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Die Außenposten: Facebook, Twitter & Co.

Alles bisher Beschriebene haben Sie unter Ihrer Kontrolle, was Umgebung und Design angeht. Externe Inhalte betten Sie ein, es erscheint aber trotzdem alles „bei Ihnen“; das ist vergleichbar mit Ihrem Geschäft, der Werkstatt etc. Auf Plattformen wie Facebook, Youtube und Co. hingegen sind Sie nur Untermieter in einer Einkaufsmeile – häufig mit wenig Gestaltungsmöglichkeiten, aber dafür mit größeren Reichweiten. Allerdings: Wenn „alle“ potentiellen Kunden regelmäßig auf Facebook oder in einem Fachforum unterwegs sind, lohnt es sich, dort ebenfalls präsent zu sein.

Besuchen Sie einmal Youtube, suchen Sie nach den Begriffen Ihrer Branche – und schauen Sie sich dann die Aufrufzahlen solcher Videos an. Sie werden feststellen, dass selbst abstruse Videos („So arbeitet diese Maschine“) begeisterte Fans haben. Diese Besucher suchen nach einem Thema und klicken sich dann zum nächsten Video weiter. Es ist Ihre Aufgabe – immer wieder und von überall –, sie zu sich zu holen. Das bedeutet, jeder Außenposten muss autark funktionieren, mit Kurzinfo, Link zu Ihrer Webseite usw. Behandeln Sie jedes Medienelement als den ersten jemals stattfindenden Kontakt mit Ihrem Unternehmen. „Dies ist das Blog der Firma … Wir bieten … und sind Experten für …“ ist dasselbe wie der Infoblock unter jeder Pressemitteilung. Achten Sie ab jetzt bei anderen darauf, wenn Sie Links und Empfehlungen folgen.

Viele der folgenden empfohlenen Plattformen tauchen mehrfach auf, weil sie aus Sicht des Nutzers viele Funktionen erfüllen. Wer nach einem Betrieb + Stadt googelt, erhält eine Kartenansicht zurück, und gleichzeitig werden Bewertungen angezeigt. Diese werden entweder auf Google und Facebook eingetragen bzw. dort von anderen Seiten zusammengetragen. Bewertungen sind wiederum mit persönlichen User-Profilen vernetzt, um Betrug zu erschweren. Inhalte gut eingestellt, die richtigen Plattformen verwendet, bedeutet daher: Mehrfachergebnisse ohne Mehrfachaufwand.

Tipp

Nehmen Sie sich etwas Zeit und installieren sich die passenden Apps auf dem Handy. Was sehen Sie dort? Wie funktioniert das mit dem Suchen „in der Nähe von“, wenn Sie unterwegs sind? Welche Anzeigen finden Sie gut, welche nervig? Warum? Was können Sie daraus für sich ableiten?

Standortbezogene Dienste

Auch Location Based Services (LBS) genannt. Das sind Dienste, die auf den aktuellen Standort des Users bezogen sind, oder sie kommen zum Einsatz, wenn nach etwas in Kombination mit einem Ort gesucht wird.

LBS stehen hier nicht ohne Grund an erster Stelle. Sie sollten von Ihnen auf jeden Fall konsistent eingerichtet werden. Vor allem die Telefonnummer ist wichtig: Wenn Sie heute mit dem Handy nach einer Firma suchen, bietet das Handy an, genau diese Nummer exakt anzurufen  - und das, ohne dass Ihre Webseite auch nur aufgerufen wurde. Gerade weil Webseiten alle so unterschiedlich sind, bevorzugen Nutzer inzwischen die einfache Suche auf Google.

Haben Sie ein Geschäft mit Publikumsverkehr? Richtig eingetragen, werden Ihre heutigen Öffnungszeiten angezeigt. Garantiert gibt es bei Ihnen auch schon sog. Check-Ins, das virtuelle „Ich bin hier“ bspw. auf Facebook Places – egal ob Sie dort eine Präsenz haben oder nicht. Umgekehrt dienen diese Check-Ins als personalisierte Suchergebnisse: „10 deiner Freunde sind hier schon gewesen, nur drei da drüben“.

