GESCHRIEBEN VON

Tim Kaufmann
Tim Kaufmann ist Geschäftsführer der Webagentur Taquiri GmbH, Referent und Fachautor. Seit 1996 realisiert er Websites für kleine und mittlere Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet und Mittelhessen. Taquiri setzte als eine der ersten deutschen Agenturen bei Kundenprojekten Responsive Webdesign ein.

In fünf Schritten zum Website-Relaunch

Geschrieben von Tim Kaufmann

Eine neue Website, die mehr verkauft und mehr Kontakte liefert als die alte – das ist das Ziel jedes Unternehmens, das seinen Internetauftritt neu aufsetzt. Aber der Erfolg des Relaunchs wird regelmäßig schon durch Planungsfehler verhindert. Wie Sie den Relaunch Ihrer Unternehmens-Website zielgerichtet bewältigen, zeigt Ihnen dieser Leitfaden.

Schritt 1: Ziele festlegen

Die meisten Websites scheitern lange, bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wurde. Schuld daran sind schwammige Zielsetzungen wie „Eine modernere Website“ und „Besseres Branding“.

Eine solche Ausgangslage, die Kunden und Kerngeschäft weitgehend außen vor lässt, können Sie auf einfache Weise vermeiden. Definieren Sie schon vor dem ersten Kontakt zur Webagentur klare Ziele für den Relaunch, z.B.:

  1. eine Erhöhung der Konversionsrate bei Online-Verkäufen um 2 Prozentpunkte (d.h.: Wie viel Prozent der Besucher kaufen im Onlineshop ein?)
  2. 50 Newsletter-Abonnements pro Monat
  3. 10 neue Kontakte pro Woche

Webanalyse

Wenn Ihnen die Vergleichsgrundlage fehlt, weil Sie in der Vergangenheit keine entsprechenden Daten erhoben haben, sollten Sie diesen Fehler zügig korrigieren.

Sie benötigen dazu eine zeitgemäße Webanalyse-Software auf Basis von JavaScript und Cookies, zum Beispiel Google Analytics oder Piwik. Diese Software wird noch vor dem Relaunch auf Ihrer alten Website installiert und liefert umfangreiche Statistiken. Lassen Sie sich von der Kombination aus Zahlenfriedhof und Diagrammhölle nicht beeindrucken. Zum Beispiel lassen Werte zur „Durchschnittlichen Aufenthaltsdauer“ und zur „Abbruchquote“ auch bei fachkundiger Betrachtung zu viel Interpretationsspielraum, als dass Sie sich jetzt darauf konzentrieren sollten. Aber die folgenden Werte sollten Sie auf jeden Fall kennen:

  1. die Zahl der Besucher/Monat
  2. die Zahl der Konversionen/Monat, z.B. die Anzahl der Verkäufe, ausgefüllten und abgeschickten Kontaktformulare
  3. Nachrichten von Kunden oder andere Ziele, denen Sie einen Wert beimessen
  4. die Konversionsrate, also das Verhältnis von Konversionen zur Gesamtzahl der Besucher

Sinnvoll ist es, diese Zahlen noch nach der Herkunft der Besucher zu gruppieren. Typische Gruppen sind „Suchmaschinen“, „Online-Werbung“, „Links auf anderen Websites“ und „Direkteingabe der Webadresse“. Die entsprechenden Infos verrät Ihnen ebenfalls Ihre Analyse-Software.

Schritt 2: Inhalte sichern

Bei den meisten Relaunchs werden die Erfahrungen, die man mit der alten Website gesammelt hat, außen vor gelassen.

Wichtige Erfahrungsschätze gehen so verloren. Digitale Schätze sollten Sie auf jeden Fall in Sicherheit bringen, bevor die alte Website eingestampft wird.

  1. Sichern Sie tolle, einzigartige Texte, Bilder und Videos. Das wird Ihnen viel Zeit sparen.
  2. Analysieren Sie, über welche Stichworte Ihre Website bisher von Besuchern gefunden wurde. Das verrät Ihnen Ihre Analyse-Software. Stellen Sie sicher, dass Sie diese Stichworte auch auf der neuen Website verwenden. Idealerweise können Sie einen Zusammenhang zwischen verwendeten Keywords und Konversionen herstellen (wenn bestimmte Keywords besonders häufig zu Geschäftsabschlüssen führen) und so besonders wertvolle Suchbegriffe identifizieren.
  3. Notieren Sie die Adressen von Seiten, auf die fremde Websites verlinken. Diese Adressen müssen über den Relaunch hinweg erhalten bleiben. Ist das nicht möglich, muss Ihr Webmaster entsprechende Umleitungen einrichten. Diese führen Nutzer, die auf einen alten Link geklickt haben, zur passenden Seite Ihres neuen Webauftritts.

