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Website-Relaunch – Was es zu beachten und analysieren gibt

04 Sep

Der September ist bei uns ganz dem Hessischen Website Award gewidmet, der am 25. zum elften Mal den besten Internetauftritt im hessischen Mittelstand ehren wird. Und der Weg zur schönen Website führt in aller Regel über den Website-Relaunch. Deshalb haben wir Webdesignexperte Martin Hahn gebeten, uns ein paar Tipps zu geben, damit auch alles erfolgreich über die Bühne geht. Der selbständige Webdesigner aus Leipzig bloggt normalerweise in seinem Webdesign Journal. (an)

Bild: cheriedurbin - morguefile.com

Ja, klar haben Sie eine Website. Vielleicht haben Sie damals sogar richtig Geld dafür investiert. Nun gut, das ist vielleicht vier, fünf Jahre her (oder gar noch länger?).

Und so dürfte ihnen daher das ein oder andere Szenario vermutlich bekannt vorkommen: Die letzte News ist drei Jahre alt. Der Vertrieb fragt sich, warum die neuesten Produkt-Handbücher nicht auf der Website zu finden sind. Die Optik erinnert an Zeiten, als der Begriff Tablet noch unbekannt war. Auf dem Smartphone ruft man die URL besser erst gar nicht auf. „Datenschutzerklärung“ – was soll das sein? Die Passwörter, um selber Inhalte an der Website zu ändern, hat der alte Webdesigner, der seit Jahren eigentlich schon nicht mehr richtig erreichbar ist. Und und und…

Gute Gründe für die Überarbeitung Ihrer aktuellen Website werden sich vermutlich viele finden lassen. Es gibt dabei im Grunde zwei Szenarien: Eine Optimierung der bestehenden Website oder ein Relaunch, also die Erstellung einer komplett neuen Website.

Bei einer Optimierung werden nur einzelne Aspekte angepasst. Zum Beispiel wird ein Blog ergänzt. Oder das Design wird am manchen Stellen überarbeitet. Oder…

Eine Optimierung ist dann sinnvoll, wenn die Seite nicht komplett veraltet ist. Und eine regelmäßige Optimierung ist eigentlich auch zwingend notwendig. Denn das Internet verändert sich, das Besucherverhalten und die Ansprüche ändern sich und – nicht zuletzt – Ihr Unternehmen ändert sich. Zu oft wird aber eine Website erstellt und dann jahrelang ruhen gelassen, außer vielleicht kleinen inhaltichen Ergänzungen/Korrekturen. Und so kommt es, dass irgenwann gesagt wird, jetzt müsse ein „großer Relaunch" erfolgen.

Welche Aspekte, die bei einem geplanten Relaunch analysiert und beachtet werden sollten, stelle ich im Folgenden vor: 

Bild: Pixabay

1. Ziele, Zielgruppen, Benchmarks

Nicht einfach loslegen mit dem Relaunch! Zuerst sollte gut überlegt und definiert werden, welche Ziele man mit der neuen oder überarbeiteten Website überhaupt erreichen will. Die Zeiten des „einfach drin“ seins, sind definitiv vorbei.

Nicht selten ist die Website inzwischen die Basis alles Marketing-Kommunikationsmaßnahmen. D.h. alle weiteren Kommunikationsmaßnahmen flankieren die Website, haben hier Ihren Ursprung oder bauen darauf auf. Daher sollte nicht nur irgendwie eine Image-Website ist Netz gestellt werden, sondern klare Ziele und Strategien erarbeitet werden.

Mögliche Ziele wären beispielsweise:

  • Erhöhung der Kontakt-/Projektanfragen
  • Reputationsgewinn / Etablierung als Experte
  • mehr direkte Bestellungen (z.B. im Shop)
  • längere Verweildauer der Besucher
  • neue Funktionen einbauen
  • Suchmaschinen-Ranking verbessern
  • Neu-Abonnenten des Newsletters
  • Anpassung an eine neue Kundengruppen
  • Anpassung an eine neue Geschäftsstrategie
  • veraltete technische Infrastruktur modernisieren (Content Management System, Umstellung auf https usw.)
  • Anpassung an ein neues Corporate Design des Unternehmens

Für wen Sie das alles machen – die Zielgruppen

Dazu sollte auch die gewünschten Zielgruppen definiert werden. Evtl. kommen ja durch einen Relaunch weitere dazu, weil sich neue Möglichkeiten ergeben, zum Beispiel durch intensive SEO-Maßnahmen. Die Zielgruppenanalyse ist so bedeutend, weil alle folgenden Maßnahmen sich um diese potentiellen Besucher sollten! 

