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Was kostet ein Onlineshop? - Die 6 wichtigsten Kostenpositionen

11 Okt

(11.10.2017) Seien wir ehrlich - nichts interessiert uns bei der Online-Marketing-Planung brennender als die Kosten. Und die können gerade im E-Commerce schwindelerregend in die Höhe schießen. Deshalb haben wir den Frankfurter E-Commerce-Experten Stefan Ponitz (fokus eCommerce) gebeten, ganz geradeheraus zu beantworten: Was kostet denn nun ein Onlineshop? (an)

Viele Unternehmen haben in den letzten 10-15 Jahren gezeigt, wie sich ein professionelles Online-Business von der Garage bis an die Börse aufbauen lässt. Da wundert es nicht, dass alle Unternehmen ins Netz wollen und von großen Umsatzzuwächsen träumen. Aber umsonst gibt es das leider nicht. Die breite Masse der Konsumgüter ist von großen Playern belegt und auch viele der Nischen sind besetzt. Es wird von Jahr zu Jahr ein risikoreicheres Unterfangen, ins Online-Business einzusteigen. Umso öfter stellt sich die Frage: Wieviel muss ich denn eigentlich in einen eigenen Onlineshop investieren?

Und so komplex wie das Online-Business ist, so komplex ist auch die Antwort auf diese Frage. Es ist durchaus möglich mit 1.000€ bis 2.000€ zu starten, aber auch Onlineshops für über 250.000€ sind keine Seltenheit.

So setzten sich die Kosten eines Onlineshops zusammen

1. E-Commerce Beratungskosten

Ein Onlineshop ist heute ein sehr komplexes Gebilde. Zahlreiche Funktionen - abgestimmt auf das Produktportfolio und die Zielkunden - müssen unterstützt werden. Der Shop soll ggf. an im Netz vorhandenen Marktplätze wie Amazon oder eBay angebunden werden, möglicherweise auch an eine interne Warenwirtschaft.

All diese Themen sollten schon in der Planung erörtert werden. Wer später merkt, dass er etwas vergessen hat, zahlt womöglich später drauf. Deswegen ist es ratsam sich einen Berater zur Seite zu stellen, der mit einem das Projekt plant, aufpasst, das nichts vergessen wird und mit Dienstleistern auf Augenhöhe sprechen und verhandeln kann. Ein guter E-Commerce Berater kann bis zu 1.500€ pro Tag kosten. Je nach Umfang des Projektes sollte man hier mit 1-10 Tagen kalkulieren. Wer keine großen Ansprüche erfüllen muss, weil die oben genannten Punkte nicht zutreffen, kann sparen. Ansonsten muss man mit Kosten zwischen 2.000€ und 20.000€ rechnen

2. Lizenzkosten für das Onlineshopsystem

Viele Onlineshops gibt es schon in einer kostenlose Lizenzvariante. Und oftmals reicht diese Variante auch aus, zumindest am Anfang. Aber Vorsicht: Ggf. müssen Funktionen nachprogrammiert werden. Auch bekommt man bei lizenzfreien Varianten keinen Support vom Hersteller. Dies könnte in kniffligeren Projektphasen durchaus zum Problem werden.

Eine Lizenz mit Support gibt es je nach System ab 2.000€. Im Enterprise-Bereich können Lizenzen aber auch locker 25.000€ und mehr kosten.

Informieren Sie sich bei den zahlreichen Anbietern von Shopsystemen. Fragen Sie jedoch nicht zuerst nach den Preis. Wichtig ist, dass das System alle Funktionen abdeckt, welche Sie benötigen. Ein späteres manuelles Nachprogrammieren von Funktionen kann deutlich teurer werden.

3. Modifikationen und Anpassungen des Shopsystems

In der Regel wird kein Shopsystem so eingesetzt, wie es der Hersteller anbietet. Es müssen immer zahlreiche Anpassungen vorgenommen werden. Das betrifft vor allem die Funktionalität, aber auch die Optik des Systems.

Hier kommen die Agenturen ins Spiel. Agenturen konzentrieren sich meist auf ein System, zu welchem sie dann auch die Modifikationen (sog. Customizing) anbieten. Eine Programmiererstunde schlägt hier mit bis zu 100€ zu Buche.

Wer also an seinem Shop zahlreiche Änderungen vornehmen lassen muss, sollte diese Kosten berücksichtigen. Sprechen Sie gemeinsam mit ihren E-Commerce Berater mit den Agenturen und lassen Sie die Kosten anhand Ihrer Anforderungen kalkulieren. Je nach Agentur können hier die Kosten stark variieren.