Schritt 3: Inhalt und Struktur

Websites sind zu vielfältig, als dass alle Gestaltungsmöglichkeiten ihren Niederschlag in diesem kurzen Leitfaden finden könnten. Es gibt aber fünf goldene Regeln, an denen sie sich bei der Planung von Inhalt und Struktur ihrer neuen Website orientieren sollten:

  1. Verraten Sie Besuchern innerhalb von Sekunden, was Ihr Unternehmen macht. Klare Kommunikation ist wichtiger als nichtssagende Slogans und Marketinggetöse.
  2. Beantworten Sie die Frage: „Warum soll ich gerade hier kaufen?“. Auf diese Weise fesseln Sie Besucher, die gerade mit Hilfe von Google & Co. mehrere in Frage kommende Anbieter vergleichen.
  3. Beschreiben Sie Leistungen und Produkte so konkret wie möglich. Damit sprechen Sie den Kopf Ihres Besuchers an. Sein Herz erobern Sie mit Referenzen, Auszeichnungen und anderen vertrauensstiftenden Inhalten.
  4. Eine Website muss Besuchern mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Problemstellungen gerecht werden. Definieren Sie entsprechende Beispielnutzer (ca. 3 bis 5) und überprüfen Sie immer wieder, ob Ihre Website jedem davon gerecht wird.
  5. Erleichtern Sie das Weiterempfehlen Ihrer Webinhalte in Sozialen Netzwerken. Facebooks „Gefällt mir“-Knopf ist nur eines von vielen Beispielen für eine solche Funktion.

Schritt 4: Der Call to Action

Lassen Sie Ihre Besucher nie darüber im Unklaren, wie es weitergeht. Mit einem auffälligen und aussagekräftigen „Call to Action“ weisen Sie Ihre Besucher auf den nächsten Schritt hin.

Typische „nächste Schritte“ sind das Hinzufügen eines Artikels zum Warenkorb, das Anfordern weiterer Informationen oder das Absenden eines Rückrufwunsches. Dementsprechend ist der „Call to Action“ ein Knopf, der mit „In den Warenkorb“, „Infopaket anfordern“ oder „Rückruf anfordern“ beschriftet ist.

Platzieren Sie den „Call to Action“ auf längeren Seiten einmal oben und einmal unten. So stellen Sie sicher, dass Ihr Besucher immer weiß, wie es weitergeht.

Schritt 5: Das Webdesign

Beginnen Sie mit der Arbeit am Webdesign erst, wenn Inhalt und Struktur Ihrer Website fertig geplant sind. So stellen Sie sicher, dass die Form der Funktion folgt – und nicht umgekehrt.

Welche grafischen Elemente, Farben und Schriften es braucht, damit sich das typische Design Ihres Unternehmens auch im Web widerspiegelt, wissen Sie selbst am besten. Achten Sie aber darauf, dass Sie die Funktionalität des Designs nie Ihrem Corporate Design unterordnen. So ist zum Beispiel ein analog zum Briefkopf rechts oben auf einer Website platziertes Firmenlogo ein schwerer Usability-Fehler, der Konversionen kostet.

Sieben wichtige Designregeln

  1. Logo links oben,
  2. Aussagekräftiger Slogan in Logo-Nähe,
  3. Hauptmenü oben quer (modern) oder am linken Rand (weniger modern),
  4. Maximal dreispaltiges Design. Zwei Spalten wirken übersichtlicher und großzügiger,
  5. Schriften in lesbarer Größe und mit gutem Kontrast zum Hintergrund,
  6. Große Produktfotos,
  7. Klar erkennbarer Seitenabschluss in Form einer Fußzeile.

Halten Sie sich im Zweifel immer an vertraute Bedienkonzepte. Ihre Besucher sollen nicht durch „revolutionäres“ Design von Ihren Produkten und Leistungen abgelenkt werden.

Optimieren Sie Ihre Website für unterschiedlich große Displays. Dazu gehören auch Tests auf Tablet-Computern und Smartphones – inklusive der dort üblichen Bedienung per Finger, die ihre ganz eigenen Anforderungen mit sich bringt.

Achtung

Definieren Sie werthaltige Ziele, anhand derer Sie Erfolg und Misserfolg Ihres Relaunches bewerten können. Stellen Sie sicher, dass durch den Relaunch keine bereits aufgebauten digitalen Schätze verloren gehen. Entwickeln Sie spannende Inhalte, die Kopf und Herz Ihrer Besucher überzeugen. Leiten Sie Ihre Besucher dann mit magisch anziehenden „Calls to Action“ zur Konversion. Wenn dann noch die Verpackung stimmt, steht einem erfolgreichen neuen Webauftritt nichts mehr im Weg.