Momentan eignet sich das vor allem für Restaurants und den Einzelhandel – aber diese Services wachsen heute schon zusammen: „Zeige Dienstleister Branche, die meine Freunde mögen, in Stadt“. Ebenfalls wird an sogenannten Location-Triggern gearbeitet: Wenn sich ein Kunde in der Nähe einer Adresse befindet, werden auf dem Handy bestimmte Aktionen durchgeführt (Erinnerung, Werbung…).

Unbedingt: Google Plus Local, Facebook Places
Eventuell: Foursquare, Qype, Yelp

Halten Sie auf jeder Webseite die kompletten Adressdaten zur Verfügung. Bei passender Kennzeichnung können die Suchmaschinen lernen, wo Sie und Ihre Angebote zu finden sind. Dann findet man zum Beispiel den Blogartikel über neue Dienstleistungen bei Ihnen, weil jemand „Name Dienstleistung Frankfurt“ gesucht hat – auch wenn sich Ihr Standort nur „in der Nähe von“ befindet.

Bewertungsplattformen

Für alles gibt es mehr oder minder spezifische Bewertungsportale. Qype und Yelp für Geschäfte, Holidaycheck für Hotels, diverse Plattformen für Produkte, kununu für Arbeitgeber usw. Pro Branche sucht man am besten nach „Branche Bewertung“, da diese Portale viel Geld in Suchmaschinenoptimierung investieren. Premium-Einträge sind fast nie notwendig; in der Regel ist ein Basis-Eintrag kostenlos und reicht vollkommen aus (er hat häufig den Vorteil, über eingehende Kommentare benachrichtigt zu werden). Vielfach werden die Ergebnisse von Nutzern eher als Telefonverzeichnis genutzt. Vorsicht vor allem beim Reagieren auf negative Kommentare.

Facebook-Universum

Für fast alle Facebook-Angebote ist ein persönliches Profil notwendig (Fanseite einrichten, Werbung schalten etc.). Es wird aber nicht sichtbar, dass Unternehmensaktivitäten von Ihnen durchgeführt werden. Das Profil selber darf nicht kommerziell genutzt werden.

Eine Unternehmensseite dient zum Senden von Nachrichten an alle, die auf dieser Seite „Gefällt mir“ geklickt haben. Aus alten Bezeichnungen stammt die Bezeichnung „Facebook Fanseite“. Updates werden nur von Fans der Seite gesehen und auch nur dann, wenn genügend Interaktivität bei jedem einzelnen Posting zu sehen ist. Achtung: Üblicherweise sieht der Nutzer nur beim ersten „Gefällt mir“ die Seite und danach nur noch Updates in seiner Zeitleiste, wenn er sie häufig kommentiert oder dort auf „Gefällt mir“ klickt. Es ist nicht unüblich, dass nur ein Bruchteil der Fans Updates zu sehen bekommt. Facebook bietet dafür „Abhilfe“: Werbung.

Facebook-Werbung kann zielgerichtet geschaltet werden und wird sowohl auf dem Rechner als auch auf mobilen Endgeräten angezeigt. Vorteilhaft sind hier die Möglichkeiten zum Targeting, d.h. definieren können, wer diese Anzeige sehen soll (Beispiel: Alter, Geschlecht, Ort, Interessen). Werbung kann auch ohne eigene Fanseite geschaltet werden und ist am erfolgreichsten, wenn sinnvoll aufbereitet eingebunden.

Facebook Graph Search ist ein neueres Angebot und erlaubt komplexeres Suchen im Zusammenspiel mit meinen Freunden. Zum Beispiel „Restaurants, die meine Freunde in Hamburg mögen“. Hier werden dann zum Beispiel die Ergebnisse von Check-Ins relevant; damit ein Geschäft angezeigt werden kann, muss es die passende Kategorie auf seinem Facebook Places-Eintrag hinzugefügt haben. Basis, um hier gefunden zu werden, ist wieder eine korrekt eingetragene Seite mit Fokus, nicht die Anzahl von Fans.

