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Facebook-Gruppen richtig nutzen - Interview mit Christian Keller

07 Sep

Innerhalb des Facebook-Universums haben Unternehmen die Möglichkeit sogenannte Gruppen zu gründen oder bestehenden Gruppen beizutreten. Welche Chancen diese Funktion für kleine und mittlere Unternehmen bietet und wie genau Sie dabei Vorgehen sollten, klären wir mit dem Online-Marketing-Experten Christian Keller (Kellerdigital, Frankfurt).

Facebook-Gruppen: Was ist das genau und wie funktionieren sie?

Facebook-Gruppen ist ein Feature der Hauptplattform Facebook. Generell unterscheidet man auf Facebook zwischen

  • privaten Profilen: Das sind einzelne Personen z.B. der Unternehmer als Person, einzelne Mitarbeiter, Privatleute etc.

  • Facebook-Seiten: Das sind Unternehmensseiten, auf denen Inhalte zum Unternehmen kommuniziert werden.

  • Gruppen: ein Zusammenschluss mehrerer Personen, die sich für ein Thema interessieren.

Der Unterschied von Gruppen zu normalen Profilen oder Unternehmensseiten ist, dass Inhalte aus der Gruppe nur von Gruppenmitgliedern gesehen werden können. Es gibt verschiedene Varianten. Manche Gruppen sind öffentlich einsehbar. Diese werden einem oft im Newsfeed vorgeschlagen, wenn Facebook das Thema der Person zuordnet. Einige Inhalte sind öffentlich einsehbar und man hat die Möglichkeit der Gruppe beizutreten. Manche Gruppen sind ganz geschlossen. Dort sieht man nichts, außer dem Thema der Gruppe und dem Titelbild. Dort kann man nur nach Anfrage Mitglied werden. Es gibt auch vollkommen interne bzw. private Gruppen, z.B. für Mitarbeiter im Unternehmen, Seminarteilnehmer o.ä. Diese sind nach außen nicht sichtbar.

Interessant sind Gruppen deshalb, weil Facebook versucht, den Nutzern im Newsfeed relevante Inhalte anzuzeigen. Das bedeutet, Nutzer sehen immer weniger Werbung oder Unternehmensinhalte. Dafür umso mehr Inhalte von Freunden, also echten Profilen und zunehmend auch von Ihren Gruppen. Da Sie bewusst der Gruppe beigetreten sind, geht Facebook davon aus, dass diese Inhalte relevant für Sie sind. Solche Inhalte werden priorisiert ausgespielt, was die Sichtbarkeit von Gruppeninhalten enorm erhöht.

Was ist besser: eine eigene Gruppe zu gründen oder Mitglied zu werden?

Das würde ich abhängig von der Unternehmensgröße betrachten. Für viele Selbstständige oder kleine Unternehmen ist es sicherlich sinnvoll, erst einmal Mitglied in themenverwandten Gruppen zu werden. Beispielsweise als Online-Marketer bin ich in Gruppen, in denen ich wertvolle Mehrwerte beitragen kann, nur indem ich Mitglied bin. Ziel ist der Austausch mit Menschen, die an gleichen Themen interessiert sind oder auch Interessenten für die eigene Dienstleistung/das eigene Produkt zu finden.

Für größere Unternehmen macht es hingegen oft Sinn, eine eigene Gruppe zu betreiben. Daraus ergibt sich sofort ein Expertenstatus zum Produkt oder Thema. Man erscheint somit regelmäßig im Newsfeed der Mitglieder und verbessert mit mehrwertigen Inhalten seine Sichtbarkeit.

Der Zeitaufwand eine Gruppe zu betreiben ist natürlich wesentlich höher, als wenn man nur Mitglied ist. Das ist wie in einem Verein: Wenn man im Vorstand tätig ist, gibt es mehr zu tun, als wenn man nur Mitglied ist.

Welche Chancen siehst du speziell für kleine und mittlere Unternehmen?

Ich würde den Unternehmen raten, sich zuerst damit vertraut zu machen, wie Facebook-Gruppen funktionieren. Beispielsweise in themenrelevanten Gruppen Mitglied werden oder sich bei Gruppen, in denen es um Komplementärprodukte rund um das eigene Produkt / den eigenen Service geht, zu engagieren. Dort haben Sie die Möglichkeit „Marktforschung“ zu betreiben. Welche Fragen stellen die Teilnehmer? Worum geht es in den Kommentaren und Beiträgen? So erhalten Sie tiefere Einblicke in die eigene Zielgruppe.

Gehen Sie auch in Gruppen in den direkten Austausch mit den Mitgliedern. Man kann diese anchatten und sich vernetzen, Rückschlüsse aus den Profilen der Gruppenmitglieder ziehen oder direkte Kontakte generieren. Es ist sogar möglich, so Kunden zu gewinnen.

