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Social Media und Suchmaschinen: Blitztipps unserer Experten II

30 Mär

Unsere Expertentipps gehen in die zweite Runde! Letzte Woche haben wir schon verraten, was die Speaker und Autoren des BIEG über digitales Arbeiten, Kommunikation und Marketing in der Krise zu sagen haben. Jetzt geht es weiter mit der Sichtbarkeit während Corona: Tipps zu Social Media und Suchmaschinen. Noch einmal ganz herzlichen Dank an alle, die ihr Wissen mit uns teilen!

Ein kleiner Sichtbarkeitsspiegel

Grundsätzlich sehen wir das derzeit so, dass man den Kunden durch diese Krise helfen muss, ganz nach dem Motto: "in guten wie in Schlechten Zeiten", auf Indisch: "Kabhi kushi kabhi gham".

Die Chance in dieser Situation liegt bei den Onlineshops, die jetzt wesentlich mehr Umsatz generieren könnten. Solange die Lieferketten gewährleistet sind, also die Ware reinkommt und auch ausgeliefert werden kann, stellen wir derzeit überproportionalen Umsatzsteigerungen fest.  Die Shops die schon immer in die SEO gut investiert haben profitieren davon, da die Suchanfragen gestiegen sind. Shops, die nicht so gut in der SEO aufgestellt sind, müssen über die Paid Traffic Channels investieren und diesen auch verstärken, denn zumindest im Fashionbereich haben die CPC angezogen, weil jetzt mehr in Online Werbung investiert wird.

Dabei scheint Google Shopping nicht so stark zu steigen wie z.B. die Bewerbung von Shops über Instagram. Bei Google haben wir eine Steigerung um ca. 5% gesehen, bei IG bzw. FBM Kampagnen ca. 8-10%.

Im Finanzbereich hingegen haben wir kurzeitig eine Verdoppelung bis Verdreifachung der durchschnittlichen CPCs gesehen. Jetzt haben sich diese auf einem höheren CPC-Niveau etabliert als vor der Corona Krise. Ob man diese Preis mitgehen will, muss die Agentur mit dem Kunden genaustens beraten, den am Ende des Tages ist gerade hier der ROI entscheidend.

In der Tourismus Branche ist zumindest bei unseren Kunden der Ofen aus. Hotels, Touristikanbieter und Freizeitparks haben geschlossen oder nur sehr reglementiert geöffnet. Hier kommen wir unseren Kunden mit Beratung für die Zeit danach entgegen und versuchen Ansatzpunkte zu finden, was derzeit noch möglich ist. Oft kann der Brand in der Krise gestärkt werden, weil man für seine Kunden da ist und das sollte auch so über SEA und/oder Social Media kommuniziert werden. Wer jetzt hier einen guten Job macht, kann darauf hoffen, diese Kunden auch in guten Zeiten wieder begrüßen zu dürfen.

Fazit: Als Agentur, lassen Sie Ihre Kunden nicht alleine, sprechen Sie mit Ihre Kunden, kommen Sie den Kunden entgegen. Als Kunde: Behalten Sie den Kopf oben, denken Sie an Kurzarbeitergeld, KFW-Darlehen und Steuerstundung und wie Sie nach der Krise durchstarten wollen.

--- Jörg Stark, Online DigitalX

Auf bewährte Formate setzen

In Bezug auf SEO halte ich es vor allem für wichtig, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen. Viele Unternehmen sind vielleicht gerade in schlechten Zeiten versucht, noch schnell „irgendwas“ zu machen. Das wird in der Regel aber überhaupt keinen Erfolg bringen. Es kann sogar sein, dass übereilte Aktionen nachteilig sind, weil sie z. B. gegen Google-Richtlinien verstoßen und dann zu einer Abstrafung führen.

Meiner Meinung gibt es vor allem einen klaren Tipp: Schau nach, was in der Vergangenheit funktioniert hat – und mach dann mehr davon. Wenn von 100 Blog-Beiträgen fünf viele Besucher oder sogar Kunden gebracht haben: Mach mehr von Beiträgen solcher Art! Also: Die Google Search Console ist dein Freund. Dort kann man sehen, welche Seiten zu vielen Besuchern geführt haben.

