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Storytelling in Teammeetings - Mitarbeiter motivieren und begeistern

22 Apr

Storytelling ist die effektivste Form der Präsentation, um dein Publikum für dich zu gewinnen. Mit der richtigen Geschichte machst du aus Skeptikern Mitstreiter und begeisterst dein Publikum nachhaltig. Im folgenden Artikel erhältst du eine Einführung in das Thema und Einblicke, wie du gute Geschichten erzählst, die noch lange in den Köpfen deiner Zuhörer bleiben.

Mike ist genervt.

Mittwochmittag 12 Uhr, schon das vierte Projekt-Meeting in diesem Monat und immer noch keine wirklichen Ergebnisse. Die ganze Sache will einfach nicht ins Rollen kommen und die Teammitglieder sehen eher abwesend als motiviert aus. Dabei geht es doch um sie und langsam rennt auch die Zeit davon. Das neue Projekt-Tool soll schließlich schon in drei Wochen eingeführt werden, um die Arbeit der Kollegen deutlich einfacher zu machen und mehr Kontrolle über die einzelnen Vorgänge zu ermöglichen.

Da hätte Mike sich schon mehr Engagement im Team erhofft. Britta fragt aber erneut, warum sie nicht beim alten System bleiben können, Katrin macht sich Gedanken wie sie das zeitlich unterbekommen soll, Thomas ist eh gegen jede Veränderung und Jörg ist mehr mit seinem Handy beschäftigt als im Raum anwesend. Auch die Unterstützung vom Chef fehlt gänzlich.

Dabei hat sich Mike doch solche Mühe gegeben und gestern Abend noch stundenlang an den Präsentationsfolien gesessen und die Grafiken überarbeitet. Auch der Plan für die Implementierung steht und jeder sollte genau wissen, was er zu tun hat. Was ist also los mit den Leuten? Alles, was er am Ende der Präsentation bekommt, sind leere Blicke und fragende Gesichter. Die Hälfte des Teams hatte bereits nach den ersten Minuten abgeschaltet, es ist einfach zum verrückt werden.

Frustriert geht Mike nach diesem Desaster erst einmal mit Paul zum Mittagessen. Vielleicht kann er ihm den entscheidenden Tipp geben. Er ist schließlich auch Projektleiter und seine Teams scheinen da deutlicher aktiver und mit Feuereifer bei der Sache.

Nachdem sie bestellt haben und Mike ihm die Situation erklärt hat, fragt Paul: „Also was genau macht denn das Tool nun?“ Freudestrahlend antwortet Mike: „Also, durch die Verknüpfung des Sharepoints und der periodischen Auswertung der KPI’s nach jeder Task, kann eine effizientere Analyse der Milestones und pending Tickets gefahren werden. Durch das verknüpfte CRM wird so automatisch auch die Response Rate gesteigert und Mitarbeiter erhalten nach jeder Task ein 360° Feedback von Kollegen, Kunden und Vorgesetzten.“

Paul schaut ihn mit großen Augen an: „Sorry mein Freund, bei aller Liebe, das ist ja gut und schön, aber was macht es genau? Inwiefern verbessert es die Arbeitsabläufe? Ganz ehrlich ich habe kein Wort verstanden und wie willst du dein Team für das Projekt gewinnen, wenn du nicht genau sagen kannst, was sie davon haben?“ Mike traut seinen Ohren nicht. „Das habe ich dir doch gerade gesagt!“ „Du hast mir die technischen Details erläutert, das stimmt, was das aber für mich als Mitarbeiter bedeutet, und warum ich mich damit auseinandersetzen oder das finanzieren sollte, das hast du mir nicht wirklich gesagt.“ Mike nickt nachdenklich und im Laufe des restlichen Mittagessens fasst er einen Entschluss.

Diesen Nachmittag ist er für niemanden mehr zu erreichen und tüftelt nur an seiner Präsentation für den nächsten Tag.

Neuer Tag, neues Glück.

Noch ein Versuch. Mit etwas mehr Aufregung als sonst legt Mike eine Folie auf und sagt: „Das ist Kerstin. Kerstin ist Kundenbetreuerin und bekommt eine E-Mail von ihrem Kunden XY. Automatisch wird eine Aufgabe im Kundensystem aufgemacht und der entsprechende Kunden-Prozess angestoßen, so behält Kerstin alles im Blick und kann genau erkennen, wie weit der Auftrags-Status bereits ist. Weil sie alle Schritte jeweils im System abhakt, arbeitet sie viel entspannter die Aufträge ab und geht nicht mehr ständig mit dem Gefühl etwas vergessen zu haben nach Hause.“

Die Blicke ihm Team gehen erst von Stirnrunzeln über in Erstaunen und dann in Neugier.

