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Print-Stellenanzeigen waren gestern!

16 Apr

(16.04.2014) "Chef bewirbt sich bei zukünftigem Mitarbeiter." Was sich irgendwie nach verkehrter Welt anhört, wird zunehmend Realität und erfordert ein Umdenken von Unternehmen. Der Fachkräftemangel, häufig auch als "War for Talents" bezeichnet, ist in vielen Branchen bereits angekommen. Die Sicherung qualifizierter Mitarbeiter kann damit für Unternehmen zu einer existenziellen Herausforderung werden. Dabei sollten diese wissen, dass die meisten Nachwuchskräfte in einem nie da gewesenen Maße online kommunizieren, sei es privat oder in Business-Netzwerken wie XING oder LinkedIn.

Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2013 nutzten ca. 75 Prozent der Deutschen das Internet. Die höchste Nutzungsintensität verzeichneten die beiden Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen und 30- bis 49-Jährigen mit jeweils 98 und 92 Prozent. Gleiches gilt für die aktive Nutzung von sozialen Netzwerken: Auch hier sind jeweils die zuvor genannten Altersgruppen mit jeweils 87 und 64 Prozent am stärksten vertreten. Ein weiterer wichtiger Trend, den Unternehmen berücksichtigen sollten: 40 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahre besitzen ein Smartphone und gehen damit zunehmend mobil ins Netz - Tendenz steigend!

Daher ist es nicht nur für diejenigen Unternehmen wichtig, im Internet und in den sozialen Netzwerken vertreten zu sein, die akut vom Fachkräftemangel betroffen sind, vielmehr gilt dies für alle Unternehmen. Denn: Wer nicht im Netz gefunden wird, existiert nicht! Und wer sich nicht als attraktiver Arbeitgeber positioniert, überlässt qualifizierte Fachkräfte früher oder später seinen Mitbewerbern. In jedem Fall wird über Unternehmen im Netz gesprochen. Dafür sorgen schon allein Arbeitgeber-Bewertungsportale wie Kununu oder BizzWatch.

Employer Branding, aber wie?

Aber was bedeutet das konkret für das Personalmarketing? Die Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten, sind vielfältig: Von der Online-Stellenanzeige in Internet-Stellenbörsen wie Stepstone oder Monster über das eigene Karriereportal auf der Unternehmens-Webseite bis hin zum Unternehmensprofil im Businessnetzwerk XING. So gibt beispielsweise die Deutsche Flugsicherung auf ihrer Facebook-Karriereseite Einblicke in den Berufsalltag eines Fluglotsen. Beim Maschinenbau-Konzern GEA bloggt die Personalleiterin über ihre Eindrücke im Unternehmen. Oder die Verkehrsbetriebe Zürich schalten Video-Stellenanzeigen, in denen sich der Chef bei potentiellen Mitarbeitern bewirbt. Genügte früher das Schalten einer Stellenanzeige in Tageszeitungen oder Fachzeitschriften, so müssen Unternehmen heute gleich mehrere Kanäle bespielen, um von Bewerbern wahrgenommen zu werden.

Allerdings verfügt nicht jedes Unternehmen über das entsprechende Know-how und die notwendigen Ressourcen sofort selbst durchzustarten. Ob unter Zuhilfenahme einer Agentur oder in Eigenregie - wichtig ist, dass Unternehmen sich im Vorfeld bewusst machen, sowohl wer die Zielgruppe ist und in welchen sozialen Netzwerken sich diese aufhält, als auch, was sie potentiellen Kandidaten zu bieten haben (Kinderbetreuung, Homeoffice, Einstiegsprogramme für Studenten, Auszubildende, Praktikanten etc.). Prinzipiell gilt: Authentizität und Dialogbereitschaft sind die obersten Gebote in der Social-Media-Welt. Zudem sollten Unternehmen zentrale Unternehmensbereiche identifizieren und diese im Mitarbeiterblog oder in Kurzvideos vorstellen. Damit wecken sie nicht nur die Aufmerksamkeit potentieller Kandidaten und liefern wichtige Informationen, sondern schaffen zudem Vertrauen und verleihen ihrem Unternehmen ein Gesicht. Die so produzierten Inhalte lassen sich auf der eigenen Webseite, Facebook-Seite oder dem eigenen YouTube-Kanal einsetzen. Auch die mobile Nutzerschaft sollte im Blick behalten werden. Neben der eigenen Karriere-Website im Responsive Webdesign, welche sich mobilen Endgeräten anpasst, empfiehlt sich für größere Unternehmen auch eine Karriere-App.

Fazit: Der Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen und hat zur Folge, dass diese sich zunehmend im Wettbewerb um ein knappes Gut - dem Mitarbeiter - sehen. Gewinner sind dabei die Unternehmen, die es geschafft haben, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren (Employer Branding) und genau wissen, wo sie ihre Zielgruppe erreichen und wie sie diese ansprechen müssen.

 

 

Autor

Uta Nübl
Referentin

Uta Nübl ist seit 2013 als Referentin beim BIEG Hessen tätig und berät Unternehmen insbesondere in den Bereichen Website-Konzeption und Social-Media-Marketing. Zuvor war die gelernte Diplom-Betriebswirtin mehrere Jahre im Tourismusmarketing tätig.

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