Google Plus / Google Places Universum

Neben der bekannten Google Suche, Google Analytics und Youtube bildet Google Plus den „social layer“, die vernetzte Ebene über allen Google-Diensten. Ähnlich wie Facebook „weiß“ Google viel über die Besucher und ihr Verhalten und lernt dazu. Frequentiere ich häufig eine Art von Geschäft, dann werden mir ähnliche Geschäfte in der Nähe vorgeschlagen. Suche ich nach einem Thema, benutzt Google meine Stadt, um mir nahe Ergebnisse zu präsentieren usw.

Google Suche: Immer noch unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen, allerdings kommen immer mehr Besucher von Apps und mobiler Suche. Die Suche wird intelligenter (z.B. durch Sprachsteuerung, Google Now), was immer noch der Grund ist, warum Sie viele Informationen auf Ihrer Webseite bereitstellen sollten.

Google Maps/Places/Local: Oder „alles, was sich auf einer Karte anzeigen lässt“. Dieser Eintrag ist die Basis dafür, im Google- und Android-Universum gefunden zu werden. Neben Standortinformationen können auch weitere Angaben hinterlegt werden (z.B. Öffnungszeiten, Termine, Angebote, Bilder).

Google Plus: Google Plus besticht vor allem durch seine Integration von Orten mit Veranstaltungen sowie Hang-Outs (Videokonferenzen) mit den eigenen Kreisen (so können Ihre Kontakte gruppiert werden). Kreise werden hier angelegt und können auch in anderen Google-Produkten verwendet werden (Einladung nur an ..., Suche nur unter Kontakten). Als Unternehmen können Sie hier mit einer eigenen Seite vertreten sein, die besondere Funktionen aufweist, wenn sie gleichzeitig ein Ort ist.

Notwendig: Google Plus Account / Mail: Ein Google-Konto ist Voraussetzung für die Nutzung von vielen Diensten auf Google – Google Plus, Kalender, Kontakte, Mail, Youtube Kommentar hinterlassen, Ihr Android-Handy (mit den Kontakten), Adwords, Analytics … Es lohnt sich auf jeden Fall, ein firma@gmail.com und für Sie vorname.nachname@gmail.com (Grundsicherung!) anzulegen; zusätzlich erlauben viele Dienste ein Login per Google (ähnlich wie bei Facebook) und die Integration der Daten.

XING und LinkedIn

Die beiden Business-Netzwerke werden häufig als „wie Facebook, nur für Geschäftliches“ bezeichnet. Sie können dort nach Profilen suchen und sich mit ihren Kontakten vernetzen. Besonderer Vorteil von XING: Es ersetzt das Adress- und Telefonbuch, und Sie können diese Daten mit Rechner und Handy synchronisieren. XING wird eher im deutschsprachigen Bereich genutzt, LinkedIn eher im internationalen. Beide bieten kostenpflichtige Mitgliedschaften, in der Regel genügt ein kostenloses Basisprofil.

Ihr Profil: Hier präsentieren Sie sich und Ihre Fähigkeiten und bieten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme.

Ihr Unternehmen: Für Ihr Unternehmen können Sie eine einfache Seite anlegen, und Mitarbeiter werden angezeigt, wenn sie Ihre Firma in ihr Profil eingetragen haben. Besonders geeignet für Kontaktaufnahme der Art „Firma X – wer arbeitet dort im Verkauf?“ Für das Unternehmen können unabhängig von den Mitarbeiteraktivitäten Nachrichten in der Zeitleiste veröffentlicht und abonniert werden.

Gruppen: Offene oder geschlossene Gruppen erlauben den Austausch zu bestimmten Themen. Hier kann man sich als Experte positionieren, aber Achtung ob des Zeitaufwandes, der eventuell besser in andere Kanäle investiert ist. Gut geeignet, um durch Beobachtung Marktrecherche zu betreiben.