Der klare Vorteil: In Gruppen sind Sie viel näher am Kunden als mit der reinen Facebook-Seite. Sie sehen die Profile, können Mitglieder direkt kontaktieren und so eine Beziehung aufbauen. Mit der Facebook-Fanpage agiert man als anonymes Unternehmen. Zwar können auch Unternehmen Mitglieder von Gruppen werden, aber meine klare Empfehlung ist es, als Geschäftsführer/Inhaber Mitglied zu werden, um direkt in einen 1:1 Kontakt zu starten.

Sind Gruppen für jedes Thema relevant? Was machen B2B-Unternehmen oder Unternehmen mit Nischenthemen?

Das Schöne ist, wie im echten Leben gibt es auch auf Facebook Gruppen zu jedem Thema. Es gibt Gruppen für „Katzenliebhaber“, für „zukünftige Hundetrainer“ oder „Handwerker – Aufträge finden und suchen“. Im Handwerk ist das Angebot oft größer als die Kapazität der Mitarbeiter. In dieser Gruppe können Handwerker beispielsweise andere Handwerker um Unterstützung bitten oder ihnen Aufträge zukommen lassen. So lernt man neue Partner kennen, vernetzt sich und profitiert im Umkehrschluss auch von neuen Aufträgen. Der Austausch zwischen Unternehmern auf Augenhöhe und das Netzwerken funktioniert sehr gut. Andere Beispiele sind Gruppen für „Azubi-Suche“ oder die Gruppe „Jobs Rhein-Main“, wo Unternehmer und Jobsuchende zusammenfinden.

Kann man über Facebook-Gruppen verkaufen?

Das ist definitiv möglich, wenn man es richtig angeht. Ein Unternehmen hat vor einigen Jahren eine Facebook-Gruppe aufgekauft, in der Thermomix-Besitzer Rezepte ausgetauscht haben. Diese Daten waren immens wertvoll und daraus entstand ein sehr erfolgreiches Rezeptbuch, das anschließend im Buchhandel verkauft wurde. Was man davon ableiten sollte: Das Wissen über eigene Themen, die Wettbewerbssituation oder das eigene Produkt ist pures Gold für die Verbesserung eigener Leistungen oder die Entwicklung innovativer Ideen.

Wenn ich mich im B2B-Bereich oder als Experte für Dienstleistungen positioniere, sei es mit vertrieblicher Unterstützung, Beratungsdienstleistungen oder durch den Austausch zu bestimmten Maschinentypen, dann ist meine Empfehlung: Gehen Sie nie zu direkt vor und nennen gleich konkrete Preise. Gehen Sie stattdessen mit einem Gruppenmitglied in das individuelle Gespräch per Chat und versuchen Sie dort abzufragen, ob Ihre Hilfe benötigt wird und wie der Bedarf konkret aussieht. Erst dann fragen Sie Kontaktdaten ab und lenken das Gespräch aus dem Chat heraus in übliche Kommunikationspfade via Telefon oder E-Mail. Dort können Sie dann Ihr konkretes Angebot an den Mann/an die Frau bringen.

Zum Abschluss 3 Tipps dazu, was Unternehmen beachten sollten

1.       Kontinuität

Seien Sie mit ganzem Herzen dabei. Sie brauchen für die Suche nach relevanten Gruppen und die Pflege eigener Gruppen/Mitgliedschaften regelmäßig Zeit und personelle Ressourcen. Hierfür können schon 30 Minuten pro Tag genügen. Dazu zählt in den sozialen Medien aber oft auch das Wochenende.

2.       Werden Sie aktiv

Konsumieren Sie nicht nur, sondern produzieren Sie auch Inhalte in Ihren Gruppen, reagieren Sie auf andere Beiträge und kommentieren Sie. So verbessern Sie kontinuierlich Ihre Sichtbarkeit!

3.       Stellen Sie Fragen

Offene Fragen regen die Menschen an, zu kommentieren. Das können auch ab und an Fragen sein, die keinen direkten Bezug zum Thema haben. Mit jeder Frage und jeder Antwort erhöht sich Ihre Sichtbarkeit innerhalb der Gruppe und Ihr Name bekommt eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Webinar: Mit dem richtigen Content in das Herz Ihrer Kunden

Wenn Sie sich mehr Input dazu wünschen, was für Inhalte Sie Ihren Interessenten in Facebook-Gruppen und anderswo anbieten können, besuchen Sie unser kostenfreies Onlineseminar am kommenden Mittwoch um 15 Uhr: Mit dem richtigen Content in das Herz Ihrer Kunden.

Autor

Corina Heinz
Referentin

Ich befasse mich seit 2011 mit Online-Marketing, E-Commerce und E-Mail-Marketing. Während meiner Tätigkeit als Social-Media-Account-Managerin betreute ich über 100 Projekte mit dem Schwerpunkt Facebook-Marketing und Content-Erstellung. Als Beraterin im BIEG bündele ich das Praxiswissen aus Social Media, Webdesign und zahlreichen anderen Online-Marketing-Themen.

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