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Auf der Website gute Gefühle wecken: Emotional Webdesign

28 Jan
Emotionalisierung auf der Website
© olly - Fotolia.com

(28.01.2015) Emotionalisierung war eines der Schlagwörter, die im vergangenen Jahr am häufigsten auf unseren Online-Marketing-Seminaren gefallen sind. Das Wort ist vielen noch neu, das Prinzip dahinter erschließt sich jedoch leicht: Kunden treffen ihre Kaufentscheidungen vornehmlich auf Basis von Gefühlen - sogar im B2B. Man verkauft also besser und mehr, wenn der Kunde sich beim Kauferlebnis wohlfühlt. Hier sieben Tipps für die Emotionalisierung Ihres Webangebots:

 

1. Hohe Usability reduziert Stress

Bevor Sie versuchen, positive Gefühle im Nutzer zu wecken, sollten Sie sicherstellen, dass Sie nicht an anderer Stelle negative Reaktionen provozieren. Das Webdesign selbst emotionalisiert - es kann glücklich oder unglücklich machen. Geben Sie Website-Besuchern einen guten Überblick über Ihr Angebot und gestalten Sie es leicht navigierbar - das reduziert Stress und Frustration. Holen Sie Nutzer auf die Art und Weise ab, die zu Ihrer Zielgruppe passt und Ihrem typischen Kunden entgegenkommt. Studien haben gezeigt, dass gestresste und frustrierte Personen eine defensivere Grundhaltung einnehmen, die dazu führt, dass sie weniger kaufen.

 

2. Machen Sie sich bei der Bildauswahl natürliche menschliche Reaktionen zunutze

Der Anblick von Babies, Haustieren oder beispielsweise Plüschtieren entspannt und macht glücklich, denn er weckt Beschützerinstinkte. Wenn man angelächelt wird, lächelt man automatisch zurück. Der Anblick von Naturaufnahmen beruhigt. Aufnahmen mit ikonischen Momenten aus der Zeitgeschichte wie dem Fall der Berliner Mauer oder der Mondlandung wecken sofort eine Fülle von konkreten Assoziationen und Emotionen im Betrachter. Machen Sie sich diese natürlichen Reaktionen bei der Auswahl Ihrer Bilder zunutze.

Emotional Webdesign - BIEG Hessen
Eine der Fehlermeldungen auf der Social Platform Tumblr.

3. Bringen Sie Ihre Besucher zum Schmunzeln

Vielleicht würde es Ihre Zielgruppe zu schätzen wissen, wenn man sie zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln bringt. Zeigen Sie Selbstironie oder überraschen Sie bspw. durch den Einsatz von Cartoons oder amüsanten Fehlermeldungen - siehe Screenshot. Humor muss natürlich zu Ihrem Geschäftsmodell passen und kommt bspw. nicht so gut an, wenn sich eine gestresste IT-Fachkraft verzweifelt auf der Suche nach einem wichtigen Bug-Fix befindet und auf dem Weg zu diesem Ziel durch nichts abgelenkt werden will. Anders kann es im Endkundenbereich insbesondere in jungen Zielgruppen aussehen. Der Wille ist dort höher, sich länger auf der Website aufzuhalten und mit dem Angebot zu interagieren - zum Beispiel im Couch Commerce. Oder vielleicht färbt sich Ihr Onlineshop-Warenkorb in ein fröhliches Grün, wenn er gefüllt wird?


4. Personalisierung erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit

Personalisierung bedeutet, dass Sie einen klaren Absender auszeichnen, von dem Ihre Texte und Botschaften stammen, und dass Sie den Empfänger eindeutig ansprechen. Wir kennen das aus dem E-Mail-Marketing beim Versand personalisierter Newsletter, die den Empfänger mit Namen begrüßen, oder nach dem Einloggen im Onlineshop: "Willkommen zurück, Herr Schmitt!". Auch ohne den Namen des Empfängers zu kennen, können Sie jedoch die Aufmerksamkeit auf ihn lenken. Denken Sie an Bilder, in denen ein Finger auf den Betrachter zeigt, oder Überschriften, die mit "Du. Ja, genau du" beginnen. Absenderklarheit könnten Sie bspw. schaffen, indem Sie den verantwortlichen Mitarbeiter mit Foto und Namen neben dem Text zeigen und deutlich machen, dass im Text der Mitarbeiter zum Besucher spricht. Eine andere Möglichkeit besteht im Einsatz von einem Maskottchen, das im Namen des Unternehmens durch die Website führt - das ist allerdings stark aus der Mode gekommen, denn wie wir alle noch aus den Tagen der Microsoft-Büroklammer wissen, geht das falsche Maskottchen an der falschen Stelle Nutzern schnell auf die Nerven. Es gehört eher in den Jugendbereich. Scheuen Sie nicht davor zurück, in Ihren Websitetexten mit "wir" und "ich" zu arbeiten und Ihrem Unternehmen eine erkennbare Stimme zu geben. So wird der Kontakt des Besuchers mit dem Unternehmen auf der Website persönlicher, und der Besucher fühlt sich wohler.