Welche Inhalte wünscht sich die Zielgruppe? Welche Funktionalitäten helfen ihr? Welche Sprache benutzt sie? Welches Design spricht sie an? Wie empfindet sie die Benutzerführung? Diese und viele weitere Fragen und deren Antworten hängen von der Zielgruppenanalyse ab.

Was macht die Konkurrenz?

Dazu kann man sich die Websites der Konkurrenz anschauen, um diese zu analysieren: Wie treten diese auf, welche Inhalte haben diese, wie sind diese strukturiert, wie wirkt das Design usw. 

Auch die Analyse von Websites aus anderen Branchen kann interessant sein und spannende Anregungen bieten. Solche „Benachmarks“ können hilfreichen Input liefern und „Vorbilder“ für die einzelnen Bereiche wie Inhalte, Design und Technik liefern. 

Bild: Mathias Rosenthal - Fotolia

2. Inhalte

Deswegen kommen die Besucher und deswegen sollten hierauf besonderer Wert beim Relaunch gelegt werden: die Inhalte. Hierzu zählen dann auch deren Struktur, Gliederung und Aufteilung.

Wenn Sie ein Analyse-Tool (wie bspw. Google Analytics oder Matomo (ehemals Piwik)) im Einsatz haben, können Sie schauen, welche Seiten besonders häufig aufgerufen werden und wie lange einzelne Seiten betrachtet werden. Aus den Statistiken lässt sich schon viel erkennen, es sind aber immer unterschiedliche Schlussfolgerungen möglich! Zwei Beispiele:

Eine (Unter-)Seite wird nur sehr selten aufgerufen. Das kann daran liegen, dass sich die Seite schlicht und einfach in der Navigation nur schwer finden lässt oder an einer Stelle im Menü befindet, wo sie keiner erwartet. Oder der Titel der Seite ist nicht eindeutig genug. Oder der vermutete Inhalt der Seite ist so uninteressant, dass einfach wenige die Seite besuchen wollen.

Eine (Unter-)Seite wird nur sehr kurz angesehen. Das Design ist abschreckend, die typografische Gestaltung unübersichtlich oder die ersten Überschriften lassen den Besucher vermuten, dass die gewünschten/erwarteten Inhalte sich hier nicht befinden werden. Und schwups, ist er auf einer anderen Seite…

Solche Analyse-Tools bieten also interessante Fakten, die sich aber eben unterschiedlich interpretieren lassen.

Als erste Maßnahme der Relaunch-Planung sollten Sie daher eine Content Inventur machen:

  • Welche Seiten und Inhalte haben Sie aktuell?
  • Wie sind die einzelnen Seiten strukturiert?
  • Wie sieht die Navigationsstruktur aus?
  • Welche Funktionalitäten werden angeboten (Kontaktformulare, Kalkulatoren, Shop usw.)?

Dazu kommen die Überlegungen:

  • Welche Inhalte sind veraltet, nicht mehr zeitgemäß oder unnötig?
  • Welche Unternehmensinhalte fehlen aktuell (Sind bspw. Dienstleistungen, Produkte usw. im Unternehmensportfolio dazu gekommen)?
  • Welche neuen Inhalte könnte für Besucher/potentiellen Kunden interessant sein (das sind durchaus andere, als sie als Unternehmen zuerst zeigen möchten)?
  • Welche neuen Funktionalitäten sind hilfreich (bspw. ein FAQ-Bereich oder spezielle Ansprechpartner, um allgemeine Anfragen zu reduzieren)?

Die Inhalts-Analyse führt dazu, dass für den Relaunch eine neue Informationsarchitektur entworfen werden kann:

  • Welche Seiten soll es geben und wie sollen diese strukturiert sein?
  • Welche Inhalte sollen auf dein einzelnen Seiten präsentiert werden?
  • Wie sind die Inhalte auf den einzelnen Seiten strukturiert (Länge, Absätze, Headlines usw.)?
  • Mit welchen Medien sollen die Inhalte präsentiert werden (Texte,Bilder, Grafiken, Videos usw.)?

