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Möbel online greifbar machen: Best-Practice-Beispiel www.nestgold.co

03 Dez

(03.12.2015) Letzte Woche haben wir Ihnen den ersten Sieger des Hessischen Website Awards 2015 vorgestellt. Heute geht es mit dem zweiten Preisträger weiter: der Website www.nestgold.co des Wiesbadener Designer- und Innenarchitektenquartetts Coformat. Aus einer Bürogemeinschaft hervorgegangen, vertreiben die vier Jungunternehmer im Internet gemeinsam ihre hochwertigen Designmöbel. Die Website haben sie in-house in Wordpress entworfen und umgesetzt; sie dient als primärer Verkaufskanal. Als „pur und konzentriert“ beschrieb Jurorin Petra Jacob, u-concept, den Internetauftritt bei der Preisverleihung im Oktober. Heute stellen wir Ihnen vor, was sich dahinter verbirgt!

Angebot und Website sind eins



Erinnern Sie sich noch daran, wie Unternehmenswebsites vor zehn Jahren aussahen? Damals dienten sie in der Regel dazu, das Unternehmen auf der „Web-Visitenkarte“ vorzustellen, und verfolgten darüber hinaus keinen anderen Zweck. Die Menüs sahen immer ähnlich aus: „Unsere Produkte“, „Unser Unternehmen“. Natürlich gab es auch damals schon Website mit aussagekräftigeren Menüs. Aber weil die Websites alle ungefähr den gleichen Zweck verfolgten, hatten sie eben auch ähnliche Strukturen.

Heute löst sich dieses Schema F erst langsam auf. Es gibt natürlich immer noch Websites mit Visitenkartenfunktion. Doch dank Digitalisierung, technischem Fortschritt und verbesserten Online-Marketing-Strategien haben Unternehmen heute die Möglichkeit, Websites mit ganz anderen Zielen ins Internet zu stellen und sie dann auch ganz anders aufzubauen.

Die Macher von www.nestgold.co wollen auf der Website genau eins: Möbel verkaufen. Es gibt hier keine komplexe Contentstrategie, keinen Blog. Es gibt keine altmodische Trennung von Website mit Unternehmensdarstellung und Onlineshop.

Es werden Möbel verkauft. Ein traditionelles Menü ist da kaum nötig. Außer zu den Möbeln und zum Kaufabschluss geht es nirgendwohin. Als einzige zusätzliche Information werden ein „Über Uns“-Bereich und eine Gründergeschichte angeboten, denn natürlich will man als zukünftiger Verkäufer insbesondere bei so hochpreisigen Produkten auch wissen, wer sich hinter dem Angebot verbirgt. Hier stößt der Besucher dann auf eine sympathisch ausgestaltete Präsentation der Produkte und Serviceleistungen von Nestgold in Text und Bild im Storytelling-Format. Dabei helfen auch die sympathisch personalisierten Namen der Möbel: Mrs. Milk, Mr. Bold, Mr. Cube. Und via Links geht es immer wieder zu den Angeboten zurück.

Ganz besonders imponiert natürlich, dass das Webdesign sich am Produkt orientiert: Stilistisch imitiert das reduzierte Design der Website das reduzierte Tischdesign.

Konfigurator macht Produkte greifbar

Dass Nestgold verstanden haben, wie man das Internet effektiv als Vertriebskanal einsetzt, zeigt auch die Produktpräsentation. Denn der Möbelhandel ist ja eine der Branchen, die sich grundsätzlich im Internet im Nachteil befinden: Man will ein Möbelstück ja schließlich vor dem Kauf angesehen und angefasst haben. Man will an diesem Tisch gesessen haben. Branchenriesen wie IKEA investieren deshalb bereits seit Jahren in die Entwicklung von Apps und Augmented-Reality-Anwendungen, die es beispielsweise ermöglichen, die angebotenen Möbel via Handy in einer virtuellen Version der eigenen Wohnung anzusehen. Für den Mittelstand standen derartige Lösungen bis vor Kurzem noch gar nicht zur Debatte; die Entwicklung von Individuallösungen überstieg bei Weitem das Budget, und die richtige vorgefertigte Lösung war noch nicht auf dem Markt.

Deshalb ist www.nestgold.co mit ihrem aufwendig programmierten Produktkonfigurator ganz vorne mit dabei. Viel Zeit und Mühe wurde auf dieses Feature verwendet, berichtete Colin Stark, einer der vier Nestgold-Geschäftsführer bei der Preisverleihung. Der Konfigurator sollte sie von der Konkurrenz abheben, das Produkt greifbarer machen, das haptische Erlebnis ersetzen und erzeugt 400 – 700 Renderings pro Tisch.

Zielgruppe 30+

Die vier Kreativen von Nestgold sind mit ihrem Gefühl für das Geschäft in der digitalisierten Welt vorne mit dabei. Gebremst werden sie dabei höchstens von ihrer Zielgruppe. Denn die liegt bei 30+, setzt sich also aus Digital Immigrants zusammen, die ihre Kindheit noch ohne Internet verbracht haben. Colin Stark berichtet, dass der Mobile Traffic „überschaubar“ bleibt – obwohl die Website durchaus problemlos auf dem Handy darstellbar und bedienbar wäre. Die ungewöhnliche .co-Domain hat manche Kunden überfordert. Sie wurde ausgesucht, weil zum Zeitpunkt des Website-Launchs die .de-Domain nicht zur Verfügung stand. Nestgold fand die .co-Domain charmant; doch der digital wertkonservative deutsche Käufer erwartet eine .de-Domain. Heute steht auch eine Umleitung von www.nestgold.de her bereit.

Hessischer Website Award 2016

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Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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