--- Markus Hövener, Bloofusion Germany GmbH

Drastische Veränderung der Onlinewerbelandschaft

Nicht noch ein Krisen-Artikel, nur einige Beobachtungen aktueller Entwicklungen im digitalen Marketing: Es ist natürlich einiges in Bewegung, viele Werbetreibende haben ihre Kampagnen massiv heruntergefahren oder ganz gestoppt. Wir können davon ausgehen, dass wir nach der Situation einen stark veränderten Kommunikationsmarkt und eine neue Agenturlandschaft erleben werden

Dort, wo es möglich ist, haben Unternehmen auf Homeoffice umgestellt - und von zuhause wird deutlich mehr Datenverkehr erzeugt. Das liegt an der stark gestiegenen Nutzung von Kollaborationstools wie Online-Meetings und Videokonferenzen, mehr Dateien werden ausgetauscht und die Nutzung von Streaming-Angeboten wie Netflix, Prime oder Mediatheken ist sprunghaft angestiegen. Plattformen zur Onlinezusammenarbeit wie Zoom, Slack oder MS Teams haben nie dagewesene Anmeldezahlen.

Alle Zugangsprovider beteuern unisono, dass die Netze dieses zusätzliche Datenvolumen problemlos meistern und ihre Kapazitäten dafür ausgelegt sind. Dennoch haben einige der grossen Videoanbieter damit begonnen, die Qualität der Streams zu drosseln und somit den steigenden Datendurchsatz zumindest abzumildern.

Es ist ein spürbarer Rückgang der TKP-Preise (Tausender-Kontaktpreise) z.B. bei Facebook zu beobachten. Die Ursachen dafür sind einleuchtend und nachvollziehbar: Weniger Unternehmen schalten Werbung, mehr Menschen surfen mehr und länger, d.h. das Angebot an verfügbaren Werbeflächen steigt bei weniger Nachfrage.

In manchen Branchen wurden über 40% niedrigere Preise errechnet.

Dies stellt eigentlich eine Chance für Unternehmen dar, jetzt zu spürbar günstigeren Konditionen zu werben - es nützt nur wenig, wenn deutlich weniger konsumiert wird und Produktions- und Lieferketten unterbrochen sind. Einige Unternehmen stellen ihre Kampagnen von E-Commerce auf Leadgenerierung um. Dahinter steht die Hoffnung, jetzt gesammelte Adressen später aktivieren zu können, wenn der Ausnahmezustand sich normalisiert.

Angebote für Fernunterricht, E-Learning und Weiterbildungsangebote haben aktuell guten Zulauf.

Auch im Bereich Search sind natürlich Änderungen spürbar, die auf den gleichen Marktgegebenheiten beruhen: weniger Konsum, weniger Suchanfragen nach produktbezogenen Inhalten, dagegen natürlich deutlich gestiegene Suchen nach Informationen und News. Alle seriösen Nachrichtenanbieter verzeichnen natürlich großes Interesse - das Gegenteil ist z.B. bei Touristik, Reiseanbietern, Messen und der Autoindustrie der Fall. Chancen, Risiken und CPC-Preisentwicklung unterscheiden sich hier besonders stark nach Branchen.

Unternehmen, die einen Großteil ihrer digitalen Maßnahmen bereits programmatisch durchführen, haben derzeit einen Vorteil: Die Anpassung von Kampagnen (sowohl bei den Werbemitteln als auch der Mechanik und der Steuerung der Zielplattformen für die Ausspielung) verursacht deutlich weniger Aufwand und kann viel zentraler gemanaged werden.

--- Boris Meixner, Digital Consult

Reichweite mit Pinterest erhöhen

Wenn Sie auf Pinterest aktiv sind, lohnt sich ein Blick in die aktuellen Suchtrends und die Überlegung, wie Sie diese für sich nutzbar machen können. Suchanfragen, die dazu dienen, die aktuelle Situation zu bewältigen, schießen derzeit in die Höhe. Laut Pinterest stiegen Suchanfragen zu "vegetarische Rezepte schnell" um 187%, zu "Netflix Serien Liste" um 36% und zu "Vorschule Übungen" um 20% (Quelle: Pinterest Deutschland). Menschen, die an ihr Zuhause gebunden sind, im Home Office arbeiten müssen und ihre Kinder schulisch nun intensiv begleiten, stehen vor neuen Fragestellungen, um den Alltag zu meistern. Wenn Sie also innerhalb Ihrer Unternehmensausrichtung Content erstellen können, um akute Themen wie Home Office, Home Schooling und natürlich Ideen für den Zeitvertreib zu Hause (Unterhaltung, Sport, Aufräumen) zu bedienen, dann spielen Sie diesen auch auf Pinterest, um von der aktuell erhöhten Reichweite profitieren zu können. 