Und wie sieht eine mögliche Content-Marketing-Strategie aus? Wenn die Website zukünftig weiter mit neuen Inhalt versehen werden soll (was unbedingt zu empfehlen ist), dann sollte man diese nicht einfach nach Gutdünken produzieren, sondern sich einen klaren Plan zurecht legen. Da spielt die Zielgruppe wieder eine große Rolle: Wann sollen welche Inhalte erscheinen, die welche Probleme lösen oder Bedürfnisse der Besucher befriedigen?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich Unternehmen oft mehr mit dem Design und der Technik auseinandersetzen und die Inhalte halt so nebenbei produziert werden. Die Gewichtung sollte aber genau andersherum sein: Sie als Unternehmen sollten sich mit den Inhalten der Website intensiv auseinandersetzen und das Design und die Technik den professionellen Dienstleistern überlassen (was nicht heißen soll, dass Sie hier nicht mitreden dürfen). 

3. Design & Usability

Die allgemeine Ästhetik von Websites entwickelt sich und Trends wandeln sich im Netz besonders schnell. Daß heißt nicht, dass man jedem optischen Trend hinterrennen sollte, aber moderne Websites sehen aktuell einfach anders aus, also noch vor vier, fünf Jahren. Und in vier, fünf Jahren vermutlich wieder anders als heute. 

Zumindest sollte man sich damit auseinandersetzen, was ein modernes Design bedeutet und inwiefern es im eigenen Relaunch Beachtung finden sollte. Anregungen finden sich bspw. in verschiedenen Website-Showcases.

Zuerst sollte aber auch hier eine Art Design-Inventur erfolgen:

  • Wie wirkt das aktuelle Screendesign der Website?
  • Passt es zu anderen – aktuelleren – Kommunikationsmaßnahmen des Unternehmens?
  • Gibt es (aktuelle) Corporate Design-Vorgaben und beachtet das Screendesign diese?
  • Setzt das Screendesign passende Akzente und leitet es den Besucher gut durch die Website?
  • Erzeugt das Screendesign eine sinnvolle visuelle Hierachie, die zu den inhaltlichen Schwerpunkten passt?

Wenn es keine umfangreicheren Design-Vorgaben gibt und auch andere Kommunkationsmittel neu gestaltet werden sollen, bietet sich die Website als Basis des Redesigns an! 

Denn heutzutage ist die Website meistens die zentrale Stelle aller (Online-)Marketing-Maßnahmen. Es ist daher sinnvoll, zuerst das Screendesign zu gestalten und davon ausgehend dann weitere Kommunkations- und Werbemittel.

Um für die Gestaltung eines neues Screendesign gewappnet zu sein, sollte man sich auch mit der angestrebten Wirkung der Website auseinandersetzen. Gibt es Adjektive, Attribute, die durch das Design vermitteln werden sollen? 

4. Technik

Die wichtigste Entscheidung ist hier Wohl die Wahl des Content Management Systems. Kaum eine Website, die noch ohne CMS läuft (und dann meistens auch aus gutem Grunde). Egal, ob WordPress, TYPO3 oder ein anderes System, die Entscheidung muss gut getroffen werden, denn sie ist für die nächsten Jahre bindend (außer Sie möchten in einem Jahr den nächsten Relaunch machen…).

Es gibt viele Faktoren, die zur Entscheidung führen können, hierbei kann Ihnen u.a. der Artikel 9 Auswahlkriterien für das richtige CMS helfen.

Zuerst kann aber auch hier eine „Technik-Inventur“ erfolgen:

  • Wird aktuell ein CMS eingesetzt? Wie kommen diejenigen Mitarbeiter, die Inhalte einpflegen dürfen (müssen), damit zurecht?
  • Gibt es besondere Funktionalitäten und wie sind diese technisch umgesetzt?
  • Und vor allem: Ist die Website schon für mobile Endgeräte optimiert?

Auf technischer Seite ist dies mit der häufigste Grund einen Relaunch anzugehen: Die aktuelle Website ist nicht responsiv, das heißt: Die Inhaltsdarstellung passt sich verschiedenen Ausgabemedien nicht flexibel an. Vor allem, da die Internet-Nutzung per Smartphone und Tablet die Desktion-Nutzung inzwischen überholt hat und sich diese Entwicklung nicht mehr umkehren wird, ist hier eine Optimierung unumgänglich.

Eine mobile Optimierung kann ja nach Projekt, Website, Unternehmen unterschiedlich aussehen. Oft ist es „nur“ eine andere Darstellung, Gliederung der Inhalte. So werden bspw. aus mehreren Spalten nebeneinander auf dem Desktop-Bildschirm ein langer Schlauch an Inhalten auf dem Smartphone, so dass sich die Inhalte gut scrollen lassen.

Dazu sollte man sich auch gleich über eine zukünftige Backup- und Update-Strategie des CM-Systems und evtl. benötigter Plugins machen. 

5. Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Ein Relaunch ist auch oft der Versuch in Sachen SEO durchzustarten. Es gibt hierbei so viele unterschiedliche Kriterien, nach denen die Suchmaschinen eine Website einstufen und entsprechend in den Suchergebnisse ranken, dass ich diese gar nicht alle aufzählen kann. Eine erste umfangreiche Einführung finden Sie hier: SEO: Die 37 wichtigsten Rankingfaktoren, die du im Blick haben solltest.

Wichtig ist aber einerseits zu schauen, ob schon (gute) Rankings mit der aktuellen Website vorhanden sind und bei welchen Suchbegriffen man zukünftig gerne weit vorne landen möchte.

Bei der Erstellung möglicher Suchbegriffen auch wieder von der Zielgruppe her denken! Diese suchen vielleicht andere Wörter und Phrasen als Sie als Fachmann.

Es gibt verschiedene (kostenpflichtige) Tools, mit denen sich die bisherige Website sowie mögliche Keywords analysieren lassen. Deswegen ist für einen Website Relaunch zumindest die partielle Unterstützung durch einen SEO-Berater zu empfehlen. Denn die schönste Analye hilft nichts, wenn man diese nicht interpretieren kann. 

6. Ressourcen

Bild: sasint - Pixabay

Was Ihnen klar sein muss: Ein Relaunch kostet Ressourcen! Und zwar nicht nur beim Dienstleister, sondern auch bei Ihnen um Haus. Natürlich kann man viel auslagern und sinngemäß sagen "Macht mal". Aber gut ist das selten. Denn die Entstehung einer Website ist ein Prozess. Es nicht von Anfang an jeder Schritt klar und es gibt nicht ein einzige Checkliste, die sich der Reihe nach abhaken lässt. 

So sollten beispielsweise der Content, das Design und die Technik eine Einheit bilden. Das geht aber nur, wenn diese zusamen entwickelt werden, bzw. regelmäßig aufeinander abgestimmt werden. Wenn Sie nicht komplett alles auslagern, dann müssen Sie hier mit eingreifen und zuarbeiten. Meistens passiert das bei den Inhalten umfangreicher. Dazu kommen Abstimmungsrunden, denn Sie wollen ja nicht nach vielen Monaten auf einmal mit einer großen fertigen Website (böse) überrascht werden. Sie sollten also regelmäßig im Austausch stehen mit Ihrem Dienstleister. Im Idealfall gehen beide Seiten diesen Austausch aktiv an. Ich nenne das bei der Zusammenarbeit mit meinen Kunden daher gerne „Ping-Pong-Spielen“. Durch den regelmäßigen konstruktiven Austausch ergeben sich bessere Projekte, als wenn jeder nur „sein Süppchen" kocht. Daher sollten Sie für Ihren Website-Relauch einen kommunikativen Dienstleister wählen, der auf Augenhöhe Ihnen seine fachliche Seite erklärt.

Lange Rede… Planen Sie auf Ihrer Seite eher großzügig. Die für den Website-Relaunch zuständigen Mitarbeiter sollten ausreichend Zeit dafür zur Verfügung haben. Den Relaunch mal eben so neben dem Tagesgeschäft fertig zu machen, wird kaum sinnvoll funktionieren können.

Und dann sollten auch genug Ressourcen für die Zeit nach dem Relaunch eingeplant werden. Eine Website sollte leben, ständig aktualisiert, optimiert werden. Nur weil die alte Website vier Jahre lang keiner angerührt hat, sollte das bei der neuen nicht so sein ;)

Fazit

Im Idealfall findet eine Website-Optimierung regelmäßig statt, so dass ein großer Relaunch der kompletten Website gar nicht mehr notwendig ist. In der Realtität sieht es aber eben oft anders aus. 

Wenn dann – aus welchen Gründen auch immer – ein Relaunch ansteht, haben Sie in diesem Artikel gesehen, welche Aspekte zusammen spielen (sollten). Nehmen Sie sich ausreichend Zeit dafür, sowohl bei der ersten internen Planung, wie bei der Dienstleisterauswahl und dann natürlich bei der Umsetzung des Projektes selber. Es sollten Ihnen Ihre Website wert sein!

 

 

Sie wollen Websites sehen, die den Relaunch heile und erfolgreich überstanden haben? Kommen Sie zur Preisverleihung des Hessischen Website Awards in die IHK Frankfurt! (an)

Gastautor

Martin Hahn

Martin Hahn ist selbständiger Webdesigner, Dozent und Fachbuchautor. In seinem Blog www.webdesign-journal.de veröffentlicht er regelmäßig Fachartikel rund um Web-Themen.

http://www.hahnsinn.de

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