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„Digitalisierung verändert Regeln“: Das war der Online-Marketing-Tag 2015

27 Jul
Foto: Jochen Müller / IHK Frankfurt am Main

 

 

(27.07.2015) Der digitale Wandel verändert unsere Wirtschaft. Neben neuen Angeboten verändern sich ganze Nutzungsszenarien. Unternehmen können davon profitieren, müssen aber erst verstehen, wie der digitale Kunde tickt.

„Wie lange atmen Sie am Tag?“ - fragte Professor Dr. Klemens Skibicki auf dem 11. Online-Marketing-Tag sein verdutztes Publikum. Kurze Pause. „Wie lange sind Sie heute online?“, legte der Wirtschaftshistoriker nach und meinte, das könne er genauso gut fragen, beide Fragen seien ähnlich sinnlos. Dass das nicht jeder so sieht, zeige, wie groß die digitale Kluft wirklich ist. Unsere jungen Menschen – auch Digital Natives genannt - sind mit der heutigen Technologie aufgewachsen. Eine Welt ohne Internet kennen sie nicht. Und genau da liegt das Problem, allerdings bei den Alten: Die Technik verändert sich schnell, der Mensch passt sich nur langsam an. Und so ist für viele das digitale Treiben - zum Beispiel in den sozialen Netzwerken - eher „Neuland“ als gewohnte Umgebung. Das muss sich ändern, fordert Skibicki. Denn „die Regeln wurden umgestellt und gehen nicht mehr weg“. Mit Regeln meint der Professor zum Beispiel die Marktmachtverschiebung hinsichtlich Informationsverfügung von Produkten und Marken. Sie liegt jetzt beim Kunden. „Menschen haben Zugriff auf Menschen, denen sie mehr vertrauen und denen sie lieber zuhören als den Unternehmen“. Das hat fundamentale Auswirkungen, vor allem auf das Marketing: Kaufimpulse kommen nicht mehr von Unternehmen, sondern von Kunden. Im Vorfeld zu einem Kauf wird erst einmal miteinander diskutiert und es werden Erfahrungsberichte gelesen.

Foto: Jochen Müller / IHK Frankfurt am Main

Unternehmen empfiehlt Skibicki zunächst zuzuhören, neudeutsch „Listening Management“: Was ist passiert? Warum ist das passiert? Danach sollten sie sich innerhalb des Dialogs positionieren und sich und den Kunden in die Gespräche einbinden. Wenn Skibicki von Unternehmen spricht, meint er ganze Wertschöpfungsketten. Denn auf jeder Stufe bietet Social Media mit seinen Mechanismen sinnvolle Nutzungsszenarien: Von der Einbeziehung der Kunden in die Produktentwicklung bis hin Erfahrungsaustausch auf sozialen Netzwerken im After-Sales. Erst wenn Unternehmen das Kundenverhalten in den sozialen Netzwerken verstehen lernen, können Ideen für neue Prozesse entwickelt werden. Und gerade das sei eine der Chancen der Digitalisierung: Nicht nur neue Angebot zu entwickeln, sondern ganze Prozesse neu zu definieren. Denken Sie an die Übernachtungs-Vermittlungsbörse airbnb. Vernetzung und Social Media-Shareconomy werden hier sinnvoll genutzt, um eine ganz neue Art der Zimmervermittlung anzubieten. Der Dienst ist mittlerweile schon über 25 Milliarden Dollar wert. Ein anderes Beispiel ist UberPop, der Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen. Zwar ist er mittlerweile in Deutschland verboten, dennoch zeigt er das Potenzial der Digitalisierung: Ganze Branchen werden auf den Kopf gestellt. Der Handel spürt das schon länger. Hier geht ohne Digitalstrategie und Onlineshop bald gar nichts mehr. Und auch in der Industrie werden Fabriken dank 4.0 immer intelligenter. Selbstfahrende Autos sollen gar in weniger als zwanzig Jahren die Automotivebranche neu definieren. Auch hier sind es in erster Linie nicht neue Produkte, sondern neue Prozesse und Nutzungsszenarien: Autofahren wird überflüssig. Wir werden gefahren von Maschinen und können zukünftig unsere Zeit sinnvoller nutzen, um beispielsweise im Auto zu arbeiten.

Apropos Maschinen: „Rebellion der Maschinen“ hieß der Vortragstitel von SEO-Koryphäe Marcus Tandler, Geschäftsführer von onpage.org und selbsternannter „Mediadonis“. Den Teilnehmern erklärte er, wohin uns die Reise mit Google führen wird: Google Brain. Das Ziel von Google sei die künstliche Intelligenz. Und die täglichen Suchanfragen und Eingaben in andere Google-Dienste sei nur Futter, um diese Intelligenz zu füttern. Google will lesen und verstehen lernen. Damit wäre die Suchmaschine nicht mehr abhängig von externen Links, die zur Beurteilung der Inhalte von Webseiten benutzt werden. „Tod den Links“ sei laut Tandler das zukünftige Ziel von Google.

Weitere Themen des Online-Marketing-Tags waren gehirngerechte Webseitengestaltung und ein Live-Webseitencheck, der ausgewählten Teilnehmerwebseiten viele Tipps zur Optimierung bot.

Der nächste Online-Marketing-Tag findet am 5. Juli 2016 statt. Sie können sich jetzt schon anmelden!

Autor

Daniel Weichert
Fachlicher Leiter

Seit über 10 Jahren berate ich kleine und mittlere Unternehmen für mehr Erfolg im Internet. In den bislang knapp 1.500 Beratungsfällen lag der thematische Schwerpunkt bei Onlinemarketing-Strategien und Website-Konzepten. Studiert habe ich BWL und E-Commerce an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

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