Mike muss lächeln und fährt mit der nächsten Folie fort. „Das ist Gerd, Kerstins Kollege aus der IT. Da er über das Ticketsystem wacht, hat er oft die Herausforderung, sich mit den Kollegen aus der Bearbeitung abstimmen zu müssen. An sich wäre das kein Thema, aber Gerd ist ein echter Frühaufsteher und seine Kollegen sind meist erst spät im Büro. Die Konsequenzen für Gerd waren bisher: Überstunden, sich über mehrere Tage hinziehende Abstimmungen und Deadlines, die oft kritisch wurden. Durch das neue System fällt das nun weg, weil er innerhalb seiner eigenen Arbeitszeiten alle Vorgänge einsehen, per System Rückfragen stellen und direkt bearbeiten kann.“

Spätestens jetzt sind auch die letzten Kollegen aufgewacht und lauschen gespannt. Nachdem Mike die Präsentation beendet hat, steigt das Team direkt in kreative Diskussionen ein und er spürt: Jetzt ist der Knoten geplatzt und die Kollegen sind an Board!

Warum du mehr Geschichten erzählen solltest

Du wirst wahrscheinlich schon etliche solcher Meetings erlebt haben. Du kämpfst gegen die Müdigkeit an, während du einer Präsentation lauschst, die aus einer Abfolge scheinbar nie enden wollender Folien mit Kuchendiagrammen besteht. Gemerkt hast du dir dabei kein einziges dieser Diagramme, da sie sich lediglich durch die Überschrift und die unterschiedlichen Farben unterscheiden. Stand blau auf der dritten Folie jetzt für die Projektbudgets oder doch die Lieferkosten? - Wer weiß das schon!

Dabei muss es so nicht sein. Denn es gibt eine Lösung für Unverständnis und mangelnde Aufmerksamkeit – Geschichten! Unser Gehirn liebt sie und schaltet automatisch auf „Zuhören“, wenn es eine Geschichte wittert. Gehirnforscher haben herausgefunden: Unser Hirn leuchtet förmlich wie ein Weihnachtsbaum, wenn wir Geschichten hören, und schaltet im Gegenzug dazu eher auf Candle Light Dinner, wenn es nur Fakten zu hören bekommt. Schließlich speichern wir Erfahrungen auch in Form von Geschichten und nicht in Form von Zahlen, Daten und Fakten ab.

Gibst du nun noch eine emotionale Komponente hinzu, ist kein Halten mehr und deine Zuhörer können nicht anders, als deinen Worten zu lauschen.

Was macht jetzt aber gute Geschichten aus?

Wir sind geborene Geschichtenerzähler, ob wir es glauben oder nicht. Jeder kann es mit ein bisschen Übung lernen. Ein Beweis dafür ist auch: Unser Gehirn schließt Gedächtnislücken automatisch mit „Fiktion“, was man z.B. bei Zeugenaussagen vor Gericht sicherlich besonders oft beobachten kann.

Für deine Meetings kannst du dir folgendes merken:

  • Verpacke deine Botschaft/Information in eine einfache Geschichte
  • Überlege was für deinen Zuhörer relevant ist
  • Dein Publikum sollte sich in den Charakter hineinversetzen können
  • Beschriebene die Situation nachvollziehbar
  • Berühre dein Publikum emotional
  • Offenbare die Beweggründe, Hindernisse und Wünsche des Charakters
  • Kein Fachjargon nutzen
  • Unterstütze gerne auch durch Bilder

Vertraue darauf, dass deine Zuhörer die richtigen Schlüsse von allein ziehen.

Happy End

Egal ob Finanzbericht, Marketingkampagne, Changeprozess oder komplexer Sachverhalt, die Anwendungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Geschichten, die du erzählen kannst. Deine Kollegen und Kunden werden es dir danken und mit Motivation und Aufmerksamkeit zurückzahlen.

Wie bei allem im Leben gilt auch beim Storytelling: Übung macht den Meister! Und wenn du denkst, das wird allein nichts, kannst du dir auch jederzeit Unterstützung vom Profi holen. Die Ergebnisse werden so oder so für sich sprechen!

Gastautor

Anne Howanietz

Anne Howanietz steht Selbstständigen, Unternehmern und Führungskräften als strategische Sparringspartnerin in Fragen des Business Wachstums zur Seite und unterstützt besonders bei Themen wie Positionierung und authentischem Marketing. Darüber hinaus konzipiert und berät sie KMUs rund um Kommunikation und Außenwirkung u.a. mit Storytelling. Bevor sie sich selbstständig machte, war sie 10 Jahre in einer Unternehmensberatung als Team- und Projektleiterin tätig.

http://www.annehowanietz.de

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