--- Melanie Grundmann, Marpha Consulting

Den Kunden das Leben erleichtern

Liegt in jeder Krise auch wirklich eine Chance? Wie kann Social Media durch die Coronakrise helfen?

Aktuell passiert bedingt durch die Krise in den sozialen Netzwerken wahnsinnig viel. Marken, kleine Geschäfte und Prominente experimentieren mit verschiedenen Formaten herum. Wir alle sollen gerade versuchen zuhause zu bleiben, um so etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun. Und Marken und Unternehmen können gerade uns zuhause nun etwas Gutes tun. Viele Marken begeistern nun mit schönen Ideen, um den Menschen zuhause den Quarantänealltag ein wenig einfacher zu machen. 

Zum Beispiel Mercedes-Benz: Der Konzern hat Ausmalbilder ihrer verschiedenen Modelle aus den unterschiedlichen Jahrzehnten veröffentlicht. Eltern können so im Home Office ihre Kinder beschäftigen. Einfach ausdrucken und die Kleinen haben ein paar Stunden Beschäftigung. Ein echter Mehrwert ohne zu aufdringliches Marketing. 

Oder z.B. der Pianist Igor Levit: Jeden Abend gibt er nun ein Live-Konzert auf Twitter. Comedians haben erste Instagram-Live-Comedy-Shows getestet - ebenfalls ein Mehrwert für alle, die zuhause sitzen. 

Aber Social Media gibt eben auch die Möglichkeit, die eigenen Kunden und Partner zur eigenen aktuellen Lage auf dem Laufenden zu halten, in Kontakt zu bleiben und ggf. sogar Hilfe zu bekommen. So können kleinere lokale Geschäfte z.B. einen Gutscheinverkauf an die Stammkunden anbieten und so erst einmal die Fixkosten decken. Eine andere Möglichkeit kann nun, da viele ihre Geschäfte schließen mussten, ein direkter Vertrieb über Instagram-Shopping sein, so dass das eigene Schaufenster auf Social Media verlagert wird.

Ein weiteres schönes Beispiel: Ein Weinladen in Frankfurt bietet nun die Bestellung per WhatsApp und Lieferung frei Haus an. Die Preisliste ist sowohl am Schaufenster, als auch auf der Website zu sehen.

Sie sehen, die Möglichkeiten, die Social Media bietet, sind vielfältig. Wir sollten uns diesen Kanälen in dieser besonderen Situation mit mehr Pragmatismus widmen. Dann kann die Krise wirklich zur Chance werden.

--- Thomas Weiser, Freelance Digital Stratege

Nicht an der Suchmaschinenoptimierung sparen

Wer Budget im Online Marketing sparen möchte, sollte dies bei den Paid-Kanälen, nicht aber bei der Suchmaschinenoptimierung tun. Gründe hierfür sind die besondere Nachhaltigkeit von SEO-Maßnahmen und somit ein hoher ROI für einen längeren Zeitraum bei gleichzeitig steigender organische Reichweite. Zudem spricht die Notwendigkeit, den SEO-Prozess fortzuführen, um der Konkurrenz keine langfristigen Vorteile zu verschaffen, eindeutig für SEO als Mittel der Wahl in der Krise. 

Gero Wendelholm, Marketingberater

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Autor

Dr. Angelika Niere
Referentin

Seit 2009 betreue ich im BIEG Hessen unsere kostenfreien Informationmaterialien: unsere Leitfäden und Checklisten, unseren Blog und unseren Podcast. Im Laufe der Jahre habe ich im Bereich Online-Marketing über 200 Fachartikel verfasst. Als promovierte Literaturwissenschaftlerin befasse ich mich intensiv mit Content-Marketing und Storytelling.

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