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Nur Amazon ist auch keine Lösung – Nischen-Marktplätze im Überblick

17 Sep

Es gibt im Online-Marketing ein paar große Player, ohne die nichts geht. Das sind „die großen Vier“, nämlich Amazon, ebay, Apple und Google. Und speziell im Onlinehandel Amazon, ebay und Alibaba, die gemeinsam rund sechzig Prozent der Onlineumsätze generieren. Aber das heißt eben auch, dass da noch vierzig Prozent übrig sind, die sich jeder Händler mal genauer ansehen sollte. Denn hier sammeln sich die Nischenmarktplätze, die jeweils nur für bestimmte Unternehmen interessant sind. Und „Nische“ ist heutzutage im E-Commerce das Zauberwort. Also schauen wir heute mal auf die verschlungenen Wege zum Erfolg, die über die Minimarktplätze führen.

Wohin heute?

Vier Produkte: Pferd, Pferdedecke, Stalltüre, Heu.

Von A wie auto.de bis Z wie Zalando ist für jede Branche und Zielgruppe garantiert etwas dabei. Wissen Sie beispielsweise, was ein Cavaletti ist? Die meisten von Ihnen vermutlich nicht. Ist aber auch nicht schlimm. Hauptsache, diejenigen, die es wissen – und welche brauchen –, wissen auch, wo sie sie im Internet finden können. Nämlich auf www.ehorses.de, einer Plattform, die den allermeisten deutschen Pferdefreunden ein Begriff ist. Ein kleines norddeutsches Unternehmen bietet die besagten Hindernisstangen dort für 22,50 EUR pro Stück feil. Neben den offensichtlichen Pferdehändlern und Stallvermietern tummeln sich auf der Plattform auch etliche Anbieter aus anderen Branchen. Immobilienmakler kommen für die „Pferdeimmobilien“, Bauern für den Strohverkauf, Gebrauchtwagenhändler für die Hänger. Schubkarren, Eimer und Bürsten können erstanden werden. Die Stellen- und Ausbildungsbörse der Plattform ist derweil auch für Recruiting interessant.

Oder womöglich sprechen Sie eine breite Öffentlichkeit an, sind aber dafür nur für Kunden aus der Region interessant – als Restaurantbesitzer oder Masseur, als Souvenirhändler, als Hersteller von Stadtwappen aus Zucker. Dann haben Sie Glück, wenn Sie in Wuppertal leben, denn dort ist es gelungen, unter dem Stichwort „Online City Wuppertal“ eine große Präsenz auf der Plattform www.atalanda.com zu etablieren. Doch auch für Wiesbaden finden sich dort Buchhändler. Frankfurter werden im Bereich Modellbau fündig. Für Fulda zeigt eine KFZ-Werkstatt Präsenz. Ähnlich wie auf der sozialen Plattform nebenan.de sind hier potentielle Kunden aktiv, die sich besonders dafür interessieren, was in ihrem näheren Umfeld geschieht, hier allerdings mit spezifisch kommerziellem Fokus. Alle Unternehmen garantieren für Käufer innerhalb der Stadtgrenzen Same-Day-Delivery.

Oder dann wäre da noch www.westwing.de für „von Experten handverlesene“, besondere Inneneinrichtung und Home-Deko. Und von www.etsy.de (früher DaWanda) haben sie wahrscheinlich zumindest gehört – hier wird von Künstlern und Unternehmen alles angeboten, was in Handarbeit oder individueller Anfertigung entstanden ist. Die Website www.teilehaber.de spezialisiert sich auf KFZ-Ersatzteile, www.stubhub.de auf den (Weiter-)Verkauf von Veranstaltungstickets. Wollhändler sehen zu, dass sie auf der Strickplattform www.ravelry.com Präsenz zeigen.



Marktplatztypen im Überblick

Hier finden Sie die wichtigsten Aspekte, aufgrund derer die zahlreichen Marktplatzanbieter sich unterscheiden. Wo ordnet sich Ihr Produkt ein?

  • Geografische Ausrichtung: regional, national, international, global

  • Sortiment: Generalist, spezialisiertes Sortiment, Nische

  • Anbindung: unabhängiger Marktplatz, Händler mit Marktplatz (z.B. Otto)

  • Produktstatus: neu, gebraucht, handgemacht

  • Verkäufer: geschäftlich, privat

  • Angebotstypen: Anzeige, Auktion, Coupon, Preisverhandlung

  • Frontend: Web, App, Hybrid

  • Suchmaschinenindizierung: ja, nein, individuell einstellbar

Vor- und Nachteile von Online-Plattformen

Der Verkauf über Plattformen bietet Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Sie erhalten gegenüber dem eigenen Onlineshop, der aufwändig beworben werden muss, erheblich höhere Reichweite und vergrößern Ihre Sichtbarkeit. Sie sind insgesamt auf ein geringeres Marketingbudget angewiesen, sparen gegebenenfalls die erheblichen Kosten eines Shoprelaunchs ein und haben größere Chancen auf schnelles Wachstum. Zugleich entstehen Cross-Selling-Effekte in das Ladengeschäft oder eben den eigenen Shop. In vielen Fällen erfordert die Plattform-Software wenig technisches Wissen. Logistik und Fulfillment können oft zumindest teilweise an den Plattformanbieter abgegeben werden.

Im Gegenzug geben Sie natürlich die Kontrolle ab und machen sich vom Weiterbestehen eines Anbieters abhängig, über dessen Existenz Sie keinerlei Kontrolle haben. Provisionszahlungen verringern Ihre Margen, und Sie müssen sich dem Preiswettbewerb auf der Plattform stellen. Je nach Anbindungsmöglichkeiten an Ihre eigene Warenwirtschaft entsteht auch viel Aufwand durch die Notwendigkeit, regelmäßig Daten und Preise zu pflegen. Und wenn Sie in mehreren Shops aktiv sind, müssen Sie eine technische oder organisatorische Lösung finden, um dem doppelten Verkauf derselben Bestände vorzubeugen. Automatisierung ist in diesem Fall langfristig häufig die einzige Lösung.

Freilich: Niemand hat je behauptet, E-Commerce sei einfach. Am Wichtigsten ist wie bei allen Marketingstrategien vor allem, dass Sie die richtige Mischung für sich, Ihr Angebot und Ihren Kunden finden, die bei möglichst geringem Aufwand möglichst hohe Gewinne generiert.

20 deutsche Nischenmarkplätze

Schritt für Schritt zum Onlineshop

Wenn Sie noch mehr Futter für Ihre Entscheidung für oder gegen den Marktplatz-Vertrieb brauchen, besuchen Sie am 23. September ab 15 Uhr unser kostenfreies Onlineseminar „Schritt für Schritt zum Onlineshop“. Über die regionale Social-Plattform nebenan.de können Sie sich am 18. November informieren; die Anmeldung für das ebenfalls kostenfreie Onlineseminar ist hier möglich.

Angelika Niere
Dr. Angelika Niere
Referentin

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