöhnen über den mühevollen („unglaublich aufwendig[en]“) Linkaufbau.

In der Tat ist dies wenig stichhaltig: Wenn ein Ziel – hier: einen Backlink zu erhalten – schwer zu erreichen ist, ist es deshalb ja keineswegs sinnlos oder falsch. Es verhält sich in unserem Fall sogar umgekehrt. Je schweißtreibender der Kampf um Backlinks wird, je seltener es noch Backlinks gibt, desto höher muss Google jeden einzelnen davon gewichten, desto mehr sollte man folglich jeden Link wertschätzen.

Überdies verknüpfte Beus das Thema Linkaufbau richtigerweise mit dem Thema Content. In einem separaten Kommentar ließ er wissen:

"Für mich fängt Linkbuilding bereits bei der Konzeption von sinnvollen Inhalten an […]. Und erst dann kommt die Frage: wie werden Menschen darauf aufmerksam und verlinken es auch."

Anders gesagt, mit dem Bewusstsein für die Schwierigkeit der Linkgewinnung wächst auch die Motivation, auch tatsächlich empfehlungswürdige Inhalte zu offerieren. Wenn demnach das Verlangen nach Links (und ja, nach Shares und Likes) zu besserem Content führt – wer bringt es da noch übers Herz, gegen sie zu wettern…?

Dzikis gegen Backlinks gerichteter Vorstoß wurde Szene-intern also wüst abgeschmettert. Und was ist mit anderen aktuellen und relevanten Gegenstimmen? So viele scheint es da nicht einmal zu geben. Die neuesten, die wir kennen, beziehen sich in der Regel auf die oben vorgestellte Searchmetrics-Studie. Und um die Wahrheit zu sagen: Sie beschränken sich darauf, die Searchmetrics-Studie wiederzukäuen. Sehr überzeugend ist das aus unserer Sicht nicht; Beispiele dafür finden Neugierige etwa bei seo-suedwest.de oder internetworld.de.


Unser Fazit: Der Daumen der Suchmaschinenoptimierer zeigt also nach…

Zunächst gab es 2016 definitiv einen Trend, sich von den Verweisen abzuwenden. Die „Warum willst Du 2016 noch Links“-Polemik Dzikis lässt sich als sichtbares Symptom dafür betrachten. Insgesamt überwog 2016 allerdings, nicht zuletzt infolge Lipattsevs Fürsprache, die Backlink-Zuneigung. Für eine erneute Trendwende steht die Searchmetrics-Studie. Ihretwegen scheinen einige Vertreter der SEO-Branche nur zu gern auf den „Backlinks sind weniger wichtig“-Zug aufzuspringen.

Dies gilt aber nur zum Teil. Anderswo reagiert man mit Protest auf die Searchmetrics-Ergebnisse. So lesen wir etwa bei selbststaendig-im-netz.de:

"Vergleichsweise sind Backlinks, zumindest meiner Ansicht nach, aber trotzdem noch wichtiger als viele andere Faktoren. Zumindest ich stelle immer wieder fest, dass gute Links nach wie vor ihre Wirkung zeigen und das deutlich schneller als jede andere Optimierung."

Was so weit ja nicht von der Searchmetrics-Studie entfernt ist. Denn diese selbst argumentiert ja, wie gesehen, eher zaghaft gegen die Links. Das war augenscheinlich klug, da zuvor die weniger zimperliche Kritik von seokratie.de auf wenig Gegenliebe gestoßen war und darüber hinaus Google selbst die Backlink-Wichtigkeit mehrmals unterstrichen hatte. Zusammen mit den anderen Statements, die sich 2016 und 2017 ansammelten, ergibt sich damit ein insgesamt Backlink-freundliches Bild. Daher halten wir die nun folgende Empfehlung für legitim.

Spätestens wenn der eigene Content endlich zielgruppenadäquat aufbereitet ist, sollte man sich als Website-Betreiber mit dem Thema Backlinks auseinandersetzen. Man sollte sich anschauen, wie man in der je persönlichen Situation Sorge für Backlinks tragen kann. Wo die Links sinnvollerweise erscheinen müssten. Wie diese Links am ehesten aussehen dürfen. Und dann alles daransetzen, diese auch zu ergattern! Hierzu finden Sie in unserem BIEG-Leitfaden einige wertvolle Tipps, wobei wir etwa auch cognitiveseo.com, moz.com oder charlesfloate.co.uk als Inspirationsquelle wärmstens empfehlen können.

Selbst wer kein Link-Enthusiast ist, wird zugeben müssen, dass ein Link als echte, ernstgemeinte Empfehlung (und als solche wertet Google ihn noch immer) niemals unerwünscht sein kann. Ein Gleiches gilt natürlich für Retweets, Likes, Shares und wie all die Social Signals eben heißen. Tatsächlich könnten auch letztere Signale zunehmend Ranking-relevant werden, insofern Google sie als Indikator dafür akzeptiert, dass man Ihre Website interessant findet und mit ihr interagiert. Noch steht die Mehrheit der SEO-Szene indessen zu der Auffassung: Backlinks bringen Traffic, Reputation und sind der mit Abstand stärkste Einflussfaktor in Bezug auf organische Suchplatzierungen.

Schön wurde das unter bonek.de auf den Punkt gebracht:

"Das liegt ganz einfach daran, dass Backlinks in den Augen des Suchmaschinengiganten so etwas wie ein „Voting“ für Deine Webseite sind. Und hier gilt fast das Gleiche wie im Wahlkampf: Je mehr Stimmen Deine Webseite bekommt, umso besser."

 

In diesem Sinne: Sie möchten diesen Artikel verlinken?

Ach wissen Sie… wir fänden das okay.





Mehr zum Thema:


Gastautor

Christian Stenger

Als SEO Offsite Consultant der Online Marketing Solutions AG konzentriert sich Christian Stenger aktuell auf Suchmaschinenoptimierung mit und ohne Links. Allgemein liebt er Digital Marketing: Seine Erfahrungen als Texter, Lektor, Konzepter, Mediengestalter und Literaturwissenschaftler zahlen sich hier gleicherweise aus.

http://www.omsag.de

Gastautor

Carsten Schuwerack

1996 gründete Carsten Schuwerack eins der ersten Internet-Gaming-Cafés Deutschlands. Seit je gehört sein Herz dem Digital Marketing, was er momentan in der Online Marketing Solutions AG als Leiter der Abteilung SEO-Offsite unter Beweis stellt. Unermüdlich teilt er auch auf Twitter, was ihn fachlich begeistert und antreibt.

http://www.omsag.de

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