Twitter

140 Zeichen, nur Text – das ist die Kurzbeschreibung von Twitter. Da standardmäßig alle Tweets (so heißen die Statusnachrichten) öffentlich sind, kann man besonders bei Veranstaltungen (Konferenzen, besondere Sport-Events, Fernsehen) sehen, was alle anderen so schreiben. Nachrichten verbreiten sich deswegen vor allem via Twitter – bevor sie in die anderen Netzwerke übergehen. Unter search.twitter.com können Sie schauen, worüber sich die Welt unterhält. Hashtags (Wörter, die mit # beginnen) sind gemeinsam verwendete Begriffe. Versuchen Sie einmal #tatort oder ein Hobby von Ihnen und klicken Sie sich ein wenig durch.

Zeitleiste in Facebook, Google Plus, Twitter

Alle diese Netzwerke haben verschiedene Arten von Profilen, denen Sie folgen können, bzw. Ihnen kann gefolgt werden. Die Zeitleiste zeigt die letzten Statusupdates all der Leute an, denen Sie folgen, und bietet unterschiedliche Arten zu interagieren. Je nach Netzwerk sind die Inhalte oft unterschiedlich – Twitter ist mehr kurz und knapp und echtzeitorientiert, Facebook häufig privater, aber in bestimmten Bereichen ersetzt es professionellere Netzwerke. Auf XING erwartet man zum Beispiel nur „berufliche“ Inhalte, auf Facebook ist auch ein Katzenfoto normal. Man sollte also darauf achten, das richtige Netzwerk einzusetzen, und sich überlegen, warum jemand das lesen möchte, was man schreibt. Wenn Ihnen jemand auf Ihrem Unternehmensprofil folgt, kann man davon ausgehen, dass diese Person Neuigkeiten über Ihr Unternehmen lesen möchte usw.

Slideshare

Quasi ein Youtube für Präsentationen. Hier kann man Dokumente hochladen (und auch bei anderen stöbern), die dann automatisch in einem Player angezeigt werden, der einfaches Blättern erlaubt. Vor allem genutzt, um diese Dokumente auf einfache Weise in Blogartikeln einzubinden: Anstatt eine Datei herunterladen zu müssen, können Besucher direkt die Seiten ansehen.

Youtube und Vimeo

Die Plattformen für Video. Vimeo ist dabei etwas geeigneter für künstlerische Videos, die Oberfläche ist ansprechender. Geht es Ihnen allerdings um Verbreitung und Sichtbarkeit, führt an Youtube kein Weg vorbei. Vielfältige Gestaltungsmittel stehen bei beiden zur Verfügung, und vor allem auf dem Handy werden Videos genutzt. Also halten Sie sich lieber kurz und knapp, und versehen Sie Ihr Video mit allen notwendigen Informationen.

Foren

„Diskussionsforen sind altbacken, so Web 1.0“ – von wegen. Je spezieller ein Thema ist oder je eher ein Bedürfnis zum Austausch mit anderen besteht, desto häufiger gibt es Foren dazu. Mitglieder sind oft seit vielen Jahren dort aktiv und stehen anderen mit Rat zur Seite. Für nahezu jedes „Vereinbaren Sie einen Termin, dann nennen wir Ihnen Preise“ gibt es in Foren die Antworten. Tagsüber Service-Techniker gegen Geld, abends kostenlose Hilfe in Foren ist auch nicht ungewöhnlich.

Unternehmen sollten hier besonders vorsichtig sein, da diese teils eingeschworenen Gemeinschaften sehr empfindlich auf Werbung jeder Art reagieren. Nutzen Sie diese Plattform lieber nur zur Recherche für Themen bzw. gehen Sie vorsichtig und mit erfahrener Begleitung vor.

Fazit

Social Media ist einfach – wenn man weiß, wie es geht. Lassen Sie sich nicht von anderen verunsichern, und überlegen Sie genau, was Sie können und wollen. Social Media wird nicht weggehen, sondern sich weiterentwickeln und sich vor allem durch die Möglichkeiten rund um das Handy erweitern. Fangen Sie jetzt an, bauen Sie langsam, aber zielstrebig Wissen auf und suchen Sie sich Partner für den Austausch.

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