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Responsive Webdesign, mobile Website oder App? Interview mit Webdesignexperte Tim Kaufmann, Juror des Hessischen Website Awards 2015

05 Aug

(05.08.2015) Tim Kaufmann, Geschäftsführer der Webagentur Taquiri GmbH & Co. KG ist zum zweiten Mal in Folge Juror des Hessischen Website Awards. Im Interview verriet er uns, wie Websites beim Besucher und beim Award punkten können, welche typischen Fehler Unternehmen beim Webauftritt vermeiden sollten und warum es ohne mobile Websiteoptimierung nicht mehr geht. (an)

 

BIEG: Im Internet stehen kleine und mittelständische Unternehmen im direkten Wettbewerb mit den ganz Großen, doch sie haben oft ein eingeschränktes Budget für ihre Website und keine eigenen Marketingexperten im Haus. Was sind die wichtigsten Punkte, die diese Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Website beachten müssen? Was ist für eine wettbewerbsfähige Website Pflicht?

Kaufmann: Fehlschüsse wiegen umso schlimmer, je weniger Pfeile man im Köcher hat. Klar sind kleine und mittlere Unternehmen da zuerst mal im Nachteil. Umso wichtiger ist es, dass jeder Schuss sitzt. Die Website spielt hier eine zentrale Rolle: Gelingt es, den Mehrwert der eigenen Produkte und Leistungen in kundenverständlicher Sprache schnell und bequem zugänglich zu machen? Dann ist das ein wesentlicher Trumpf. Das gilt erst recht, weil sich das Angebot vieler Unternehmen nur langsam ändert. Es lässt sich deshalb gut auf einer einmalig sauber durchdachten Website abbilden, die dann im Tagesgeschäft wenig Zeit frisst.

Nicht unterschätzen sollte man die Vorteile kleinerer Unternehmen in Sachen "kurze Entscheidungswege". In großen Unternehmen müssen Online-Marketing-Maßnahmen vor der Umsetzung häufig viele Gremien passieren. Damit einhergehen Geschwindigkeitsverluste und manchmal verwässern gute Ideen dabei. Kleine Unternehmen können flexibler agieren. Schnellboote statt Tanker eben.

BIEG: Sie waren bereits beim Hessischen Website Award 2014 Juror und führen regelmäßig mit dem BIEG Website-Checks durch. Nennen Sie ein paar typische Fehler von Websites, die zu einer niedrigen Platzierung geführt haben.

Kaufmann: Bei der Bewertung versuchen wir uns zu verhalten wie ein potentieller Kunde des jeweiligen Unternehmens. Damit verbinden sich zwei Kernfragen, nämlich "Verstehen wir, was das Unternehmen anbietet" und "Werden Vorteile und Alleinstellungsmerkmale auf Anhieb erkennbar herausgestellt"? Gelingt das nicht, führt das zu einer deutlichen Abwertung, selbst wenn Design und Technik herausragen.

Daneben geht es uns - wie jedem Besucher - um kurze Ladezeiten, Übersichtlichkeit und einfache Bedienung. Ein Mangel in einem dieser Punkte lässt sich verschmerzen, mehrere drücken auf die Bewertung, weil sie das Benutzererlebnis mindern und das Unternehmen dadurch auch beim Kunden Sympathiepunkte kosten. Ein besonders gravierendes Beispiel dafür wäre eine fehlende Optimierung für mobile Endgeräte. Speziell eine Website, die sich an Endverbraucher richtet, dürfte sich ohne ein responsives Webdesign oder eine vergleichbare, mobile Optimierung dieses Jahr schwertun. Schließlich liegt der Anteil mobiler Besucher hier besonders hoch, etwa bei durchschnittlich 30 Prozent.

BIEG: Andersherum gefragt: Wie können auch kleine Unternehmen aus der Masse herausstechen? Was kann eine Website zu etwas ganz Besonderem machen?

Kaufmann: Ich mag die Websites am meisten, die Besuchern Fragen beantworten und dabei helfen, Aufgaben zu erledigen. Bestes Beispiel dafür sind die Erstplatzierten des letztjährigen Website Awards, eine Reiseagentur mit hoher Spezialisierung in ihrer Marktnische. Sie bot alle für die Online-Buchung relevanten Informationen an, gespickt mit professionellen Fotos, verpackt in ein gleichermaßen stimmungsvolles wie innovatives Webdesign und garniert mit einem bequemen und verständlichen Buchungsprozess. Da passte alles perfekt, sowohl zum Produkt als auch zur Zielgruppe.

BIEG: Mobile Optimierung ist beim Webdesign ein großes Thema. Dafür stehen den Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, vor allem Responsive Webdesign oder die Einrichtung spezieller mobiler Websites. Gibt es eine Lösung, die Sie mittelständischen Unternehmen besonders ans Herz legen würden?

Kaufmann: Beim Responsive Webdesign betreibt das Unternehmen nur eine einzige Website. Die ist im Layout nicht starr, sondern passt sich der Größe des Browser-Fensters beziehungsweise Displays an. Für die allermeisten Unternehmen ist das genau die richtige und zugleich günstigste Lösung. Dem Besucher wird der volle Informationsumfang geboten, egal mit welchem Gerät er die Website besucht. Perfektionieren lässt sich das, wenn man die Website beginnend beim Smartphone entwickelt. Das begrenzte Platzangebot auf dessen Display führt zur Konzentration auf die Inhalte, die dem Benutzer helfen. Davon profitiert immer auch die PC-Ansicht der Website. Dem gegenüber stehen mobile Websites, die zusätzlich zur PC-Version gepflegt werden. Davon halte ich wenig, vor allem weil diese Websites nach meinem Eindruck meistens nur ein abgespecktes Informationsangebot bereitstellen. Dass ich eine Website mit einem Smartphone besuche, heißt aber nicht zwangsläufig, dass ich in Eile und nur oberflächlich interessiert bin. Deshalb empfinde ich eigenständige, mobile Websites vor allem als frustrierend und suche meistens direkt nach dem Link, über den ich zur PC-Website gelange.

BIEG: Ist die Entwicklung einer eigenen App eine Alternative?

Kaufmann: Das ist eine Frage des angestrebten Funktionsumfangs. Für vergleichsweise kleines Geld sind Apps verfügbar, die letztlich nichts anderes machen als ein Browser, nämlich Web-Inhalte des Unternehmens abrufen und anzeigen. Das kann ein Weg sein, sich auf dem Homescreen des Anwenders einen dauerhaften Platz zu verschaffen. Weil diese Apps aber eher Statussymbole sind, als dass sie Nutzwert bieten, erfreuen sich bestenfalls mittelmäßiger Bewertungen und werden nur selten heruntergeladen.

Wirklich individuelle, an das Unternehmen und seine Kunden anpasste Apps sind ungleich teurer, auch in der Weiterentwicklung. Wer Hardware-Funktionen nutzen will, zum Beispiel auf die Kamera oder Sensoren des Mobilgerätes zugreifen möchte, der kommt um eine App nicht herum. Für den Großteil der web-typischen Funktionen reicht eine responsive Website aber nach meiner Erfahrung völlig aus.

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Autor

Angelika Niere
Referentin

Nach einem Studium der Literaturwissenschaft wurde ich 2009 Referentin des BIEG Hessen. Dort betreue ich unsere Leitfäden und unseren Blog. Meine Schwerpunkte sind Content-Marketing und Storytelling.

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