5. Gamification

Gamification nennt man den Einsatz von Elementen, die typischerweise in Spielen zum Einsatz kommen. Eine der älteren Formen von Gamification im Internet kennen Sie vielleicht aus Foren, in denen die Anzahl der verfassten Beiträge neben dem Namen des Nutzers angezeigt wird. Je nach Thema des Forums steigt der Nutzer dann bei steigender Beitragszahl im Kochforum vom "Azubi" zum "Chefkoch" oder im Games-Forum vom "Forenfähnrich" zum "Flottenadmiral" o.ä. auf. Das funktioniert erfolgreich als Incentive für die Nutzer, weitere Beiträge zu verfassen. Gamification Tools können z.B. die Einbindung von Erfahrungspunkten, Fortschrittsbalken, Ranglisten oder das Verschenken von "virtuellen Gütern" wie bspw. digitalen Ehrenmedaillen sein. Stellen Sie sich eine automatisierte E-Mail vor, die Onlineshopkunden beim soundsovielten Kauf ein Dankeschön-Bild schickt - idealerweise natürlich mit einem Gutschein oder Rabattangebot. Gamification fordert Nutzer zur Interaktion mit der Website auf. Das erzeugt Spannung, weckt Ehrgeiz und macht Spaß.


6. Storytelling

Wer auf seiner Website Geschichten erzählt, weckt Spannung. Wird die Spannung am Ende der Geschichte aufgelöst, produziert der Besucher Glückshormone, fühlt sich glücklich und entspannt. Gleichzeitig halten Geschichten den Leser bei der Stange und erwecken erhöhte Aufmerksamkeit, denn sie lesen sich leichter als sachliche Texte, und man fühlt sich besser unterhalten. Geschichten können direkt im Text erzählt werden ("Tanja hatte immer große Probleme bei der Veranstaltungsplanung, bevor sie unser Produkt fand"). Sie können auch durch Bilder vermittelt oder in Videos verpackt werden.


7. Webvideos

Webvideos sind derzeit auf dem ungebremsten Vormarsch. Die Internetverbindungen der Nutzer sind jetzt schnell genug, dass auch auf dem Handy Videomaterial abgespielt werden kann, und kein anderes Format lässt sich bequemer konsumieren: Es verbindet die besten Aspekte von Text und Bild. Videos reichen von 3-sekündigen Loops über den Einsatz als stummes Bewegtbild anstelle von Fotos (wie bspw. auf der Website des diesjährigen Hessischen Website Award-Siegers) bis hin zu den traditionellen Videos, die wir von YouTube gewohnt sind. Deshalb sind die Einsatzmöglichkeiten von Videos schier unendlich. Sie können hier den Kunden direkt ansprechen, Sie können Geschichten erzählten, mit Schnitt, Ton, Bild und Choreographien arbeiten, Spannung aufbauen. Doch Achtung: Wie bei allen anderen Social Media-Tools auch, ist der Videozuschauer heute verwöhnt. Nur ein professionelles Produkt überzeugt. Die Videoproduktion gestaltet sich daher meist erheblich aufwändiger als die Bildersuche oder Textproduktion - und wenn Sie einen Dienstleister hinzuziehen, auch als teurer.

Nicht von Gimmicks ablenken lassen!

Aber Achtung: Zuallererst muss Ihre Website immer funktional sein. Stellen Sie sicher, dass der Nutzer sich leicht orientieren kann, immer weiß, was Sie ihm anbieten, und nicht durch Gimmicks vom Kauferlebnis abgelenkt wird. Am Ende muss immer alles wie aus einem Guss wirken. Wählen Sie sorgfältig aus, was zu Ihrer Zielgruppe, Ihrem Geschäftsmodell und Ihrer Online-Marketing-Strategie passt. Es geht darum, den Besucher so subtil zu verzaubern, dass er gar nicht merkt, wie ihm geschieht. Setzen Sie Ihre Emotionalisierungsstrategien mit großem Bedacht ein, denn wenig an der richtigen Stelle ist in der Regel mehr.

Unterstützung bekommen Sie beim Website-Check

Wenn Ihr Unternehmen Mitglied der IHK Frankfurt am  Main, Offenbach am Main, Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern oder Fulda ist,  können Sie für Hilfe und Unterstützung mit Ihrem Webauftritt unsere kostenfreien Website-Checks in Anspruch nehmen oder eines unserer anderen Beratungsformate nutzen. Unsere Beratungen sind ein produkt- und dienstleisterneutrales Angebot, das von hessischen IHKs getragen wird. Freie Termine finden Sie hier.

Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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