 

4. Integration in bestehenden Systeme

Wenn Sie Ihr Shopsystem haben und die Agentur Ihren Onlineshop angepasst hat, muss der Shop in ihre vorhandene IT & Softwarelandschaft integriert werden. Dazu zählen vor allem die Warenwirtschaft, CRM und Finanzwesen. Über Schnittstellen kommuniziert ihr Onlineshop mit den vorhandenen Systemen. Die meisten Shopsysteme bringen fertige Schnittstellen zu den gängigen ERP-Systemen mit. Gut, wer das im Vorfeld schon bedacht und geprüft hat! Aber auch hier gilt es, vorsichtig und auch skeptisch zu sein. Kaum ein Projekt kommt mit Standardschnittstellen aus. Fast immer müssen die Schnittstellen angepasst werden. Dies kann die Kosten durchaus in die Höhe treiben. Kalkulieren Sie hier etwa nochmals 50% der Kosten, die der Shop gekostet hat, drauf. 

5. Erstellen und Pflege von Inhalten

Nun steht die technische Basis Ihres Onlineshops und es geht daran, ihn mit Inhalten zu füllen. Dazu benötigen Sie viel Text und Bildmaterial. Wenden Sie sich hierfür an professionelle Fotografen und Texter, welche Sie bei der Erstellung der Inhalte unterstützen. Ein Onlineshop muss heute ein mehr als ein Mindestmaß an Qualität erfüllen, damit er von den Nutzern überhaupt ernstgenommen wird. Dazu gehören auch professionelle Produktbilder und Produktbeschreibungen.

Denken Sie daran, dass es hier bereits um das konkrete Verkaufen geht. Suchen Sie sich Dienstleister, welche Erfahrung im Bereich Online-Marketing haben. Denn die Bilder und Texte verkaufen später Ihr Produkt in Ihrem Onlineshop.

 

6. Laufende Kosten

Apropos Online-Marketing: Die meisten Shopbetreiber scheitern nicht am schlechten oder falschen Shop, sondern an seiner Vermarktung. Kalkulieren Sie unbedingt auch Budget für das spätere Online-Marketing ein. Kaum ein Kunde wird Ihren Shop per Zufall finden. Sie müssen gezielt um Kunden werben. Ob Anzeigen bei Facebook und Google, ob Social Media Marketing, Newsletter oder die Optimierung Ihres Shops für die Suchmaschine. In allen Fällen werden Sie Profis brauchen, die Sie bei der Vermarktung des Shops unterstützen. Auch hier können schnell 4-5-stellige Beträge im Monat zusammenkommen. Fatal wäre, wenn Ihr Onlineshop fertig ist, es aber kein Budget mehr für Vermarktung gibt.

 

Es geht auch günstiger

Wenn das alles eine (oder mehrere) Nummern zu groß ist, gibt es auch Möglichkeiten, den E-Commerce mit kleinem Geld zu testen.

Dabei verzichten Sie komplett auf den eigenen Onlineshop und bedienen sich an Mietsystemen oder etablierten Plattformen.

Um beispielsweise bei Amazon.de Produkte zu verkaufen, benötigt man keinen Onlineshop. Ein Amazon-Konto und die Produkte reichen in der Regel aus, um schlank zu starten. Ganz ohne Kosten geht das jedoch auch nicht, da Amazon Provisionen auf getätigte Verkäufe verlangt. Je nach Produktkategorie verlangt Amazon hier zwischen 7% und 45%. Außerdem ist der Wettbewerb auf diesen Plattformen so hoch, dass man hier einen gnadenlosen Preiskampf ausgeliefert ist.

Ohne die Abhängigkeit zu Plattformen und ohne eigenen Onlineshop kann man auch bei Anbietern von Mitlösungen (z.B. Shopify) starten. Hier bucht man für „kleines“ Geld (ab 29$/Monat) einen Onlineshop zur Miete und kann mit seinem eigenen Shop direkt loslegen. Zwar werden auch hier Provisionen auf den Umsatz fällig, jedoch sind diese deutlich kleiner als bei großen Marktplätzen. Allerdings muss man sich bei der Mietlösung wiederum selbst um das Online-Marketing kümmern.

E-Commerce ist heute ein komplexes Unterfangen. Dieser Artikel soll aber nicht abschrecken. Im Gegenteil, ich möchte Sie ermutigen den Schritt zu wagen! Mit professioneller Unterstützung kann auch heute noch ein professionelles E-Commerce Business gelingen.

 

Veranstaltungstipp: Fit für den E-Commerce

Wie Sie Amazon und Co. erfolgreich trotzen, erfahren Sie übrigens auch auf unserem großen "E-Commerce-Tag" am 2. November in der IHK Hanau. Dort gibt es Handlungsempfehlungen für Strategie, Content und Rechtssicherheit gerade für kleine Unternehmen. Melden Sie sich an!

 

 

 

 

Gastautor

Stefan Ponitz

Stefan Ponitz ist seit 20 Jahren als E-Commerce- und Web-Analytics-Berater für Unternehmen aller Größen tätig. Der studierte Wirtschaftsinformatiker und Betriebswirt hat zahlreiche Online-Projekte erfolgreich umgesetzt, unter anderem für die TRIGEMA Inh. W. Grupp e.K., EasyCredit/Teambank Nürnberg und die InfraServ GmbH. Heute ist er Inhaber von fokus e-Commerce.

http://www.fokus-ecommerce.de

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